Nach SRF-Knall
Jetzt spricht TV-Chef Tristan Brenn

Beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) steht eine umfassende Reorganisation an. Nachdem Blick über den Umbau der Chefetage und die Zusammenlegung der Chefredaktionen berichtet hat, meldet sich der bisherige TV-Chefredaktor Tristan Brenn jetzt öffentlich zu Wort.
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Am Zürcher Leutschenbach kommts zu einer Personalrochade.
Foto: Sven Thomann
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Laszlo SchneiderTeamlead People-Desk

Tristan Brenn (61) hat sich auf dem Business-Netzwerk Linkedin zu den jüngsten Entwicklungen am Leutschenbach geäussert. Dabei stellt er klar, dass sein Entschluss, das Amt abzugeben, bereits vor den aktuellen Personalentscheidungen feststand: «Nach zwölf Jahren als Chefredaktor von SRF habe ich bereits im März – als die Stelle neu ausgeschrieben wurde – entschieden, mich nicht noch einmal für diesen Job zu bewerben.» Es sei «eine Entscheidung aus voller Überzeugung – die mir dennoch nicht leichtfiel».

Der Wandel der Medienwelt seit 2014

Brenn blickt in seinem Schreiben auf den Beginn seiner Tätigkeit im Jahr 2014 zurück und beschreibt, wie sich die redaktionelle Arbeit seither verändert hat: «Als ich 2014 begann, war die Welt der Medien eine andere. Wir dachten in Sendungen und Sendungsredaktionen: ‹Tagesschau›, ‹10 vor 10›, ‹Rundschau› oder ‹Kassensturz›. Starke Marken – aber noch wenig miteinander vernetzt. Digital war wichtig, aber noch nicht der Taktgeber. Seither haben sich die Medien so rasant verändert wie in kaum einer anderen Phase zuvor.»

Ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit sei der Übergang zur crossmedialen Produktion im gemeinsamen Newsroom gewesen. Den damit verbundenen Aufwand beschreibt Brenn wie folgt: «Der Aufbau unseres Newsrooms hat meine Arbeit stark geprägt: weg vom Denken in getrennten Einheiten, hin zu gemeinsamen Inhalten für TV und unsere digitalen Plattformen. Das alles zusammenzuführen, war ein Kraftakt für uns alle. Vieles mussten wir ausprobieren, korrigieren, neu denken.» Als eine seiner wichtigsten Erkenntnisse hält er fest: «Führung ist Teamarbeit.»

Unabhängigkeit in einer polarisierten Zeit

Die vergangenen Jahre beschreibt der scheidende Chefredaktor als eine von Krisen und Desinformation geprägte Phase, die ihn auch persönlich gefordert habe. Im Fokus habe dabei stets das journalistische Selbstverständnis des SRF gestanden: «Im Zentrum meiner Arbeit stand die Frage, wie wir in einer immer stärker polarisierten Welt Vielfalt abbilden – ohne diffamierenden und faktenfreien Positionen Raum zu geben.»

Dabei habe sich die Redaktion regelmässig mit gegensätzlicher Kritik konfrontiert gesehen: «Und wie bleiben wir unabhängig, wenn uns die einen als parteiisch kritisieren und die anderen finden, wir würden zu wenig Haltung zeigen? Fragen, die selten eindeutig zu beantworten waren. Sie verlangten Abwägung, Diskussion, Erfahrung – und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, die nicht allen gefallen.»

Schärferer Ton in den Service-Public-Debatten

Brenn thematisiert in seinem Rückblick auch den äusseren Druck auf das öffentlich-rechtliche Medienhaus. Die Diskussionskultur habe sich in seiner Amtszeit spürbar verändert: «Parallel dazu nahm der Druck auf den Service public massiv zu. Die Debatten wurden grundsätzlicher, der Ton schärfer – und immer öfter persönlich angreifend und verletzend. Für mich rückblickend eine der prägendsten und bedenklichsten Veränderungen dieser Jahre.»

Als positive Meilensteine hebt er den Ausgang der medienpolitischen Abstimmungen hervor. Das Abschneiden bei den Urnengängen sieht er als Bestätigung: «Dass wir bei ‹No Billag› und der Halbierungs-Initiative gleich zwei existenzielle Abstimmungen klar bestanden haben, hat mich stolz gemacht. Ein Vertrauensbeweis auch in die journalistische Arbeit des SRF, zu der ich meinen Teil beitragen konnte.»

Offene Zukunft

Mit der Neuausrichtung der Abteilung Information sieht Brenn den passenden Zeitpunkt für eine berufliche Veränderung gekommen: «Jetzt ist für mich der richtige Moment für einen Wechsel.» Seine berufliche Zukunft lässt er derzeit noch offen: «Ob weiterhin beim SRF, wird sich bald weisen.»

Brenn schliesst sein Statement mit einem Dank an das Team für das «Wohlwollen, das wir in all den Jahren gespürt haben». Gleichzeitig richtet er Worte an die neuen Verantwortlichen: «Der Co-Leitung der neuen Abteilung Information des SRF, Ursula Gabathuler und Beat Soltermann, wünsche ich von Herzen alles Gute.»

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