«Mein Körper hat Panikattacken produziert»
«SRF DOK»-Duo Mona Vetsch und Oceana Galmarini über die Schattenseiten des Jobs

Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Die beiden TV-Moderatorinnen sind neu Kolleginnen bei «SRF DOK». Was die Ostschweizerinnen vereint: Sie lieben die Natur und den Austausch mit Menschen – und dass sie in kleinen Dörfern aufgewachsen sind.
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Ihr erstes längeres Gespräch: In der Sagibeiz tauschen sich Mona Vetsch (l.) und Oceana Galmarini aus.
Foto: Siggi Bucher

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Oceana Galmarini und Mona Vetsch treffen sich am Walensee in Murg SG
  • Galmarini moderierte am 28. Mai ihre erste «DOK × Einstein»-Sendung
  • Zwischen den Moderatorinnen liegen 18 Jahre Altersunterschied
Aurelia Robles (Text), Siggi Bucher (Fotos), GlücksPost
Glückspost

Die Bise weht über den Walensee, das Wasser glitzert türkis, hat aber noch frostige 12 Grad. Ein idyllischer Ort für ein erstes, tiefgründiges Kennenlernen in Ruhe. Doch kaum haben sich Oceana Galmarini (32) und Mona Vetsch (50) zur Begrüssung am Sagisteg in Murg SG umarmt, folgt das erste Bedauern: «Wieso haben wir keinen Bikini eingepackt?», fragen die beiden Moderatorinnen lachend. Das frische Wetter hätte die beiden nicht von einem Schwumm abhalten können. «Manchmal darf es auch wehtun», findet nämlich Galmarini. Vetsch, die nach ihrem Rudertraining bei jedem Wetter in den Zürichsee eintaucht, lacht: «Ich wusste, es kommt gut mit uns! Ich sage immer: Wenn sich dir ein Gewässer in den Weg stellt, ‹gump ine›.»

Seit diesem Monat sind die Ostschweizerinnen offiziell Kolleginnen bei «SRF DOK». Während Mona Vetsch seit fast zwei Jahrzehnten für die Reihe tätig ist, kommt mit Oceana Galmarini nun ein neues, wenn auch von «Schweiz aktuell» bereits bekanntes Gesicht dazu. Am 28. Mai führte sie durch ihre erste Sendung «DOK × Einstein» (jetzt auf SRF Play abrufbar). Darin stehen das Dorf Blatten VS und seine Einwohner ein Jahr nach dem Bergsturz im Fokus. «Ich trage ein naives, idealistisches Journalistenherz in mir, das das Gefühl hat, man könne die Welt ein bisschen verändern. Das ist das, was mich antreibt», sagt sie.

Erstes Treffen

«Wir haben uns zuvor nie im Fernsehstudio gesehen, weil ich für meine Arbeit oft ausser Haus unterwegs bin», erklärt Vetsch, die mit «Mona mittendrin» ihre eigene Sendung hat. Unbekannt waren sich die Frauen dennoch nicht. «Als Kind durfte ich nicht viel fernsehen», sagt Galmarini. «Doch seit meinem journalistischen Leben habe ich klar verfolgt, was Mona macht, und finde sie super. Mona holt mich als Zuschauerin mit ihrer sympathischen Art ab. Von ihr kann ich lernen.» Vetsch entgegnet: «Von dir will ich ebenso lernen. Für mich ist es wichtig, jemanden zu sehen, der den gleichen Job macht, aber anders.»

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Mona freut es, dass mit Oceana eine jüngere Generation zur Redaktion dazustösst. «Sie bringt einen anderen Blick mit, allein dadurch, dass sie an einem anderen Punkt im Leben steht.» Mona selbst reiste mit 32 Jahren für «DOK» um die Welt. Damals sei bei ihr auch das Thema Familie und Kinder aktuell geworden. «Lustig ist, dass ich mich heute nicht anders fühle als damals. Nur wenn mich junge Menschen siezen, merke ich, dass ich längst als reifere Frau erkannt werde.»

Beide haben viel Bodenhaftung

18 Lebensjahre und 19 Zentimeter an Körpergrösse trennen Oceana Galmarini und Mona Vetsch äusserlich. «Ich musste bei der Begrüssung ‹zechele›, aber das mache ich für Oceana gern», meint Mona. «Für dich wäre ich auch auf die Knie gegangen», erwidert Oceana. Beide haben einen ähnlichen Hintergrund, sind in Dörfern aufgewachsen. «Ich habe mit Hattenhausen 100 Einwohner zu bieten», sagt Bauerntochter Mona aus dem Thurgau. «Ich mit dem Dorf Ardez etwa 400 Einwohner», erklärt Oceana aus dem Bündnerland.

Ihre Kindheit auf dem Land, so finden beide, bringe positive Aspekte für ihre heutige Tätigkeit mit sich. «Bei mir ist es sicherlich eine gewisse Bodenhaftung», sagt Mona. «Wenn du so kleinräumig aufwächst, kannst du dir die Leute nicht aussuchen, sondern musst mit denen, die es hat, einen Weg finden. Du lernst auch, dass Menschen oft anders sind als ihr Ruf.» Zudem sage sie bis heute auf der Strasse Grüezi zu anderen, schaue ihnen in die Augen, nicht weg. «Meine Mutter hätte sofort von den Nachbarn erfahren, wenn die ‹chli Vetsch› mal nicht Grüezi gesagt hätte.»

Oceana Galmarini, die neben Rätoromanisch auch die Gebärdensprache beherrscht, findet ebenfalls Vorteile am Dorfleben. «Je kleiner eine Gemeinschaft ist, ob eine Minderheit oder eben ein Dorf, desto stolzer ist man in der Regel. Und stolz sein auf das, was man hat, finde ich etwas sehr Schönes.»

Gespür für alle, ausser für sich selbst

Mittlerweile wohnen beide Frauen in Städten. Oceana Galmarini lebt heute mit ihrem Liebsten, dem bekannten Graffiti-Künstler Fabian «Bane» Florin (43), in Chur. Dort hat sie alles, was sie braucht: «Chur ist eine Stadt, dennoch kenne ich auch den Bäcker persönlich wie früher im Dorf.» Seit Mai arbeitet sie auch als Produzentin bei RTR in Chur, wodurch das bisherige Pendeln nach Zürich wegfällt. «Die Lebensqualität, die ich dadurch gewonnen habe, ist wunderbar. Ich habe inzwischen fast Feriengefühle.» Mona Vetsch pflichtet bei: «Zu viel pendeln macht Menschen unglücklich, das ist wissenschaftlich belegt.» Mit ihrem Mann und den zwei Teenagersöhnen lebt sie heute in einem familiären Quartier in Zürich. «Auch in der Stadt führe ich ein Dorfleben und kenne die Verkäufer und Verkäuferinnen an der Kasse.» Lachend ergänzt sie: «Zürich mit seinen vielen Möglichkeiten ist klar an mich verschwendet.»

Ob Stadt oder Land, jung oder alt – «es gibt nicht nur schwarz oder weiss», betont Mona Vetsch. «Die meisten Menschen tragen viele Welten in sich. Und genau diese Vielfältigkeit der Schweiz möchten wir zeigen.» Als Aushängeschilder von «SRF DOK» wollen beide den Zuschauern möglichst unterschiedliche Lebensweisen näherbringen, Ähnlichkeiten aufzeigen, aber auch dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. «Vielleicht findet ein Städter durch unsere Sendung heraus, dass derjenige auf dem Land die gleichen Probleme hat und gar nicht so anders ist», sagt Oceana. Mona ergänzt: «Die Sendung hat mein Menschenbild positiv geprägt. Ich konnte erfahren, wie viele faszinierende Menschen in unserem Land leben. Menschen, die bereit sind, Dinge zu leisten, die nicht in erster Linie ihnen selbst dienen, sondern der Allgemeinheit. Und das ist wunderbar.»

Therapie hilft gegen Panikattacken

Genau solche Begegnungen sind es, die beide bei ihrer Arbeit beflügeln. «Es energetisiert mich», sagt Oceana. Nur nach solchen Drehs wieder herunterzufahren, könne sie noch nicht so gut. «Mein Körper hat vor einer Weile Panikattacken produziert, was mich gezwungen hat, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich bin ein Kopfmensch und lerne durch eine Therapie nun vermehrt, wieder auf meine innere Stimme zu hören.»

Mona Vetsch nickt. Das Problem mit den eigenen Bedürfnissen kenne sie zu gut, sagt sie. «In unserem Job musst du dich in andere hineinversetzen können. Ich hatte lange das Gefühl, dass ich ein besseres Gespür für andere habe als für mich selbst.» Mittlerweile habe sie gelernt, auch bei sich selber genauer hinzuschauen. Inzwischen meditiert sie sogar täglich 15 Minuten, «was ich nie gedacht hätte, dass ich das mal tun würde», sagt sie lachend. «Denn eigentlich habe ich mein Leben lieber stets hochgefahren, statt es zu entschleunigen.»

Wie auch an diesem Nachmittag am Walensee, wo inzwischen dunkle Wolken aufgezogen sind: «Wir hätten wirklich unsere Bikinis einpacken sollen», sagt Oceana Galmarini noch einmal. Vielleicht ist dafür Zeit beim nächsten Wiedersehen der zwei SRF-Frauen. «Jedenfalls freue ich mich schon jetzt auf all die weiteren Gespräche mit dir», sagt Mona Vetsch.

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