«Glaube nicht, dass Monarchie dadurch zusammenbricht»
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Royal-Experte zu Fall Andrew:«Glaube nicht, dass Monarchie dadurch zusammenbricht»

Monarchie-Experte Richard Fitzwilliams
«Die Queen wusste, dass Andrew nicht der Hellste ist»

Der Skandal um Ex-Prinz Andrew (66) zieht nach dessen Freilassung aus der Haft immer grössere Kreise. Richard Fitzwilliams kennt die britische Krone wie kein Zweiter. Blick lädt er in sein Haus im Londoner Norden ein. Ist die Monarchie am Ende?
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Richard Fitzwilliams ist in diesen Tagen ein gefragter Mann.
Foto: Laszlo Schneider

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Andrew Mountbatten-Windsor steht unter Verdacht, Polizei untersucht Menschenhandel und Amtsmissbrauch
  • Royal-Familie unterstützte möglicherweise Vergleichszahlung von 12,5 Millionen Franken
  • Kosten der Royals stiegen auf 138 Millionen Franken, Renovation bis 2027
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Blick: Mister Fitzwilliams, Andrew Mountbatten-Windsor ist frei, die Polizei ermittelt weiter, durchsucht seine ehemaligen Anwesen. Ich gebe Ihnen eine Frage weiter, die viele Menschen, mit denen ich hier gesprochen habe, umtreibt: Wer kommt für seine Anwaltskosten auf? Er gilt als finanziell ruiniert.
Richard Fitzwilliams:
Wie viel Geld Andrew Mountbatten-Windsor tatsächlich hat, wissen wir nicht, die Pension, die er von der Marine erhält, ist gering. Was wir wissen, ist, dass er fragwürdige Freunde hat, die ihn möglicherweise finanziell unterstützen. Auch ob ihm sein Bruder, König Charles III., aus der Patsche hilft, ist Gegenstand von Spekulationen – wir werden es wohl nie erfahren. Den Britinnen und Briten ist vor allem wichtig, dass sie als Steuerzahlerinnen und -zahler nicht zur Kasse gebeten werden.

Persönlich: Richard Fitzwilliams

Richard Fitzwilliams (76) ist ein britischer PR-Berater und langjähriger Kommentator zur Royal Family. Er tritt regelmässig bei britischen Sendern wie BBC oder Sky News und in internationalen Medien als Monarchie-Experte auf. Bekannt ist er für pointierte Einschätzungen zu Krisen, Hochzeiten und Skandalen rund um das Königshaus. Er studierte Geschichte in Cambridge.

Richard Fitzwilliams (76) ist ein britischer PR-Berater und langjähriger Kommentator zur Royal Family. Er tritt regelmässig bei britischen Sendern wie BBC oder Sky News und in internationalen Medien als Monarchie-Experte auf. Bekannt ist er für pointierte Einschätzungen zu Krisen, Hochzeiten und Skandalen rund um das Königshaus. Er studierte Geschichte in Cambridge.

Wie gross ist die Chance, dass dieser Fall eintritt?
Gering. Das würde vermutlich in irgendeiner Form von der königlichen Familie geregelt – vorausgesetzt, die Kosten des Verfahrens sind so enorm, wie man momentan vermutet. Es wird auch gemunkelt, dass ihm ein vermögender Bekannter zur Seite springt. Ähnlich war es ja auch bei Virginia Guiffre.

Inwiefern?
Über 90 Prozent der Zivilklagen, wie das bei Guiffre der Fall war, gehen gar nicht erst vor Gericht, sie werden ohne Schuldeingeständnis beigelegt. Man geht vielerorts davon aus, dass man sich hier für etwa 12,5 Millionen Franken mit der Klägerin geeinigt hat. Es gilt als wahrscheinlich, dass Mitglieder der königlichen Familie geholfen haben. In welchem Ausmass Andrew den Betrag zurückgezahlt hat, wissen wir nicht.

Besteht im Palast Sorge, dass der Fall Andrew Forderungen nach noch mehr Transparenz bei Finanzen und Privilegien auslösen könnte?
Ja, auf jeden Fall. Die Kosten der Royal Family sind gestiegen, von 89 auf 138 Millionen Franken. Ein Teil davon betrifft die zehnjährige Renovation des Buckingham-Palasts, die 2027 abgeschlossen sein sollte. Klar ist: Das Parlament wird genau hinschauen. Aber ...

Aber?
Gleichzeitig muss man den Gesamtwert der Monarchie betrachten. Sie bringt dem Staat jährlich Hunderte von Millionen Pfund ein. Die Menschen sind geradezu besessen von den Royals.

Das sieht man auch jetzt gerade wieder nur zu gut. Hat die britische Krone durch den Andrew-Skandal an Zustimmung eingebüsst?
Ich glaube nicht. Laut einer aktuellen Umfrage befürworten 59 Prozent der Britinnen und Briten die Monarchie – auch wenn es unter Queen Elizabeth II. oft noch über 80 waren.

Die Beliebtheit der Royals könnte allerdings sinken. Es steht nicht nur der Verdacht auf Amtsmissbrauch im Raum – es soll mittlerweile auch um Menschenhandel gehen. Was können Sie uns zu diesen spezifischen Vorwürfen sagen?
Ich bin ziemlich sicher, dass sie mittlerweile Teil der Untersuchungen sind. Ob es dann auch zur Anklage kommt, wissen wir nicht. Die Beweise werden von der Polizei an den Crown Prosecution Service (die britische Staatsanwaltschaft, Anm. d. Red.) übergeben.

Andrew Mountbatten-Windsor ist momentan ein freier Mann. Welche Auflagen hat er?
Das wissen wir leider nicht – dazu ist es noch zu früh.

Die britischen Royals haben sich bisher zurückhaltend zum Skandal geäussert, König Charles III. hat auf das geltende Recht hingewiesen. Könnte der Schuss nicht nach hinten losgehen?
Wenn sich die Krone für ihn entschuldigen würde, könnte das eine Verurteilung von Andrew Mountbatten-Windsor gefährden. Man weiss nicht, was noch kommt – Reparationen, weitere Enthüllungen? Je mehr sich die Royals äussern, desto stärker identifiziert sich die Monarchie mit dem Skandal. Der König hat getan, was er kann. Auch der Prinz und die Prinzessin von Wales haben eine Stellungnahme abgegeben.

Welche Lehren zieht der Buckingham-Palast aus dem Andrew-Skandal?
Ich gehe davon aus, dass die Royals noch stärker bewusst in den Hintergrund rücken werden und sich auf ihre repräsentativen Rollen – beispielsweise beim Klimaschutz oder beim Schutz von Missbrauchsopfern – konzentrieren werden. Das ist auch sehr wichtig. Klar ist jetzt schon, dass der Skandal einen grossen Teil von König Charles' Regentschaft geprägt hat und weiter prägen wird. Prinz William wird in absehbarer Zukunft mehr damit zu tun haben, als ihm lieb ist – sobald er König ist.

Mister Fitzwilliams – was wohl die Queen über ihren Lieblingssohn Andrew sagen würde?
Die ganze Familie hat es doch kommen sehen, spätestens, als Andrew 2011 von seinem Posten als Sonderbeauftragter zurücktrat. Die Queen wusste, dass Andrew nicht der Hellste ist. Er tat ihr leid. Hätte er nur die Schauspielerin Koo Stark (mit der Andrew ein Verhältnis hatte, Anm. d. Red.) geheiratet, wäre alles anders verlaufen. Stattdessen heiratete er eine gierige Frau, die Menschen schlecht behandelt. Zusammen waren sie das perfekte Paar.

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