Darum gehts
- Carlos Feierabend lebt mit Familie in der Dominikanischen Republik seit 2021
- Er versucht dort mit Brotverkauf und Kaffeeanbau Geld zu verdienen
- Carlos hat einen 11-jährigen Sohn aus früherer Beziehung in der Schweiz
Die Geschichte von Auswanderer Kari Feierabend und seinen vier Söhnen ging mitten ins Herz und berührt das TV-Publikum seit Jahrzehnten. Was 1988 mit einem Porträt über den in die Karibik ausgewanderten Schnapsbrenner aus dem Kanton Zug begann, ist zur Familiengeschichte mit vielen Kapiteln angewachsen. Zur Erinnerung: Nachdem Kari in der Dominikanischen Republik eine Farm gekauft hatte und pleiteging, fand er sein Glück mit Marina und zeugte vier Söhne.
Carlos, der Älteste, zog mit 17 Jahren zu einer Tante nach Flüelen UR. Nach Karis Tod 2008 machten sich auch die anderen Brüder in die Schweizer Heimat des Vaters auf, blieben dort und gründeten selber Familien. Doch als Carlos 34 war, zog es ihn mit seiner Partnerin Samira zurück in die Dominikanische Republik. Für Samira kein guter Plan: fremde Umgebung, fremde Kultur, fremde Sprache. Schon nach fünf Wochen flog sie wieder in die Schweiz. «Das Faszinierende ist, dass sich vieles wiederholt», sagt SRF-Filmer Simon Christen.
«Wie verdient man Geld in der Dominikanischen Republik?»
Er begleitete 2021 Samira und Carlos bei ihrer Rückkehr in die Schweiz. Ja, Carlos kam ebenfalls zurück – denn Samira war schwanger. Nun erzählt Christen in einem weiteren Film, was seither geschah: Carlos und Samira sind erneut ausgewandert! «Und auch die neueste Entwicklung berührt.» Denn Carlos stehe vor denselben handfesten Problemen wie seinerzeit sein Vater: «Wie verdient man Geld in der Dominikanischen Republik?»
Zwar lebt die Familie in einem Selbstversorgungsparadies, pflanzt Kaffee an, aber fürs Einkaufen braucht man halt doch Geld. Zudem baut Carlos nach wie vor am neuen Haus: da, wo einst das von Kari stand. «Er ist ein Allrounder wie sein Vater», sagt Christen, «macht vieles selbst, doch das Material dafür muss er kaufen.» Irgendwann sei das Pensionskassengeld, das er sich ausbezahlen liess, aufgebraucht. Bald also muss Carlos einen Verdienst finden, was schwierig ist, so abgelegen, wie die Familie lebt. «Kein Tourist verirrt sich dorthin, er muss also für die Einheimischen arbeiten.»
«Für Samira ist vor allem die Familie wichtig»
Hilfreich sind ihm hierbei Schweizer Qualitäten wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Exaktheit. «Doch angemessene Preise dafür kann er schwer durchsetzen.» Nun hat «El Suizo» begonnen, Brot zu backen. «Eine weitere Parallele zu Kari», sagt Christen. Einen Abnehmer dafür hat er schon, doch in seinem Ofen kann er nur vier Laibe aufs Mal backen. «Also möchte er in einen grösseren investieren.» Carlos ist sich ein einfaches Leben gewöhnt, auch seine Frau sei bescheiden: «Für Samira ist vor allem die Familie wichtig.»
Langfristig werde sich zeigen, ob sie immer so leben will. Kommt das Brotgeschäft in Fahrt, würde sie sicher im Familienbetrieb mithelfen, vielleicht ein Café eröffnen. Christen: «Ob das funktioniert oder Luftschlösser sind, werden wir sehen.» Aktuell ist Arbeiten für Samira noch kein Thema: Emma ist 3-, Nils 1-jährig. Anders als beim ersten Aufenthalt fühlt sich Samira jetzt aber wohler. «Die Kinder ändern alles, sie hat nun eine Aufgabe, Struktur im Leben.» Auch an die karibische Lebensart hat sie sich gewöhnt, schliesst erste Kontakte mit Einheimischen in Rancho Arriba.
Pepe will nicht in der Schweiz sterben
Andere Voraussetzungen als in Flüelen also, wo beide unzufrieden waren: Carlos kam spät von der Baustelle heim, Samira war nach einem Tag mit den Kindern genauso müde. Das führte zu Spannungen. «Und das konnten sie nun lösen.» Denn in seinem karibischen Homeoffice sei Carlos immer da. «Samira sagt, das habe der Beziehung gutgetan.» Aber wie nachhaltig ist das? Sind die Kinder mal ein- geschult, stellt sich die Frage nach den Perspektiven, wie einst für Carlos. «Beide haben den Schweizer Pass und stehen zwischen zwei Kulturen.» Die nächsten Jahre bleibt die Familie jedenfalls in der Karibik. Voraussichtlich. Das feierabendsche Leben schlage ja bekanntlich rechte Haken.
«Dass Carlos dabei so positiv bleibt, ist bewundernswert. Eine weitere Eigenschaft, die er vom Vater hat.» Kari Feierabend ist im Leben des Sohnes auch sonst präsent. «Wo immer Carlos in den letzten Jahren gewohnt hat, hängte er als Erstes auch Fotos von ihm auf.» Und wie geht es Karis anderen Söhnen? Pepe hat sich von der Mutter seines Sohnes getrennt, sei aber gut integriert, weiss Christen. Darum soll das Haus, das er baut, ein Ferienhaus sein. Vorerst. «Denn Pepe will keinesfalls in der Schweiz sterben», verrät Christen.
Freddy wiederum lebt in Luzern, hat wenig Kontakt mit den Brüdern, führt sein eigenes Leben. Und Sämi, der Jüngste, ist verheiratet und wohnt in Flüelen. Zurück zu Carlos: Sein erster Sohn aus einer früheren Beziehung ist mittlerweile 11 und lebt bei der Mutter. «Das bleibt eine schwierige Beziehung.» Vater und Sohn haben Kontakt, im Film sieht man sie aber nicht zusammen. Wenn Caio älter sei, könne er selbst entscheiden, ob er sich vor der Kamera äussern mag. Doch eins ist klar: Simon Christen will die Geschichte der Familie Feierabend weitererzählen.