Bauchgefühl statt Statistik
Ernährungsexperte Uwe Knop wirft in «Puls» alle Essregeln über Bord

Essen nach Bauchgefühl statt Studien? Das will «Puls» wissen. Der Ernährungsexperte Uwe Knop rät zu intuitivem Essen. Statt Ernährungstrends zu folgen, solle man auf Hunger, Lust und Verträglichkeit hören.
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In einer neuen Ausgabe «Puls» spricht Ernährungsexperte Uwe Knop mit Daniela Lager über gesunde Ernährung.
Foto: SRF

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Experten kritisieren Ernährungsempfehlungen als wissenschaftlich ungenau und oft widersprüchlich
  • Uwe Knop wirbt für intuitive Ernährung: Hunger und Genuss als Leitlinie
  • Knop: 96 % Kartoffeln, 4 % Öl – selbst Pommes sind nicht «böse»
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Miriam Zollinger
Tele

Früher war's viel einfacher: Da kam auf den Tisch, was Feld, Garten oder Stall hergab. Persönliche Vorlieben waren sekundär – Hauptsache, alle wurden satt. Heute sieht das anders aus. Wir haben Essen im Überfluss und die Qual der Wahl. Ein Luxusproblem. Erschwerend dabei: Es gibt hier eine Studie, da eine Statistik, hier ein Verbot, da eine Empfehlung. Mal sind Eier des Teufels (Cholesterin!), dann wieder boomen sie (Protein!). Folge: Wir sind verunsichert. Welchen Studien, Statistiken oder Ratgebern kann man trauen? Und: Was dürfen wir denn noch essen? Genau das will auch «Puls» wissen.

Ernährungswissenschaftler Uwe Knop, mit dem Daniela Lager in «Puls» über das Thema spricht, erklärt das Hin und Her so: «Die meisten Studien sind Beobachtungsstudien, doch sie können gesunde Ernährung nicht klar definieren.» Denn: Die erhobenen Daten beruhten auf unüberprüfbaren Angaben der Studienteilnehmer. «Keiner weiss, ob stimmt, was sie schreiben oder ankreuzen.» Es sehe halt schöner aus, wenn man den Burger weglasse, dafür Apfel hinschreibe. Und: Daraus könnten nur Korrelationen abgeleitet werden, keine Kausalität. «Das heisst, es gibt nur banale statistische Zusammenhänge, aber keiner kennt die wichtigen Ursache-Wirkungs-Beweise.» Das sei schwache Wissenschaft und erlaube nur Glaskugel-Hypothesen.

«Diese Evidenz ist so dehnbar wie ein Kaugummi»

Auf dieser wackligen Datenbasis werden aber Lebensmittel empfohlen. Knop: «Was man zu gesunder Ernährung liest, lässt sich als amüsante Geschichte heranziehen, aber nicht als wissenschaftliche Beweise – denn solche gibt es nicht.» Das ganze System sei untauglich, fahre er fort und illustriere das an den neuen US-Ernährungsempfehlungen. «Die sind so ziemlich das Gegenteil von dem, was in Europa propagiert wird.» Aber alle beanspruchen wissenschaftliche Evidenz für sich. «Diese Evidenz ist so dehnbar wie ein Kaugummi.» Darum setzt Knop auf «intuitive Ernährung». Konkret: dem Hungergefühl freien Lauf lassen, wieder auf den Körper hören. «Der Körper sagt dir, was gut ist und was schlecht.» Wichtig: Wann hast du Hunger? Worauf hast du Lust? Wie fühlt sich der Genuss an? Wann bist du satt? Das bedeutet auch, Essen wieder wichtig werden zu lassen.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

«Aus evolutionsbiologischer Perspektive ist der Hunger, zusammen mit dem Durst, unser Trieb Nummer 1.» Und wenn ich mal mangels Zeit vor dem Bildschirm esse? Klar, das könne es geben. «Aber wenn man es tut, sollte man darauf achten, wie gut das Sandwich schmeckt.» Die «goldene Körperregel» beim intuitiven Essen sei individuelle Verträglichkeit. «Alles, was ich nicht vertrage, ist auch nicht gesund für mich.» Beispiel Rotkrautsalat, den Knop so mag. «Nur weil seine Inhaltsstoffe im Reagenzglas irgendwelche gesunden Funktionen ausüben, bedeutet das für den Einzelnen nichts.» Wichtig sei vielmehr, was unser Körper damit anfängt. «Und dazu braucht es einen Darm, der diese massive Rohkost gut verträgt und leicht verdaut.» Allen Skeptikern rät Knop, das Konzept der intuitiven Ernährung doch mal auszuprobieren. «Du frühstückst jeweils, ohne Hunger zu haben? Dann frag dich, wieso du das eigentlich tust.» Weil es als die wichtigste Mahlzeit des Tages gilt? «Lass es einfach mal weg und schau, wie dein Körper reagiert!»

Aufs Bauchgefühl hören

Dabei werde man rasch merken, dass der Körper nicht nur Pizza will. Wer sich einen Döner mache, fülle ihn ja auch nicht nur mit Fleisch und Sauce. «Es soll schon auch knacken, also nehmen die meisten automatisch Salat, Tomaten, Gurken.» Frische, Vielfalt, Abwechslung, Qualität – das seien die wichtigsten Faktoren. «Und nicht gesund/ungesund, viel/wenig Fett – oder Hilfe, da ist Zucker drin!» Einfach ist es nicht, all diese verinnerlichten Regeln wieder aus dem Kopf zu bringen und dafür aufs Bauchgefühl zu hören. Daher solle man sich von kulinarischen Geboten lösen. «Dieser Gesund-Gnom im Hinterkopf, der uns einflüstert, kauf dies, lass das weg, ich brauche noch drei Rüebli und zwei Äpfel.»

Knop betont, das sei lediglich eine Skizze des Wegs, den man idealerweise beschreiten sollte, denn intuitiv essen sei die natürlichste Form menschlicher Ernährung. «Wie das jeder Einzelne im Alltag umsetzt, ob sehr prioritär oder auch mal gar nicht, ist egal. Hauptsache, man fühlt sich wohl damit.» Auch die persönliche Ethik sei ein Faktor: «Was ist mir wichtig bei Tierzucht, Herstellung, Herkunft? Wem möchte ich mein Geld geben?» Ausreisser, in welche Richtung auch immer, müsse es geben dürfen – und werde es geben. «Daraus darf man aber kein Dogma machen.» Zum Zmittag ass Uwe Knop übrigens Dürüm mit Rotkraut, Salat, Zwiebeln, Chili – und Pommes. «Die sind nicht böse: Sie bestehen aus 96 % Kartoffeln und 4 % Öl!»

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