Kult-Komiker Stefan Heuss über neues Programm
«Liebe es, nicht zu wissen, hinter welcher Ecke die nächste Panne lauert»

Er ist der Daniel Düsentrieb der Nation. Ein Helferlein braucht er nicht. Dafür hat der Komiker und Erfinder Stefan Heuss zu viele kreative Ideen. Zu Besuch bei einem Spitzbuben, dem kein Mechanismus zu kompliziert ist.
Kommentieren
1/6
Komiker Stefan Heuss ist der «Daniel Düsentrieb» der Nation.
Foto: Joseph Khakshouri

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
janine_urech_siegenthaler.jpg
Janine Urech
Schweizer Illustrierte

Das Baby in 90 Sekunden wickeln? Kein Problem mit der EW 90! Die elektronische Babywickelmaschine befreit den Säugling von den Pampers, pudert den Popo, schreddert die Windel und befördert sie in den Kompost. In Windeseile. Da lacht doch jedes Elternherz – und natürlich auch das Publikum. Denn die EW 90 ist nur eine von vielen skurrilen Erfindungen des Tüftlermeisters und Komikers Stefan Heuss (59) der durch die SRF-Satiresendung «Giacobbo/Müller» schweizweit bekannt wurde.

Seine Werkstatt in Dietikon ZH wäre wohl für jeden Bastler ein Eldorado. Da gibt es einfach alles: von der Dekupiersäge über den Spindelschleifer bis zur Schweissmaschine. Seit 15 Jahren erfindet der Zürcher Maschinen – alles Prototypen –, auf die die Welt nicht gewartet hat. «Mein Businessplan lautet: die Markttauglichkeit mit allen Mitteln verhindern», sagt Heuss und lacht. «Das Wichtigste bei meinen Erfindungen ist, dass man ein cooles Alltagsproblem findet, das man lösen und technisch elegant aus der Welt schaffen kann. Dabei geht es mir stets um Lebensoptimierung.» Sei es nun eine sogenannte Stehlunch-Krawatte (u. a. mit integriertem Spritzschutz und Klapptischchen für Häppchen), eine Schnellballwurfmaschine oder eine Apparatur, die den Christbaum in nur zwei Minuten festlich schmückt.

Mit seinem neuen Programm «Heuss Innovation Center», an dem er über ein Jahr arbeitete, hat er soeben Premiere gefeiert. Nun geht Heuss zusammen mit seinem Bühnenpartner, dem Multi-Instrumentalisten Lukas Keller, auf Tournee. «Klar geht es wieder um Erfindungen. Aber auch um Musik. So habe ich beispielsweise eine mechanische Rhythmusmaschine entwickelt», erzählt Stefan Heuss. Mehr möchte er nicht verraten. Auch nicht, ob sein Pendler-Kit mit umschnallbarem Arbeitsplatz inklusive Vorhänge gegen neugierige Blicke der Mitreisenden Teil des Programms ist.

Wo ist der Teller?

Stefan Heuss ist ein Selfmademan – seine heutigen technischen Fähigkeiten hat er sich selbst beigebracht. Sein Berufsleben startet er mit Spaten und Schaufel, lernt Landschaftsgärtner. Er gründet ein Gartenbauunternehmen, absolviert gleichzeitig eine Theaterschule und beginnt – neben dem Gärtnern –, verschiedene Theaterstücke zu produzieren. Dabei entdeckt Heuss sein Talent für ungewöhnliche mechanische Klangerzeugung, wobei er immer auch die Komik seiner Kreationen im Blick hat. Er tritt in verschiedenen Formationen auf, tourt mehrere Jahre zusammen mit dem St. Galler Mundartkünstler Manuel Stahlberger als Stahlbergerheuss durch die Deutschschweiz. Damals wird Heuss von Viktor Giacobbo entdeckt, tritt sieben Jahre lang bei «Giacobbo/Müller» auf. Nach Einstellung der Sendung 2018 geht der Erfinder mit seinem Programm «Die grössten Schweizer Patente» auf Tournee. «Liveauftritte sind meine Leidenschaft», so Stefan Heuss. «Ich liebe es, nicht zu wissen, hinter welcher Ecke die nächste Panne lauert.»

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Obwohl: Da gabs mal die eine Panne, die den Komiker doch arg ins Schwitzen brachte. Er war mitten beim Spielen der Nummer mit dem «Sparkragen» – eine witzige Konstruktion, mit der man bei einem Buffet möglichst viel Essen hamstern kann. Die Basis dafür war ein Teller, auf dem der «Sparkragen» aufgebaut wurde. Doch der Teller war nicht da. «Ich musste improvisieren, das Publikum weiter unterhalten, während ich leicht verzweifelt den Teller suchte.» Heuss sah überall nach, schaute sogar hinter dem Bühnenvorhang, bis eine Mitarbeitende seine Not bemerkte und ihm verstohlen einen Ersatzteller reichte. Wo aber war der richtige Teller abgeblieben? «Eine Praktikantin stellte ihn vor der Show in die Geschirrspülmaschine. Sie dachte, jemand hätte ihn nach dem Zmittag auf der Bühne vergessen», so Heuss, der heute natürlich herzlich darüber lachen kann.

Mitten ins Schwarze

Stefan Heuss ist ohnehin eine Frohnatur. Und so sieht auch seine Mietwohnung mitten im Herzen von Zürich aus. Dreieinhalb freundliche Zimmer, hell und fröhlich, eingerichtet mit einem Touch Bauhaus, Kunst, ein bisschen Krempel und vielen Musikinstrumenten. «Leider hat die Wohnung keinen Balkon», sagt Heuss. «Das war am Anfang schon etwas hart. Dafür ist die Umgebung sehr grün. Bei der Eingangstür habe ich ein kleines Beet mit einem Tisch davor, an dem ich bei schönem Wetter arbeite.» Der Erfinder wohnt zusammen mit seiner 23-jährigen Tochter, die gerade ihren Bachelor in Architektur an der ETH abgeschlossen hat. Von der Mutter lebt Stefan Heuss getrennt, ist aber frisch verliebt.

Und wenn Herr Heuss mal nicht tüftelt, lötet, schraubt oder schweisst, dann ist er in einem Brockenhaus oder Baumarkt zu finden – oder beim Bogenschiessen. Seit gut sechs Jahren betreibt er diese Sportart und nimmt an Turnieren teil. «Mich fasziniert diese Mischung aus Technik und dem Mentalen. Das Bogenschiessen ist eine Art Meditation, bei der man sofort ein Ergebnis sieht: nämlich ob man getroffen hat oder nicht.» Was Heuss übrigens sehr oft tut, ins Schwarze treffen. Eben auch neben der Bühne.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen