Darum gehts
- Designer Adam Brody eröffnet Atelier in Zürichs Seefeld für Plus-Size-Mode
- Seine Inspiration: Ehefrau und Kritik an Modewelt, die Plus Size ausschliesst
- Brody entwirft Kleidung bis Grösse 52, darunter die beliebte Shiraz-Bluse
Seine Inspiration, Mode für Frauen von Grösse 36 bis 52 zu entwerfen, ist mehr als eine Idee, ein Geschäftsmodell oder ein Trend. Sie ist tief persönlich. «Ich traf diese Frau, die Plus Size war. Sie war so magisch, schön, klug, lustig, charmant, sexy – und dennoch wurde sie von der Modewelt ausgeschlossen», sagt Designer Adam Brody (58) gegenüber Blick.
Diese Frau ist seit mehr als 30 Jahren seine Ehefrau. «Ich liebe sie. Mit meiner ganzen Seele und mit all meiner Mode.» Gemeinsam haben sie zwei Söhne. Auch eine Begegnung aus seiner Zeit bei einer sehr bekannten Marke hat sich beim in London geborenen Wahlschweizer eingebrannt.
Auslöser war dieser eine Satz
Während einer technischen Anprobe hat der Creative Director dasselbe Outfit an einem Model in Grösse 36 und an einem in Grösse 46 gesehen. Dann hat er sich umgedreht und gesagt: «Plus Size wird niemals schick sein.» Für Brody hat genau dieser Satz die Richtung vorgegeben – allerdings in die entgegengesetzte.
«Das Gegenteil wurde zu meinem Lebenssatz!», und zu seinem Credo: «Stil hat nichts mit der Grösse zu tun.» Auch nicht in einer Zeit, in der die Abnehmspritze längst Teil der Diskussion über Körper und Gewicht geworden ist. «Ich entwerfe fast alle Grössen», sagt Brody. Seine Mode soll nicht davon abhängen, welche Körperform gerade als Ideal gilt.
Viel wichtiger sei für ihn, dass Kleidung der Frau gerecht werde, die sie trägt. «Meine Designs entstehen, indem ich die Schnitte mache, ein Kleidungsstück konstruiere und einen Look zusammenstelle. Es geht um eine Art verborgene Beziehung.»
Dann wird er poetisch: «Wir sind tatsächlich sehr intim. Sie trägt meine Arbeit auf ihrer Haut, das ist sehr, sehr nah.» Wenn ein Kleid einer Frau nicht nur passe, sondern sich richtig anfühle, beobachtet Brody: «Sie strahlt. Still, echt, entspannt.»
Dabei hat Brody Mode längst nicht immer aus dieser Perspektive betrachtet. Während seiner Laufbahn hat er unterschiedliche Welten kennengelernt, entwarf unter anderem Brautmode, Herrenkleidung und Hüte. Heute beschäftigt er sich intensiv mit unterschiedlichen Körperformen und damit, wie Kleidung tatsächlich getragen wird.
Hollywoodstar Adam Brody
«Es geht mir darum, die verschiedenen Formen eines Körpers und das heutige kulturelle und visuelle Verständnis zu verstehen.» Sein Ziel: Kleidung, die nicht im Schrank hängenbleibt, sondern getragen wird. Wie eines seiner Lieblingsdesigns, die Shiraz-Bluse, die für Frauen und Männer gedacht ist. Sie sei «modern, zurückhaltend, bequem und sexy». Auf sie ist er besonder stolz.
Wie auf sein neues Ladenlokal im Zürcher Seefeld, wo er auch sein Atelier hat. Da beschäftigt er sich bereits mit dem nächsten Design. «Es ist immer das Stück, das gerade in Entwicklung ist und auf meinem Tisch liegt.» Aktuell sei es «die völlig kunstvolle Form eines Regenmantels».
Und dann ist da noch ein anderer Brody, mit dem er sich unfreiwillig den gleichen Namen teilt: Hollywoodstar Adam Brody (46). «Ich bin viel älter und wurde mit dem Namen geboren, also habe ich nichts, womit ich konkurrieren müsste. Ich war zuerst.»
Das eigentliche Problem sitzt für ihn ohnehin woanders: «Der Einzige, der ernsthaft durcheinanderkommt, ist Google», sagt er und lacht.