Darum gehts
- Albi Matter (74) nach Konkurs von Albi’s Country Festival AG erschüttert
- 4500 Besucher statt benötigter 6500 führten zu finanziellen Verlusten
- Festival-Kosten: 600'000 bis 700'000 Franken, Einnahmen: 600'000 Franken Break-even
Lederstiefel. Cowboyhüte. Line Dance. Die Sehnsucht nach Freiheit, Abenteuer und dem amerikanischen Westen: Countrymusik begeistert auch in der Schweiz Tausende Fans. Kaum einer hat die Szene hierzulande so geprägt wie Albi Matter (74). Jahrzehntelang machte der Zürcher Konzertveranstalter das Internationale Country Music Festival im Albisgütli zum Treffpunkt der Schweizer Fangemeinde, holte Stars aus Nashville nach Zürich und wurde zum Country-Papst der Schweiz.
Jetzt ist sein Lebenswerk erschüttert. Die Albi's Country Festival AG hat Konkurs gemacht, die Gesellschaft befindet sich in Liquidation. Für Albi Matter endet ein Kapitel, das er mit viel Leidenschaft aufgebaut hat. «Natürlich trifft es mich sehr hart, und es ist bitter, mein 40. Firmenjubiläum mit einer Pleite zu beenden», sagt er gegenüber Blick.
Es kamen zu wenige Besucher ins Hallenstadion
Matters Traum war gross: einmal mit seinem Country-Festival ins Zürcher Hallenstadion zu gehen, weg vom vertrauten Albisgütli, hin zur grossen Bühne. Ein internationales Festival mit amerikanischem Flair, bekannten Acts und Platz für Tausende Besucherinnen und Besucher. Der Entscheid für den neuen Standort hatte auch mit seiner Zukunft im Albisgütli zu tun. Mit den neuen Pächtern hatte er das Heu nicht auf der gleichen Bühne, wie er sagt. «Wir konnten uns nicht einigen, wie es mit dem beliebten und erfolgreichen Festival weitergehen soll. Ich fand, man sollte es so belassen, sie wollten eine Neuausrichtung. Also bin ich gegangen.»
Danach setzte Matter alles auf sein Albi's Country Festival vom 28. und 29. März im Hallenstadion. Mit Plakaten, Inseraten und Social Media rührte er die Werbetrommel. Auf dem Programm standen unter anderem die US-Band The Boyzkinz, das US-Duo The Bellamy Brothers sowie der Schweizer Bluesmusiker Philipp Fankhauser (62). Dieser musste seinen Auftritt kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen.
Doch ein Festival dieser Grösse ist ein finanzielles Risiko. «Das Country-Festival im Hallenstadion hat mich zwischen 600'000 und 700'000 Franken gekostet», sagt Matter. «Bei 600'000 Franken Einnahmen hätte ich die Kosten wieder reingeholt. Ab dann hätte ich verdient.» 6500 zahlende Besucher wären für die beiden Tage nötig gewesen. Schlussendlich kamen 4500 Gäste. Die fehlenden Einnahmen brachten die Gesellschaft in eine so schwierige Lage, dass die Albi's Country Festival AG Konkurs anmelden musste. «Das Hallenstadion hat mir das Genick gebrochen», sagt er mit schwerer Stimme.
Versprochenes Geld wurde nicht einbezahlt
Doch es gab noch einen weiteren Schlag. «Mein nun ehemaliger Freund und Geschäftspartner wollte mir im Januar einen Deckungsbeitrag von 100'000 Franken geben. Doch er hat ihn nie bezahlt. Warum, weiss ich auch nicht. Seit Monaten nimmt er das Telefon nicht mehr ab, reagiert nicht auf meine Whatsapps.» Für Matter war das finanziell fatal und menschlich schlimm. «Und das ausgerechnet zu meinem 40. Country-Jubiläum.»
Er ist überzeugt: «Hätte er die versprochene Kohle einbezahlt, hätte ich den Konkurs vielleicht verhindern können. Es war mein erster Konkurs in meiner 40-jährigen Geschäftskarriere.» Trotz seiner Enttäuschung übernimmt Matter die Verantwortung für den Entscheid, ins Hallenstadion zu gehen. Ob das Festival im vertrauten Albisgütli besser funktioniert hätte, könne er heute nicht sagen.
Denn die Probleme sieht er nicht nur bei sich. «Die gesamte Show- und Veranstaltungsbranche steht massiv unter Druck. Wegen der Wirtschaftslage wird deutlich weniger Geld für Unterhaltung ausgegeben. Ich habe mit anderen Konzert- und Festivalveranstaltern gesprochen. Sie leiden ebenfalls unter rückläufigen Ticketverkäufen.» Eine schnelle Verbesserung erwartet Matter nicht. «Ich denke, das ist erst der Anfang. Man sieht ja jetzt schon, dass immer mehr Festivals pausieren. Sie sprechen zwar von kreativen Pausen, doch ich setze meine Fragezeichen dazu, ob es sie nächstes Jahr wieder gibt. Schön wärs natürlich.»
Albi Matter schöpft neue Hoffnungen
Trotz der Pleite ist Albi Matter wichtig, dass niemand wegen seines Scheiterns auf offenen Rechnungen sitzenbleibt. «Die Musiker sind alle bezahlt, das Hotel ist bezahlt, die APG-Plakate sind bezahlt. Die Künstler und das Hallenstadion sind mir finanziell entgegengekommen, dafür bin ich sehr dankbar. Offen sind lediglich noch Verpflichtungen rund um die Musikanlage. Mein Gewissen ist rein, nun muss ich es auch emotional abschliessen.»
Aufgeben will der Zürcher nicht. «Es entspricht meinem Naturell, dass ich immer etwas machen muss, was mir zugutekommt. Finanziell kann ich mich auch nicht einfach zurücklehnen. Ich muss nun nicht gerade jeden Rappen umdrehen. Aber gut kalkulieren und den Gürtel enger schnallen.»
Aktuell konzentriert er sich mit seiner weiteren Firma Show and Music AG als Manager auf den Schweizer Countrysänger Florian Fox (34), der in den USA für einen Josie Music Award nominiert wurde. Auch seine Veranstaltungen «Country Music on the River» laufen weiter. Die nächste Flussfahrt vom 27. September bis 4. Oktober ist praktisch ausverkauft. «Das funktioniert hervorragend. Wir fahren während acht Tagen bei Countryklängen durch Luxemburg, Frankreich und Deutschland. Es gibt doch noch Projekte, die funktionieren. Das gibt mir wieder grosse Hoffnung.»
Auch privat erhält Matter Rückhalt. «Meine Frau Winny steht zu hundert Prozent zu mir. Sie hat gesagt, sie finde es toll, dass ich es probiert habe. Nun ist es anders gekommen – und wir machen weiter.» Der Traum vom grossen Hallenstadion-Country-Festival ist vorbei. Eine Neuauflage in dieser Form wird es von Albi Matter nicht mehr geben. Doch seine Leidenschaft für die Countrymusik bleibt für immer.