Darum gehts
- SRF-Moderator Donat Hofer ist zum dritten Mal in «Reporter Spezial»-Sendung unterwegs
- Der Berner entlockt Zufallsbekanntschaften in der ganzen Schweiz die erstaunlichsten Dinge
- In Schaffhausen erzählt ihm Jungmutter Cheyenne von ihrer Analfissur und ihrem Glauben
Berner stehen gemeinhin unter Verdacht, langsam zu sein und auch so zu reden. Bei TV-Moderator Donat Hofer (38) ist Zweiteres ohrenfällig. Manche finden das sympathisch, andere fragen sich insgeheim, ob er nicht etwas schneller auf den Punkt kommen könnte.
Das ist Ansichtssache. Sicher vermittelt Hofer in seinen Auftritten mehr Tiefgang als andere SRF-Jungspunde. Und mit seiner einfühlsamen Art bringt er viele Menschen erstaunlich offen zum Reden.
Länger lief er unter dem breiten Publikumsradar und erarbeitete sich seinen Status in Formaten wie «Focus» und «rec.». Nun ist Hofer wieder «auf Achse» in «Reporter Spezial».
Mit seinem gelben «Chlapf» (berndeutsch für Auto) fährt er durch die Schweiz und spricht mit ihm unbekannten Menschen «über das, was sie gerade beschäftigt. Der Zufall ist unser Reiseleiter. Und das Ziel sind ehrliche Gespräche mitten aus dem Leben», sagt Hofer.
Cheyenne, Jesus und der Schmerz
Die erste Folge von Staffel 3 führt ihn in die Innenstadt von Schaffhausen. «Darf i schnäu frage?», spricht Hofer eine junge Frau an. Aber sicher, Cheyenne hat Zeit. Sie ist mit ihrem Kinderwagen und einer Kollegin unterwegs. Sie kommt aus Kiel, lebte in Berlin und lernte einen Schweizer kennen und lieben. «Ich glaube an Jesus Christus, der hat mir schon tausend Mal geholfen. Ich hatte eine Zeit lang sehr starke Schmerzen. Und er gab mir inneren Frieden.»
Hofer fragt: «Was war die Ursache des Schmerzes?»
Cheyenne: «Das würde ich jedem erzählen, nur nie im Fernsehen.» Dann denkt sie kurz nach und sagt: «Oder doch, das muss eigentlich öffentlicher gemacht werden. Es war eine Analfissur.»
Hofer meint: «Eine bekannte Schweizerin, Gülsha, hat auch darüber gesprochen...»
Cheyenne sagt: «Eigentlich schäme ich mich gar nicht dafür. Ich hatte es schon mal im Jahr davor. Damals ging es weg, indem ich nichts mehr gegessen habe. Nun nicht mehr und der Schmerz war schlimmer als beim ersten Mal. Viele Frauen haben das nach der Geburt, ich auch. Das ist ein Tabuthema und man findet fast keine Hilfe. Ich wurde mit Oxycodon vollgeballert, was kaum etwas brachte. Dann wurde ich operiert und es hat lange gedauert, bis die Wunde heilte, weil man an dieser Stelle nicht nähen kann.»
Der Riss am Auspuff
Hofer fragt: «Was ist eine Analfissur genau?»
Cheyenne erklärt: «Ein Riss im Popo, am Auspuff, hat der Spezialarzt gesagt.»
Hofer sagt: «Jetzt können wir darüber lachen. Aber wie sind die Schmerzen?»
Cheyenne: «Bohrend, stechend und einfach so stark, dass ... es ging über Stunden. Ich musste sogar das Stillen unterbrechen. Ich habe dann mit meinem Mann gebetet und die Angst ist verschwunden.»
Hofer: «So fandest du zu Jesus?»
Cheyenne: «Nein, ich kenn ihn zum Glück schon mein Leben lang. Und gerade in schwierigen Zeiten spüre ich Gott noch näher. Der Schmerz ist zwar nicht weggegangen. Aber ich habe gemerkt, dass Gott es gut mit mir meint.»
«Danke für deine Offenheit», meint Hofer. Und dann zieht er wie nach jedem Gespräch Bilanz, in seiner eigentümlichen Art, die zwar simpel wirkt, aber stets einer kleinen Lebensweisheit gleichkommt. Hofer sagt: «Ein Gespräch über den Auspuff. Wenn es ums Auto geht, kein Problem. Wenn es um unseren Körper geht, sind wir aber schnell in einer Tabuzone. Ich finde es stark, wie offen Cheyenne spricht. Weil etwas ist klar: Einen ‹Arsch› haben wir alle.»
PS: Der Autor dieses Artikels ist ebenfalls Berner.
«Reporter Spezial – Donat auf Achse»: Die dritte Staffel ist ab sofort auf Play SRF zu sehen. Auf SRF 1 läuft sie am Mittwoch, 5. August, ab 20.05 Uhr.