Darum gehts
- Ex-Schwingerkönigin Sonia Kälin (41) schliesst erfolgreich Bäuerinnenschule in Giswil ab
- Töchter Lena (5) und Noemi (3) helfen im Garten mit
- Kälin plant Weiterbildung, eventuell Fischerbrevet; moderiert weiterhin «Donnschtig-Jass»
Der Weg zum Familienhaus in Giswil OW ist in diesen Tagen eine schneckenfreie Zone. Tochter Lena (5) hat die Störenfriede eigenhändig evakuiert. «Sie meinte, dass die Schnecken in Richtung ihres Erdbeerbeets unterwegs seien. Und ihre Beeri sind Lena heilig», erzählt Sonia Kälin (41).
Die vierfache Schwingerkönigin hat den beiden Töchtern eigene Beete errichtet. Auch ihren Gemüse- und Obstgarten hat sie mit Fenchel, Rüebli, Broccoli und Beeren ausgedehnt und perfektioniert, seit sie vor gut eineinhalb Jahren die Bäuerinnenschule in Giswil begonnen hat. Selbst die aufwendigen Spargeln sind angebaut. «Im Garten kann ich viel von der Ausbildung profitieren», so Kälin. «Zuvor pflanzte ich fast nur Kohlgemüse, was für den Boden schlecht ist.» Vor kurzem hat Kälin die Ausbildung mit Bravour abgeschlossen und mit ihrer Familie und Schorle darauf angestossen. In diesen Tagen erhält sie ihr Bäuerinnen-Diplom.
Zwischenmenschliches ist wichtig
Die Schule, die sämtliche Fächer zur bäuerlichen Haushaltsleitung umfasst, hat die Schwyzerin im Express-Tempo absolviert. Einerseits wurden der gelernten Hauswirtschafts- und Sekundarlehrerin bereits im Vorfeld Punkte an einige der neun Pflichtmodule angerechnet. Andererseits stachelte die Ausbildung den Ehrgeiz der früheren Profisportlerin an. Von Recht über Betriebslehre, Ernährung und Verpflegung bis hin zum Gartenbau – auch Familie und Gesellschaft standen auf dem Lehrplan. «Das Zwischenmenschliche ist auf einem Betrieb überaus wichtig. Würden alle Menschen die Bäuerinnenschule machen, hätten wir viel weniger Streit und Krieg auf der Welt», findet Kälin. «Wir gingen achtsamer mit der Umwelt um, würden mit Lebensmitteln, Mitmenschen und Tieren, sprich allgemein mit der Welt, sorgsamer umgehen.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Der Entscheid, diesen neuen Bildungsweg einzuschlagen, reifte in Sonia Kälin aus verschiedenen Gründen. «Auf der einen Seite habe ich als Lehrperson erfahren, mit wie wenig Vorwissen teilweise Kinder heute in die Schule kommen. Meine Meitli sollen den Unterschied zwischen Schnittlauch, Lauch oder Knoblauch kennen.» Zudem kündigte sie vor zwei Jahren ihre Festanstellung und machte sich als Event-Moderatorin und Referentin selbständig. «Damals hatte ich noch nicht so viele Aufträge und befürchtete, dass es mir ohne andere Herausforderungen langweilig wird. Und ja, wieso nicht die Bäuerinnenschule?»
Zurück zu den Wurzeln
Sonia Kälin ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat bis zum Alter von 33 Jahren auf dem elterlichen Betrieb in Egg SZ gewohnt und mitgeholfen. «Zum Glück! Denn so erfüllte ich die für die Ausbildung geforderte Berufserfahrung.» Ihre Kindheit mit Vieh und Land hat ihr viel fürs Leben mitgegeben, unter anderem den Lauf der Natur mit seinen schönen und auch traurigen Seiten. «Ich empfinde der Natur gegenüber viel Wertschätzung. Und ich weiss auch, dass man als Team zusammenarbeiten muss, wenn man das Ziel erreichen will. Liegt das Heu draussen und Regen kommt, müssen alle anpacken.»
Auch wenn Sonia Kälin jetzt offiziell Bäuerin ist, eine Landwirtin, die ihren eigenen Stall führt und Landpflege macht, will sie nicht werden. «Von daheim und von meinem Bruder, der den Betrieb heute führt, weiss ich genau, wie viel Arbeit das bedeutet und wie sehr man mit Tieren angebunden ist. Ich habe allerhöchste Achtung vor denen, die das machen. Aber mir wäre das heute einfach zu streng.»
Eigene Tiere? Nein, danke
Hühner, Hund oder Katze – auch Lena und Noemi (3) träumen von einem Haustier. Doch ausser den Goldfischen im Teich möchten weder Sonia Kälin noch ihr Mann Stefan Halter (37), mit dem sie seit zehn Jahren zusammen ist, weitere Tiere. «Zum Glück gibt es in der Nachbarschaft Hasen, denen unsere Töchter Löwenzahn füttern können.» Während ihrer Schwingkarriere nahm Sonia Kälin noch zwei Lebendpreise mit nach Hause: Säuli Esmeralda und Eringer-Kampfkuh Nina. «Esmeralda gewann ich in frühen Jahren. Sie wurde die beste Spielkameradin meines kleinen Bruders. Und Nina konnte ich nach meinem Sieg am Eidgenössischen Schwingfest in Siebnen 2016 heimnehmen.» Doch die Kuh verstarb vor zwei Jahren.
Nach dem Sommer kommt die ältere Tochter Lena in den Waldkindergarten. Kälin selbst vermisst das Unterrichten gar nicht, wie sie sagt. «Wenn ich sehe, wie ich jetzt schaffen kann und wie die Leute Freude an meiner Arbeit haben, ist es wirklich was anderes.» Sie lerne viele Leute und auch Firmen kennen, könne in deren Geschichte abtauchen. «Oft sind es Jubiläen, die ich moderieren darf, sprich: an den schönen Momenten teilnehmen.»
Und dann ist da natürlich auch noch ihr Job bei SRF: Ab dem 2. Juli tourt sie bereits zum achten Mal als Jassschiedsrichterin vom «Donnschtig-Jass» mit Rainer Maria Salzgeber (56) und Stefan Büsser (41) durch die Schweiz. «Ich fühle mich wirklich sehr wohl in dieser Sendung. Ich mag die Bodenständigkeit und die Nähe zu den Zuschauern.»
Bereits neue Pläne in Aussicht
Eigenen Joghurt, Brombeer-Konfi und Sauerteigbrot – alles hat Sonia Kälin schon selbst zubereitet. «Ein bisschen selbstversorgend zu sein, ist toll», sagt sie. «Und ich beziehe regelmässig die Kinder beim Kochen mit ein.» Produkte verarbeiten, Buchhaltung führen, zum grossen Garten Sorge tragen, aber auch Hausarbeiten – das alles geht Sonja Kälin leicht von der Hand. Und wenn es ihr dann doch mal zu viel wird, ist auch Ehemann Stefan da, ein diplomierter Bewegungsexperte für Körper und Geist, der beim Haushalt mit anpackt. Nur einen Wunsch hat er an seine Frau: nämlich, dass sie künftig nicht noch mehr Pflanzen anschafft. «Ich übertreibe halt gerne», erklärt die Schwyzerin.
Stehenbleiben will Sonia Kälin jedenfalls nicht, sondern sich auch in Zukunft stetig weiterbilden. «Lena meinte schon: ‹Mami, du könntest doch fischen.›» Wer weiss, vielleicht kommt als Nächstes also das Fischerbrevet. «Am Ufer etwas Geduld zu üben, würde mir sicher guttun», meint sie lachend.