Darum gehts
- 61-jährige Frau stirbt am Mittwoch bei Gondelabsturz in Engelberg
- Exrtemsportlerin Evelyne Binsack war zeitgleich in dem Gebiet unterwegs
- Sie brach wegen der Sturmböen ihre Skitour ab
Beim tragischen Gondelabsturz in Engelberg OW ist am Mittwoch eine 61-jährige Frau aus der Gegend ums Leben gekommen. Ein Unglück, das Fragen aufwirft. Während heftige Sturmböen durch die Zentralschweizer Berge fegten, liefen die Bahnen am Titlis weiter – anderswo zog man bereits die Reissleine.
Extrembergsteigerin Evelyne Binsack (58) befand sich zur selben Zeit in der Nähe und brach ihre geplante Tour wegen des Wetters ab. «Ich bin mit den Tourenski auf den Jochpass gerannt, um dann weiter auf den Schafberg zu gehen», erzählt sie gegenüber Blick. Früh am Morgen sei sie unterwegs gewesen: «Ich war um neun Uhr schon bei Kaffee und Nussgipfel, als die Bahnen den Betrieb aufgenommen hatten.»
Der Sturm ging so richtig los
Doch dann verschärfte sich die Lage. «Der Sturm ging so richtig los, aber zu der Zeit noch oberhalb von 2200 Metern. Dieser nahm aber mit jeder halben Stunde an Geschwindigkeit auf.» Für sie war schnell klar: umkehren. «Weswegen ich dann die Skitour ab Jochpass nicht weiterführte.»
Besonders erstaunt war sie über die Diskrepanz zwischen den Skigebieten: «Gestern zum Zeitpunkt des Gondelabsturzes in Engelberg war der Bahnbetrieb im angrenzenden Skigebiet Melchsee-Frutt wegen des Sturms bereits teilweise eingestellt, während in Engelberg noch alle Bahnen fuhren.» Auch in Hasliberg sei der Betrieb teilweise gestoppt worden.
Die Nachricht vom Unglück erreichte sie erst später. «Um halb eins hab ich es von einem Kollegen erfahren.» Irritiert zeigt sie sich über das Vertrauen in die Technik: Erst hiess es, der Titlis Xpress sei eine der modernsten Anlagen – nun werde über eine möglicherweise defekte Klemme spekuliert.
Zu viel Vertrauen in die Technik
Dazu sagt Binsack: «Fakt ist, dass Sturmböen von bis nahezu 90 Stundenkilometer am Titlis gemessen wurden und die Gondel beim Masten abgestürzt ist. Eventuell hat sie zu stark gependelt wegen einer Böe. Gemäss Sicherheitsexperten sollten bei Winden über 60 km/h keine Leute mehr in Gondeln transportiert werden.»
Ein Gedanke liegt für sie schwer in der Luft: «Es scheint, dass die Verantwortlichen der Technik mehr vertrauten als dem gesunden Menschenverstand. Dieser hätte am Mittwoch eine Schliessung der betroffenen Bahnen wegen des Sturms bedeutet, wie es benachbarte Skibetriebe richtigerweise gemacht hätten. Die Natur hat immer das letzte Wort.»
Binsack: «Es ist eine Art Zeitgeist, der mich beunruhigt. Ich bedauere das tragische Unglück zutiefst», sagt die Extremsportlerin. Ihre Gedanken seien bei den Hinterbliebenen: «Für die Angehörigen ist es eine Tragödie – und die dürfen durchaus empört sein.»