Thomas Bucheli über seinen letzten TV-Auftritt
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SRF-Legende tritt ab:Thomas Bucheli über letzten TV-Auftritt

SRF-Meteo-Chef Thomas Bucheli wird Ende August pensioniert
«Es kommt der Punkt, wo man selbstkritisch sein muss»

Seit 1992 arbeitet Thomas Bucheli für die «Meteo»-Abteilung beim Schweizer Fernsehen, Ende August wird er pensioniert. Für seine Arbeit bekommt er nebst Lob auch Kritik. Doch er hat mit seinem Dasein als «Wetterfrosch der Nation» nie gehadert.
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Buchelis generelle Zukunftsprognose: «Die Sommer werden trockener, mit häufigeren und heftigeren Gewittern. Und die Winter werden feuchter, bei steigender Schneefallgrenze.»
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

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Am nächsten Mittwoch moderiert Thomas Bucheli (65) zum letzten Mal eine «Meteo»-Sendung. Nach 34 Jahren beim SF und SRF, davon 31 als Leiter der Wetterredaktion, wird er pensioniert. Blick trifft ihn just an jenem Tag zum Interview, an dem die wochenlange Hitzeperiode zu Ende geht.

Blick: Am 26. August haben Sie Ihren letzten Einsatz. Wissen Sie schon, was passiert?
Thomas Bucheli: Ich verabschiede mich ganz sicher vom Publikum. Wie genau, ist noch offen. Und ich weiss auch nicht, ob meine Kolleginnen und Kollegen etwas Besonderes vorhaben.

Können Sie uns sagen, wie das Wetter dann ist?
Wahrscheinlich gibt es noch einmal ein kleines Zwischenhoch, es dürfte trocken bleiben.

Und wie wird der Herbst?
Eine solche Prognose wäre zu gewagt. Ich werde nun nicht auf die letzten Tage hin noch übermütig (lacht).

Wie haben Sie diesen Hitzesommer erlebt? Sie sind in Hitzkirch aufgewachsen – ist das ein Fingerzeig für Ihre Wettervorlieben?
Im Gegenteil. Am liebsten mag ich tiefere Temperaturen und Nebel. Und besonders schlimm finde ich es, wenn das Hemd am Körper klebt.

Hat der Sommer durch diese Hitze wirklich seine Romantik verloren, wie vielerorts zu lesen war?
Anfangs waren viele Leute noch begeistert. Aber mit der Zeit merkten die meisten, dass diese Situation nicht mehr natürlich ist.

Wie gehen Sie mit jemandem um, der sagt, der Klimawandel sei eine mediale Erfindung?
Ich würde die Person fragen, was denn der Grund dafür sei, dass die Temperaturen in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen sind und dass in jüngster Zeit immer wieder neue Rekorde erreicht werden. Ich möchte wissen, auf welchen Werten eine solche Aussage basiert.

Wohin wird die Reise in naher Zukunft gehen?
Die Sommer werden trockener, mit häufigeren und heftigeren Gewittern. Und die Winter werden feuchter, bei steigender Schneefallgrenze.

Können Sie sich noch an Ihre erste Sendung vom 5. September 1992 erinnern?
Ich habe sie kürzlich wieder einmal gesehen. Das war noch eine Aufzeichnung, und wir konnten mehrmals beginnen. Zu meinem Glück. Ich gestikuliere gern. Das wurde in der Ausbildung zurechtgestutzt. Deshalb wirkte ich anfangs sehr starr. Ich kam als Greenhorn ins Medienbusiness und hatte allergrössten Respekt. Als diese erste Sendung lief, war ich «grausam» stolz.

Was hat den fürs Publikum sichtbaren Teil Ihres Jobs am meisten verändert?
Der 2. September 2002, als wir erstmals vom Dach aus und live sendeten. Zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung vergingen früher oft Stunden. Seit damals können wir bis kurz vor den Sendungen die neusten Entwicklungen checken. Und wir haben viel mehr Freiraum, gehen umher und präsentieren die aktuelle Situation.

Welches war Ihre gröbste Fehlprognose?
Die erschütterndste Situation entstand am 26. Dezember 1999 mit dem Wirbelsturm Lothar, den wir nicht vorhergesehen hatten. Das gab bei uns und weltweit in der Meteorologie zu reden und hat unsere Abläufe verändert. Ich habe noch am Abend zuvor gearbeitet und wollte am 26. Dezember meine Eltern besuchen. Als ich nach dem Erwachen das Chaos sah, eilte ich sofort ins Büro, wo wir gemeinsam die Gründe analysierten. Immerhin entstanden daraus auch positive Dinge, so zum Beispiel der von der Gebäudeversicherung Bern mitlancierte Wetteralarm per SMS.

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SRF-«Wetterfrosch» Thomas Bucheli bei seinem Abschiedsinterview mit Blick, aufgenommen am 17. August 2026 unweit der SRF-Studios.
Foto: Thomas Meier

Sie waren während Jahrzehnten der oberste «Wetterfrosch» des Landes. Wann haben Sie erstmals gemerkt, dass man Sie kennt?
Als mein Sohn Marc vier oder fünf war, um die Jahrtausendwende, gingen wir wandern. Und er fragte mich: ‹Papi, warum kennen dich eigentlich alle?› Seine Frage rührte mich, und ich erklärte ihm, das sei wegen meines Berufes. Das war ein Prozess, der rasch passierte. Plötzlich war ich in Magazinen abgebildet, was mir schmeichelte. Und ich muss gestehen, dass ich diesem Effekt eine Zeit lang etwas verfallen bin. Es gab eine Phase, in der ich es übertrieb und mit dem Familienleben zu stark nach aussen ging. Doch irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich mir sagte: Thomas, nun reicht es. Du bist Meteorologe. Du willst mit Prognosen überzeugen, nicht als Privatmann.

Aber Sie werden sicher bis heute täglich mehrfach angesprochen?
Klar, ich stehe seit 34 Jahren in der Öffentlichkeit, und es ist ein Mechanismus, dass mich die Leute deshalb erkennen. Es ist nicht möglich, mich zu verstecken. Heute ist es nicht mehr so sensationell, in die Medien zu kommen, aber für Aussenstehende immer noch oft sehr aufregend.

Fällt das Feedback tendenziell positiv aus?
Ja. Mit unschönen Dingen kommen die Leute in der Regel nicht direkt auf mich zu. Ich mache einen Job, der alle anspricht und berührt. Deshalb wäre es eigenartig, wenn ich scheu wäre oder mich weigern würde, mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Zumal ich diesen Austausch absolut bereichernd finde. Und ich habe mittlerweile auch gelernt, zu sagen, wenn der Zeitpunkt für ein Gespräch nicht ideal ist.

Das war der erste Auftritt von Thomas Bucheli
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Sendung aus dem Jahr 1992:Das war der erste Auftritt von Thomas Bucheli

Wie gehen Sie mit negativen Reaktionen um?
Wir bekommen grundsätzlich vor allem Mails. Und ich kann auch kritischen Reaktionen etwas abgewinnen, wenn sie konstruktiv formuliert sind. Ich habe nie ausgelernt. Wenn aber jemand aus der Hecke schiesst und seine wahre Identität verbirgt, finde ich das eigenartig.

Was geschieht mit solchen Reaktionen?
Ich habe in der Zwischenzeit gelernt, solche Wortmeldungen zu ignorieren. Wenn es um das SRF und die SRG geht, gibt es leider viele Leute, die das Gefühl haben, sie müssten kategorisch schimpfen. Manchmal denke ich, es wäre spannend, sich argumentativ mit ihnen auseinanderzusetzen. Sie zu fragen, was der Grund ist, weshalb sie per se so unzufrieden oder sogar bösartig reagieren. Doch vielfach sind solche Leute unter falschen Namen unterwegs. Sie trauen sich offenbar viel mehr, wenn sie versteckt agieren. Und das ist ehrlich gesagt nicht mein Ding.

Aber Sie haben nie damit gehadert, Thomas Bucheli zu sein?
Auf keinen Fall. Ich habe an meinem Job stets grosse Freude gehabt. Und ich finde es immer unglaublich schön, wenn die Leute auf mich zukommen und mir spezielle Beobachtungen aus ihrer Region mitteilen.

Bedauern Sie die strikte Altersguillotine beim SRF?
Darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht. Aber ich glaube, es kommt auch der Punkt, wo man selbstkritisch sein muss. Die Welt verändert sich. Ich war sehr lange am Puls, doch es kamen gleichzeitig viele neue Dinge dazu. Im Bereich Social Media zum Beispiel bin ich nicht so bewandert. Jetzt findet ein Generationenwechsel statt, den ich sehr begrüsse. Und mit Gaudenz Flury wurde ein guter Nachfolger gefunden, hinter dem auch das Team steht. Doch die drei Monate Verlängerung meines Engagements habe ich dankbar entgegengenommen. Auch als eine Art Therapie, um besser loslassen zu können.

Sie werden nun aber hoffentlich nicht einfach zu Hause sitzen und Däumchen drehen?
Wo denken Sie hin (lacht). Ganz weg vom Metier möchte ich nicht. Ich werde auch in Zukunft als Wetterexperte für Reiseanbieter tätig sein. Und ich habe eine spezielle Anfrage bekommen, die mich sehr gefreut hat. Mit 17 habe ich die fliegerische Vorschulung gemacht, da war Wetterkunde Pflicht. Ich habe schon damals gedacht, dass man diesen Unterricht etwas anschaulicher gestalten könnte. Nun hat sich tatsächlich die Swiss bei mir gemeldet, ob ich künftig nicht teilzeitlich als Wetterinstruktor in der Pilotenausbildung tätig sein möchte. So komme ich wieder zu meinen Wurzeln zurück. Ein tolles Gefühl.

Biobox Thomas Bucheli

Thomas Bucheli (65) wuchs in Hitzkirch im luzernischen Seetal auf. Ursprünglich wollte er Pilot werden. Nach dem Gymnasium schloss er 1988 sein Geografiestudium an der ETH Zürich ab, spezialisiert auf Meteorologie und Klimatologie. Daraufhin war er bei der damaligen Schweizerischen Meteorologischen Anstalt (SMA) tätig. 1992 begann er als Moderator des neuen «Meteo»-Formates beim Schweizer Fernsehen, ab 1995 war er zusätzlich Leiter der Wetterredaktion. Ende Mai 2026 ging er in Pension, arbeitet aber noch bis Ende August im Auftragsverhältnis weiter. Bucheli ist seit 2017 mit Kathrin Grüneis (60) verheiratet. Aus früherer Ehe hat er einen Sohn, Grüneis hat eine Tochter.

Thomas Bucheli (65) wuchs in Hitzkirch im luzernischen Seetal auf. Ursprünglich wollte er Pilot werden. Nach dem Gymnasium schloss er 1988 sein Geografiestudium an der ETH Zürich ab, spezialisiert auf Meteorologie und Klimatologie. Daraufhin war er bei der damaligen Schweizerischen Meteorologischen Anstalt (SMA) tätig. 1992 begann er als Moderator des neuen «Meteo»-Formates beim Schweizer Fernsehen, ab 1995 war er zusätzlich Leiter der Wetterredaktion. Ende Mai 2026 ging er in Pension, arbeitet aber noch bis Ende August im Auftragsverhältnis weiter. Bucheli ist seit 2017 mit Kathrin Grüneis (60) verheiratet. Aus früherer Ehe hat er einen Sohn, Grüneis hat eine Tochter.

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