«Mein erstes Album war nicht gut»
Roberto Brigante begann seine Musikkarriere auf der Baustelle

Von Italien ins Berner Oberland: Der Wahl-Thuner blickt dankbar auf seine Karriere zurück und singt in seinem neuen Lied «Il Tempo Passa» darüber, wie schnell die Zeit vergeht. Doch auch nach elf Alben ist für ihn noch lange nicht basta.
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Er strahlt italienisches Temperament aus: Roberto Brigante ist in Süditalien aufgewachsen.
Foto: Chiara Schmed

Darum gehts

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  • Roberto Brigante (63) feiert am 17. Oktober musikalisches Jubiläum in Thun
  • Der italienische Sänger lebt seit 40 Jahren im Berner Oberland
  • Elf Alben, 600 Konzerte, erstes Album erschien 2003
Chiara Schmed, GlücksPost
Glückspost

Träumerisch blickt Roberto Brigante (63) auf die märchenhafte Kulisse des Thunersees. Das klare Wasser und die Sonnenstrahlen erinnern ihn ein wenig an sein Heimatland Italien. Seine weisse Schiebermütze und der Espresso, den sich der Sänger soeben auf der Terrasse des Hotels Seepark Thun bestellt hat, versprühen zusätzlich einen Hauch Dolce Vita. «Es ist wie am Meer», sagt der Wahl-Thuner in breitestem Berndeutsch und lächelt.

Aufgewachsen ist Roberto Brigante in der süditalienischen Gemeinde Tricase, lebt aber unterdessen seit über 40 Jahren im Berner Oberland. Ja, die Jahre vergehen – genau darüber singt Roberto Brigante in seinem aktuellen Sommerhit «Il Tempo Passa».

Nie im Gesangsunterricht

An seine Kindheit erinnert sich der Cantautore bestens: «Ich ging von Tür zu Tür und verkaufte frisches Gemüse von unserem Familiengeschäft.» «Pomodori e melanzane fresche!» (dt. frische Tomaten und Auberginen), pries er seine Ware laut an und trainierte so nebenbei seine Stimmbänder. Heute überzeugt Brigante als Sänger auf der Bühne, obwohl er nie Gesangsunterricht genommen hat – vielleicht dank diesem frühen, ungewollten Stimmtraining.

Als junger Erwachsener wollte Brigante mehr, als in Süditalien Gemüse verkaufen. Er träumte von Bergen, Seen und Schnee. So zog es ihn mit 18 Jahren als Saisonnier nach Thun, wo er auf dem Bau Sand und Zement schaufelte. Mit dem Verdienst wollte er seine Familie im Heimatland unterstützen. Später machte sich der fleissige Arbeiter als Unterlagsbodenleger selbständig und beschäftigte bis zu 15 Mitarbeitende.

Erstes Album erschien vor mehr als 20 Jahren

Parallel zur Arbeit auf dem Bau begann auch Roberto Brigantes musikalischer Weg. Das erste Album «Poesia» erschien 2003 und sei «nicht gut» gewesen, gibt er offen zu. Trotzdem machte der Pop-Sänger weiter – Album für Album. Mittlerweile sind es elf. Einige seiner Lieder landeten bereits in der Schweizer Hitparade.

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Seit 2019 fokussiert sich der Berner Oberländer vermehrt auf die Musik, sein Pensum als Unterlagsbodenleger beträgt lediglich noch zehn Prozent. Über 600 Konzerte hat der Musiker gespielt – in der Schweiz, in Italien und sogar in New York. Besonders gerne mag er Auftritte in Altersheimen. «Wenn vergessliche Menschen plötzlich meine alten Lieder mitsingen, berührt mich das sehr.»

Auch der Liebe wegen blieb er im Oberland – sein Herz gehört einer Schweizerin. Zudem ist er dreifacher Familienvater. «Einmal Thun, nie mehr weg von Thun», sagt er. Seine italienischen Wurzeln hat der Musiker dennoch nie abgelegt. «Meine Mentalität ist italienisch», meint er. Eine gute Pasta dürfe nie fehlen. Doch auch ein rassiges Käsefondue gehört zu seinen Lieblingsgerichten.

24 Jahre voller Dankbarkeit

Der Espresso ist inzwischen ausgetrunken, der Thunersee glänzt beständig. Am 17. Oktober spielt sich hier im Hotel Seepark Thun etwas Besonderes ab: Roberto Brigante feiert sein 24-jähriges musikalisches Bestehen mit einem grossen Konzert, was «typisch Roberto Brigante» sei. «Ich will nämlich nicht nur runde Jubiläen feiern», begründet er. Und die Zeit vergehe sowieso. Was aber bleibe, seien Lebensfreude und Dankbarkeit. «Bis heute habe ich Herzklopfen, wenn ich ein Lied von mir im Radio höre.»

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