Schauspielerin Olivia Wilde spricht Klartext über Beziehungen
«Warum haben wir eigentlich keinen Sex mehr?»

Sex, Partnertausch und Beziehungskrisen: Am Filmfestival Locarno präsentiert Olivia Wilde (42) ihre Komödie «The Invite». Im Blick-Interview spricht die Schauspielerin und Regisseurin über guten Sex, sexuelle Scham – und warum eine Trennung kein Scheitern sein muss.
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Olivia Wilde ist Schauspielerin und Regisseurin.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Olivia Wilde spricht über Sex, Intimität und gesellschaftliche Tabus
  • Offene Kommunikation verbessert Beziehungen und steigert die sexuelle Zufriedenheit
  • «The Invite» startet am 13. August in Schweizer Kinos
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Katja RichardRedaktorin Gesellschaft

Warum fällt es uns so schwer, über Sex und Intimität zu sprechen?
Olivia Wilde: Lange wurde uns vermittelt, es gebe Regeln für guten Sex – etwa, wie oft man ihn haben müsse. Inzwischen sind wir sensibilisierter. Trotzdem bleibt die Angst, dass man etwas falsch macht. Dahinter stecken Scham und Unsicherheit.

In Ihrem Film wird offen über Sexstellungen gesprochen. Sobald es aber um echte Intimität geht, wird es schwierig.
Darüber zu reden, wie man Sex hat, bleibt an der Oberfläche. Viel schwieriger ist die Frage: Warum haben wir eigentlich keinen Sex mehr? Dann geht es plötzlich nicht mehr um Technik, sondern um die Beziehung selbst.

Paare, die offen über Sex sprechen, sind zufriedener, und Frauen haben häufiger Orgasmen.
Das überrascht mich nicht. Wie soll man guten Sex haben, wenn man mit dem Partner nicht darüber sprechen kann? Gleichzeitig tragen wir immer noch kulturell tief verankerte Scham mit uns herum. In Amerika gibt es diese starken puritanischen Wurzeln, die bis heute beeinflussen, wie wir über Sex, Ehe, Frauen und Lust denken.

Dennoch scheint sexuelle Scham universell, die Geschichte wurde in verschiedenen Ländern verfilmt – in Spanien, Frankreich, Italien, Südkorea und auch in der Schweiz.
Ja, man denkt vielleicht: Die Italiener haben das im Griff. Oder die Franzosen! Aber offenbar machen wir alle ähnliche Erfahrungen. Begehren ist etwas Menschliches, Animalisches – und gleichzeitig versuchen wir, es mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Anstand zu vereinbaren.

Haben Sie die Schweizer Version «Die Nachbarn von oben» gesehen?
Nein, während der Arbeit wollte ich mich bewusst nicht beeinflussen lassen. Jetzt habe ich etwas Abstand und werde mir mein eigenes kleines Filmfestival mit all den Adaptionen machen. Bisher kenne ich nur das spanische Original.

Das spanische Original «Sentimental» (2020) wurde auch in der Schweiz verfilmt.
Foto: Ascot Elite

Was ist Ihr Rat an Paare: mehr reden, mehr Sex haben – oder die Nachbarn einladen?
Alle drei Sachen! Genau in dieser Reihenfolge: mehr reden, mehr Sex, die Nachbarn einladen – und danach wieder darüber reden (lacht). Ich hoffe, dass der Film Paare ins Gespräch bringt.

Der Film könnte einem die Lust auf eine Beziehung verderben?
Mir war wichtig, dass der Film nicht unromantisch oder so zynisch wird. Im Gegenteil: Ich glaube, er macht einem Lust darauf, eine wirklich gute Beziehung zu führen.

Vom Serienstar zur Regisseurin

Durch «Dr. House» wurde Olivia Wilde (42) international bekannt, später wechselte sie ins Regiefach. Von 2011 bis 2020 war sie mit Schauspieler Jason Sudeikis liiert, die beiden haben zwei Kinder. Danach sorgte ihre Beziehung mit dem jüngeren Popstar Harry Styles (32) für Schlagzeilen. Sie lernten sich bei Dreharbeiten kennen und trennten sich 2022. «The Invite» ist Wildes dritte Regiearbeit.

Olivia Wilde am Filmfestival in Locarno.
IMAGO/ABACAPRESS

Durch «Dr. House» wurde Olivia Wilde (42) international bekannt, später wechselte sie ins Regiefach. Von 2011 bis 2020 war sie mit Schauspieler Jason Sudeikis liiert, die beiden haben zwei Kinder. Danach sorgte ihre Beziehung mit dem jüngeren Popstar Harry Styles (32) für Schlagzeilen. Sie lernten sich bei Dreharbeiten kennen und trennten sich 2022. «The Invite» ist Wildes dritte Regiearbeit.

In der Fantasie ist Partnertausch aufregend. Der Film zeigt, dass es in der Realität auch ziemlich in die Hose gehen kann.
Nicht unbedingt. Die polyamore Community wächst. Entscheidend ist die Kommunikation. Nicht das sexuelle Experiment bringt die Beziehung aus dem Gleichgewicht. Im Gegenteil: Als das Paar sich gegenseitig fragt, ob der Partnertausch okay ist und beide ehrlich Ja sagen, ist das für mich einer der romantischsten Momente des Films. Sie gönnen einander diese Erfahrung.

Was geht denn schief?
Nicht der Sex ist das Problem, sondern das, was danach passiert. Die Beziehung ist bereits so brüchig, dass die beiden nicht mit der kleinsten Schwierigkeit umgehen können. Eine gesunde Beziehung ist nicht eine Beziehung, in der niemals gestritten wird. Entscheidend ist, dass man nach einem Bruch wieder zueinanderfindet.

Hat dieser Film auch mit Ihren eigenen Erfahrungen zu tun?
Ja. Ich wollte über Intimität, Ehe und Liebeskummer differenzierter sprechen, als es romantische Komödien oft tun. An diesem Punkt meines Lebens wollte ich Fragen auf der Leinwand sehen, mit denen ich selbst konfrontiert war.

Etwa, wann eine Beziehung gescheitert ist?
Ja, aber das Ende einer Ehe bedeutet nicht automatisch, dass sie gescheitert ist. Manchmal kann eine Trennung sogar der liebevollste Schritt sein. Gerade wenn man gemeinsam Eltern ist: Vielleicht können wir uns als Paar nicht mehr lieben, aber als eigenständige Menschen schon. Diesen Gedanken über Beziehungen und das Erwachsensein finde ich faszinierend.

«The Invite» läuft ab 13. August in den Schweizer Kinos. 

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