Darum gehts
- Stefanie Giesinger kritisiert Körperideale der Modelbranche in Podcast «g.spot»
- Absage für Fashion-Show: «Zu dick», trotz Designer-Kompliment beim Fitting
- Modelstandards immer ungesünder: Giesinger sieht dünnere, jüngere Körperideale
In ihrem Podcast «G-Spot» prangert Stefanie Giesinger (29) die Mode-Industrie an. Die GNTM-Siegerin enthüllt, wie drastisch sich das Körperideal in der Branche in den letzten Jahren gewandelt hat – und wie sie selbst es als Model am eigenen Leib zu spüren bekommt.
Nachdem Giesinger schon für eine Modeschau bei einer Fashion Week gebucht worden war, bekam sie plötzlich eine Absage. Der Grund: Sie sei «zu dick», um die Marke zu repräsentieren. Den erschreckenden Schönheitsnormen, die sie in der Modewelt beobachte, wolle sie sich nicht mehr beugen.
Körperideal wird immer ungesünder
«Wir haben noch gar nicht darüber geredet, was alles passiert ist auf den Fashion Weeks. Ich wurde ausgeladen», beginnt Stefanie Giesinger mit trauriger Stimme zu erzählen. Sie leitet damit ein Thema ein, über das sie in ihrem Podcast einmal sprechen will: Körperideale, die sich laut ihr in den letzten Jahren in eine besorgniserregende Richtung entwickelt haben. Besonders in der Modebranche beobachte sie, dass Models zunehmend dünner und ungesünder aussähen.
Bevor sie tiefer in das Thema eintaucht, wolle sie eines klarstellen: «Ich habe einen gesunden Körper. Und ich ernähre mich auch überwiegend gesund. Und wenn mein Körper mir signalisiert, ich habe Bock auf etwas, ich habe Hunger, oder sonst irgendwas – ich gehe diesem Signal nach und unterdrücke das nicht.» Wenn dies bedeute, dass sie «nicht mehr in eine XS» passe, dann sei das für sie so in Ordnung. «Und ich muss mich jetzt nicht diesem neuen schlanken Körperideal fügen, das ich wahrgenommen habe bei der Fashion Week.»
«Ich hatte so einen Körper, als ich zehn war»
Dann berichtet Giesinger von einem Erlebnis bei der Fashion Week, das sie vorübergehend aus der Bahn warf. Sie hatte Lust, wieder zu modeln, und freute sich, dass sie für drei Modeschauen gebucht worden war: «Das heisst, ich war nicht nur beim Casting, sondern ich war dann schon beim Fitting eingeladen.» Beim Fitting, also bei der Anprobe des Kleides, mit dem sie über den Catwalk laufen sollte, sei alles sehr gut verlaufen – sie habe sogar Komplimente vom Designer höchstpersönlich bekommen.
Doch schon bei der Anprobe sei ihr aufgefallen, dass die anderen Models um sie herum weitaus schlanker und jünger aussahen als sie. «Beschreiben könnte ich es wie: Ich hatte genau so einen Körper, als ich sieben bis zehn war.» Das Körperideal sei in den letzten Jahren noch einmal deutlich dünner und jünger geworden, «also kaum ausgeprägte Kurven.» Vorbei seien die Zeiten, in denen Plus-Size-Models bei den Fashion Weeks liefen; diese sehe man nur noch vereinzelt, der Trend sei vorbei.
«Ich bin jetzt zu fett»
Später bekam Giesinger am Telefon dann plötzlich – völlig unerwartet – eine Absage von der Marke: «Da wird mir gesagt: ‹Sorry, du passt doch nicht in das Bild der Show.› Sie haben sich doch für ein anderes Model entschieden. Meine Welt ist natürlich zusammengebrochen.» Am Ende habe ein schlankeres, jüngeres Model ihr Kleid auf dem Catwalk präsentiert. Dieser Vorfall habe all ihre Unsicherheiten hervorgeholt: «‹Ich bin jetzt zu alt›, ‹Ich bin jetzt zu fett›, ‹Ich kann kein Model sein›», zählt Giesinger sie auf. Das Körperideal für Models sei so schlank geworden, «dass noch nicht mal superschlanke Frauen diesem Körperideal mehr entsprechen. Also es ist wirklich ungesund.»
Am Ende konnte Giesinger dennoch bei zwei anderen Shows während der Fashion Week laufen. Dass sie von der einen Show ausgeladen wurde, machte ihr jedoch zu schaffen. Giesinger fühlt sich an einen ähnlichen Vorfall erinnert, der ihr passierte, als sie achtzehn oder neunzehn war. Bei der Anprobe für eine italienische Designermarke habe eine Stylistin vor allen – und vor ihr – gesagt: «Die ist viel zu dick um die Hüfte herum, die müssen wir verstecken.» Dann habe man versucht, ihren Körper auf verschiedene Weise mit einer Jacke zu verbergen, weil sie «zu dick» sei. «Das hat mich so traumatisiert», erinnert sich Giesinger.