Vom Zirkus zur Gastronomie
Das neue Leben von Franco Knie

Vom Zirkusdirektor zum Gastrounternehmer: Seit zehn Jahren führt der einst weltbekannte Elefantentrainer sein eigenes Restaurant. Trotz des Berufswechsels sind ihm die sanften Riesen nah.
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Franco Knie ist und bleibt ein Gastgeber.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Franco Knie kocht persönlich in seinem Restaurant «Himmapan Lodge» in Rapperswil
  • Seit 2014 widmet er sich dem 6500 m² grossen Elefantenpark
  • Seine Tochter Nina beginnt bald die Hotelfachschule in Passugg GR
Aurelia Robles (Text), Philippe Rossier (Fotos), GlücksPost
Glückspost

Normalerweise schwingt Chef Franco Knie (71) den Kochlöffel in der Küche nicht persönlich. Doch für einen speziellen Anlass in seinem thailändischen Restaurant «Himmapan Lodge» in Rapperswil SG macht er gerne mal eine Ausnahme für die Gäste. «Am Anfang war ich fast so nervös wie bei meinem ersten Auftritt in der Zirkus-Manege», erinnert sich der frühere Elefantentrainer. 1970 trat Franco Knie als 16-Jähriger mit seiner ersten eigenen Nummer auf – mit vier Elefanten und vier Pferden. Danach tourte er 45 Jahre lang mit seinen Dickhäutern im Zirkus Knie.

Seit zehn Jahren verzichtet der Circus Knie nun auf die sanften Riesen. «Die Haltung von Tieren im Zirkus hat sich in Europa enorm verändert», sagt Knie. «Wir entschieden dann familienintern, dass unsere Elefanten ‹diheime bliebed›, im Kinderzoo. Mit dem neuen, 6500 m2 grossen Elefantenpark haben wir nun die Chance, Bullen zu halten und mit einer erfolgreichen Zucht einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung des Asiatischen Elefanten zu leisten.» So verabschiedete sich der frühere Zirkusdirektor und widmete sich dem Bau des Elefantenparks, der im Herbst 2014 – anlässlich des 60. Geburtstages von Franco Knie – eröffnet wurde. Etwas später folgte die «Himmapan Lodge», wo er nun täglich – ausser montags – die Gäste persönlich begrüsst.

GlücksPost: Franco Knie, fehlt Ihnen die Manege nie?
Franco Knie: Ich muss sagen, hier im Restaurant habe ich ähnliche Gefühle. Im Zirkus hatte ich den Applaus, konnte spüren, ob die Show gut war oder nicht. Als Gastronom erlebe ich Gleiches mit den Gästen, bekomme auch relativ schnell ein Feedback. Das finde ich toll. Die vielen Erinnerungen aus meiner Zeit mit dem Knie sind aber noch sehr präsent in meinem Herzen.

Wie beschreiben Sie Ihr heutiges Leben?
Glücklich, ausgefüllt, spannend. Ich bin neugierig neue Wege gegangen, was ich immer wollte.

War es Ihnen im Zirkus zu monoton?
Nein, das Artistenleben ist wahnsinnig abwechslungsreich. Aber irgendwann wird man halt älter und spürt die Jungen, die nachkommen. Dann muss man vernünftig sein und ihnen das Vertrauen schenken, sonst verleidet es ihnen. Die Familie Knie hat es stets geschafft, das Unternehmen in den Vordergrund zu stellen, egal, welche Querelen man als Familie hat. Durch den geplanten Elefantenpark hatte ich eine neue Aufgabe und spürte, dass der Moment perfekt war für etwas Neues.

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Bereits 2011 übergab Franco seine Zirkus-Aktien an seine Kinder. Tochter Doris Knie (45) führt mit Géraldine Knie (53) und deren Mann Maycol Errani (40) mittlerweile in siebter Generation den Zirkus Knie weiter. Sohn Franco jun. (38), gelernter Computerfachmann, hingegen hat sich vom Zirkus komplett verabschiedet. Sohn Anthony (37) aus zweiter Ehe ist aufgrund seines Autismus auf Pflege angewiesen. Nicht zuletzt hat Franco mit seiner dritten Frau Claudia Uez (58) die Zwillinge Nina und Timothy (16). «Ich spürte, dass der Zirkus meine jüngsten Kinder nicht gross interessiert. Deshalb wollte ich ihnen ermöglichen, selbst ohne Druck herauszufinden, was sie später einmal machen wollen», sagt Franco Knie. «Auch als Vater war es für mich also der richtige Schritt, den Zirkus zu verlassen.» 

Was bedeutete der Weggang für Ihre Familie?
Ich habe das natürlich gemeinsam mit meiner Frau entschieden. Meine Tochter Nina sagte mir vor zwei Jahren Danke und meinte, der Zirkus wäre nicht ihr Weg gewesen. Sie wird nun bald die Hotelfachschule in Passugg GR beginnen, Tim ist an seiner Matura dran.

Können Sie die beiden gut loslassen?
Ja, sie sind tolle Kinder. Sie dürfen, wie wir früher, natürlich auch Blödsinn machen, aber unsere Kommunikation muss ehrlich sein. Im Moment geniessen Claudia und ich einfach die Zeit, die uns mit den Kindern bleibt. Wir waren gerade zwei Wochen in Thailand und verreisen im Sommer nach Süditalien. Das Miteinander ist uns wichtig.

Obwohl Franco Knie heute mit seiner Familie am anderen Ufer des Zürichsees lebt, bleibt Rapperswil seine Heimatstadt. «Hier bin ich in die Schule gegangen, aufgewachsen, habe Freunde.» Zudem liegt sein Restaurant gleich oberhalb des Elefantenparks. «Ich arbeite nicht mehr mit Elefanten, dennoch habe ich jede Geburt miterlebt. In unserem Park haben wir Elefanten, mit denen ich über 50 Jahre zusammen bin. Ceylon beispielsweise ist 54. Ich sage immer, dass sie mich besser kennt als meine Frau.» 

Wie schwer fiel es Ihnen, sich von der Identität des Elefantentrainers zu lösen?
Ich habe schon früh gemerkt, dass ich eine Welt ausserhalb des Zirkus brauche und habe auf Tournee auch jeweils Freundschaften in den verschiedenen Ortschaften geknüpft. Ich spürte schon immer, dass es ungesund ist, wenn man nur in einer geschlossenen Welt lebt und kaum andere Kontakte hat. Dann verliert man irgendwann auch das Gespür, was die Gesellschaft von einem fordert oder was das Publikum will.

Wieso wechselten Sie in die Gastronomie?
Thailand und Elefanten passen perfekt zueinander, mit dem Elefantenpark setzten wir zudem neue Massstäbe und in der thailändischen Kultur spielen Essen und Trinken eine wichtige Rolle; da meinte meine Frau eines Tages, dass ich ein authentisches Thai-Restaurant eröffnen soll. Ab und zu höre ich halt auf meine Frau. (Lacht.) Mit meinem Vater Rolf, einem Lebemann, durfte ich in jungen Jahren manchmal ins Ausland reisen und in 5-Sterne-Hotels übernachten. Das hat mich beeindruckt. Nicht der Luxus, sondern deren Geschichte. Ich liebte es, die Service-Angestellten zu beobachten, wie sie die Gäste verwöhnten. Das hat mich extrem interessiert und rückblickend gesehen auch geprägt.

Das Gastrogeschäft gilt als eines der härtesten.
In der Gastronomie einen Namen aufzubauen, braucht sehr viel Energie. Und wenn man dann mal Namen und Qualität hat, gilt es, diese Qualität zu halten. Das Leben im Zirkus ist ebenfalls hart. Man macht Morgentraining, hat dann zwei Auftritte am Tag, später empfängt man geladene Gäste und muss mit ihnen noch Party machen (lacht). Derweil studiert man ständig herum, wie man das Publikum sonst noch begeistern und überraschen kann. Ich bin mir intensives Arbeiten also gewohnt.

Dennoch scheint es, als hätten Sie nun mehr Freiheit. Was machen Sie damit?
Sie geniessen! Ich kann heute selber entscheiden, muss niemanden um Erlaubnis fragen. Das ist ein Luxus. Und natürlich nehme ich es heute ruhiger. Seit ich entdeckt habe, dass ich Atemaussetzer in der Nacht habe, und deswegen in Therapie bin, spüre ich wieder mehr Energie, will vermehrt mit unseren Hunden spazieren gehen. Zudem bin ich ein grosser Musikliebhaber.

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