Patti und Colette Basler
«Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel»

Zwischen Kühen und Chriesibäumen sind Komikerin Patti Basler und Schwester und Grossrätin Colette Basler aufgewachsen. Auf dem Hof ihrer Kindheit zeigen die beiden, warum ihre Verbindung bis heute so stark ist.
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Basler ist Trumpf! Patti Basler (r.) und Schwester Colette Basler auf dem Uelberg-Hof in Zeihen AG, wo sie aufgewachsen sind.
Foto: Joseph Khakshouri

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Patti und Colette Basler wuchsen im Aargauer Fricktal auf einem Bauernhof auf
  • Patti wurde preisgekrönte Satirikerin, Colette blieb als Bäuerin und Politikerin
  • Der Hof umfasst 33 Hektaren, 40 Kühe und 20 Jungtiere
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Patricia Broder
Schweizer Illustrierte

Wie lange soll ich noch mit meinem ganzen Gewicht auf dem rechten Bein stehen?», fragt Patti Basler (50) während sie auf der Leiter des Traktors posiert. Schwester Colette Basler (52) schaut kurz zu ihr hoch und grinst. «Ja, jetzt hast du eben wieder mal richtig das Gefühl vom Puure.» Patti verdreht gespielt die Augen. Sekunden später lachen beide. Man merkt sofort: Diese Dynamik stimmt und geht weit zurück.

Die beiden Schwestern sind auf dem Uelberg-Hof im Fricktal im Kanton Aargau. Hier sind sie aufgewachsen, zwischen Kühen, Strohballen und Kornfeldern. Zum Hof gehören 33 Hektaren Land sowie rund 40 Kühe und 20 Jungtiere. Colette Basler, Bäuerin, Präsidentin von Bildung Aargau und SP-Grossrätin, lebt noch immer hier – gemeinsam mit ihrem Mann Markus und den beiden Kindern. Patti Basler zog es dagegen hinaus in die weite Welt: auf Theaterbühnen und in TV-Sendungen. Die Satirikerin und Autorin lebt in Baden AG und gehört zu den bekanntesten Stimmen der Schweizer Comedyszene. Und doch kehrt Patti Basler oft auf den elterlichen Hof zurück. «Für mich hat das nichts Nostalgisches», sagt sie. «Ich liebe den Bauernhof. Sofern ich nicht mitarbeiten muss.»

Übernachten auf dem Balkon

An ihre Kindheit erinnern sich die beiden lebhaft. «Wir haben ständig Blödsinn gemacht», erzählt Colette. Bei der Chriesi-Ernte hätten sie manchmal einige der Früchte auf vorbeifahrende Cabrios geworfen. Und im Sommer verfrachtete ihre jüngere Schwester ihr Bett kurzerhand auf den Balkon. «Ein Jahrzehnt lang habe ich von April bis Oktober draussen geschlafen», erzählt Patti. Über eine Leiter kletterte sie abends raus – oder Gäste zu ihr hoch. «Ich hatte freie Sicht auf den Sternenhimmel.» Für einen kurzen Moment wird die sonst so schnelle, pointierte Satirikerin ganz entspannt. «Hier draussen hatte man absolute Ruhe. Man hörte nur die Kühe im Stall.»

Schon als Kind sei Patti anders gewesen, erzählt ihre Schwester. Verträumter und fantasievoller. «Ich war beschäftigt mit Denken», sagt Patti. «Ich schrieb im Kopf die Biografie des Blattes, welches vom Baum fiel.» Bei der Mitarbeit auf dem Hof sei sie oft in ihre Gedankenwelt abgetaucht. «Ich galt als faul, obwohl mein Gehirn Schwerarbeit leistete», lacht sie. Das habe sie als Kind manchmal wütend gemacht, gesteht Colette. «Denn ich habe gesehen, dass da noch Arbeit war.» Patti kontert sofort: «Und ich hatte im Kopf bereits Erntemaschinen gebaut und das Schulsystem reformiert.»

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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«Unsere Eltern waren stets sehr offen»

Dass Patti den Hof nicht übernehmen würde, zeichnete sich früh ab. «Ich konnte es damals nicht benennen, aber mir hat immer etwas gefehlt.» Als Kind sei sie oft zu ihrer Grosstante nach Biel in die Ferien gegangen. «Dieses Urbane gefiel mir. Kultur, viele Menschen – und das mitten in der Nacht!» Colette dagegen konnte sich das Leben auf dem Hof immer vorstellen. Kurz darauf nehmen die beiden auf der Terrasse Platz und spielen Karten. Was sie bis heute verbindet, seien die gemeinsamen Werte. «Wir beide unterstützen gern die Schwächeren in der Gesellschaft», sagt Colette. Ihre Weltoffenheit hätten sie bereits in der Kindheit vorgelebt bekommen: «Unsere Eltern waren stets sehr offen und haben alle mit offenen Armen aufgenommen», sagt Patti. Colette nickt. «Wir sind gar nie auf die Idee gekommen, dass man Mädchen und Buben unterschiedlich behandeln könnte.»

Nach Unfall übernahm Patti für ihre Schwester

Trotz ihrer Unterschiede hätten sie immer gespürt, wenn die andere sie brauchte. «Wenn es darauf ankommt, halten wir zusammen wie Pech und Schwefel», sagt Colette. Besonders sichtbar wurde das nach ihrem schweren Unfall im Februar 2025. Beim Kühefüttern stürzte sie vom Heuboden, erlitt Wirbelbrüche, einen Schädelbruch und lag im Koma. Während Colette davon erzählt, wird Patti still – eine Stille, die auffällt bei jemandem, der sonst selten pausiert. «Wenn es darauf ankommt, ist Patti die Ruhe selbst», sagt Colette. Ihre Schwester habe sofort übernommen, mit Freunden, Parteikolleginnen und den Medien kommuniziert. «Sie sorgte dafür, dass meine Familie und ich uns auf die Genesung konzentrieren konnten. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ich glaube, das ist die halbe Miete, um gesund zu werden.»

Gottemeitli tritt in Fussstapfen

Wie eng die Familie verbunden ist, zeigt sich auch an Pascale (22) Colettes Tochter und Pattis Gottemeitli. Die Schauspielschulabsolventin hatte bereits erste Auftritte bei Slam-Poetry-Abenden. «Sie tritt klar in Pattis Fussstapfen», sagt Colette stolz. Pascale lächelt. «Ich habe einfach das Glück, in diese Welt hineinzukommen. Ich habe zwei völlig unterschiedliche Inspirationsquellen.»

Später gehen Patti und Colette Basler nochmals Richtung Stall. Ein Kalb beginnt an der Hand der Komikerin zu saugen. «Der natürliche Saugreflex! Auf der Bühne muss mein Musiker jeweils das saugende Kalb spielen, der Arme», lacht Patti. Colette beobachtet die Szene einen Moment lang aus kurzer Entfernung. «Ich denke sofort daran, wie Patti früher als kleines Kind bei den Kälbern lag», sagt sie schliesslich. «Es war unglaublich. Sie hatte einfach nie Angst.»

Auch diese Furchtlosigkeit verbindet die Basler-Schwestern bis heute. «Wir haben zu Hause den Kniefall nie gelernt», sagt Colette. Es ist ein Satz, der vieles erklärt. Die SP-Politikerin, die als Minderheit im Bauernverband unbeirrt ihre Haltung vertritt. Die Satirikerin mit ihrer bissigen Zunge. Zwei Schwestern, die unterschiedliche Wege eingeschlagen haben – und sich dabei bis heute auf das verlassen können, was sie seit Kindertagen verbindet.


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