Jazz-Gigant Miles Davis würde am 26. Mai 100 Jahre alt
Warum die Schweiz für ihn prägend war

Am 26. Mai wäre Miles Davis 100 Jahre alt geworden. Der US-Jazzgigant hielt sich regelmässig und gerne in der Schweiz auf. Vor allem Montreux mit dem weltweit bekannten Jazz Festival bot ihm dank Direktor Claude Nobs einen sicheren Hafen.
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Miles Davis bei einem Konzert in den späten 1980er-Jahren in Frankreich.
Foto: IMAGO/Bestimage

Darum gehts

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Jean-Claude GalliRedaktor People

Er gilt als grösster Erneuerer des Jazz und als einer der einflussreichsten Männer der Musikgeschichte: Am 26. Mai würde der US-Trompeter Miles Davis 100-jährig. Der «Prince of Darkness», benannt nach seinem tiefgründigen, dunklen Stil, starb 1991 im kalifornischen Santa Monica.

Technisch gesehen gab es in seiner Generation zwar ebenbürtige Solisten. Doch Davis hatte auch das Gespür für die Auslassungen und Pausen am richtigen Ort. Und er hatte den Mut, immer wieder die sichere Deckung zu verlassen und einen Schritt weiterzugehen.

Wer sich selber zu kopieren beginne, solle besser gleich aufhören, war sein Credo. Wenn er die Tür zu einer neuen Epoche aufgestossen und die anderen eingelassen hatte, ging er gleich ein Zimmer weiter.

Drogen, Abstürze und Experimente

Er revolutionierte nacheinander den Bebop, den Cool Jazz, den Hard Bop, den Modal Jazz sowie den Rock- und Fusion-Jazz und war sich am Schluss seiner Karriere auch nicht zu schade, sogar Cyndi Laupers (72) Pophit «Time After Time» zu covern oder vor Michael Jackson (1958–2009) den Hut zu ziehen.

Berührungsängste hatte er nur mit sich selber, wie seine lange und intensive Experimentierzeit mit Drogen aller Art zeigte.

Sein Gespür für die richtige Auswahl seiner musikalischen Partner wie Quincy Jones (1933–2024) oder Gil Evans (1912–1988) war einzigartig. Und die Liste seiner Entdeckungen und Schützlinge ellenlang, von Bass-Genie Jaco Pastorius (1951–1987) bis hin zu Schlagzeuger Billy Cobham (82), der heute im Berner Ostring-Quartier lebt und mit ihm auf dem wegweisenden Album «Bitches Brew» von 1970 spielte.

Die Schweiz-Bezüge und die Spuren, die er hier hinterliess, sind ähnlich umfangreich. Die Liaison mit unserem Land begann am 8. April 1960, als das Miles Davis Quintet mit John Coltrane (1926–1967) am Tenorsaxophon im Kongresshaus Zürich auftrat.

Die Aufnahme dieses Abends gilt als Meilenstein und wurde als Tonträger veröffentlicht. Ebenso wie das Konzert von Davis in der Stadthalle Dietikon ZH von 1971.

Montreux als sicherer Hafen

Claude Nobs (1936–2013), Gründer des Montreux Jazz Festival, war es schliesslich zu verdanken, dass Davis hier jederzeit einen sicheren Konzerthafen anlaufen konnte.

«Die Schweiz und vor allem Montreux sind eine stete Inspirationsquelle für mich», sagte Davis einmal. «Nur mit dem Schnee kann ich nicht viel anfangen.»

Insgesamt trat er zwischen 1973 und 1991 neunmal beim Festival am Genfersee auf. Hier fühlte er sich spürbar wohl, auch weil Nobs jeden seiner Spleens zu erfüllen suchte.

So wünschte sich Davis jeweils einen vollgetankten Ferrari mit auffälliger Lackierung für Spritztouren ins Wallis und nach Genf. Punkto Essen hatte er keine Sonderwünsche. Angetan hatte es ihm aber offenbar der Weisswein Dézaley Médinette.

Total spielte er in diesen knapp 20 Jahren elf Sets im Waadtland, zweimal gab er ein Doppelkonzert. Seine Festivalgeschichte ist auf «The Complete Miles Davis at Montreux» dokumentiert.

Der Auftritt vom 8. Juli 1991 war eines der allerletzten Konzerte von Davis. Er trat mit Quincy Jones und dem Gil Evans Orchestra auf. Das entsprechende Album «Miles & Quincy Live at Montreux» erschien 1993 und wurde mit dem Grammy 1994 als «Beste Darbietung eines Jazz-Grossensembles» ausgezeichnet.

Zweieinhalb Monate später starb Davis am 28. September 1991 65-jährig an einer Kombination aus Schlaganfall, Lungenentzündung und Herz-Kreislauf-Versagen.

Ehrbezeugungen für Davis

Zu Ehren von Davis finden in den nächsten Wochen verschiedene Tribute-Konzerte statt. So am Festival da Jazz in St. Moritz GR am 15. Juli. Auf dem Programm steht der Theatermonolog «Miles oder die Pendeluhr von Montreux» des früheren Davis-Vertrauten Henning Mankell (1948–2015). Als musikalisches Motiv dient «Sketches of Spain», interpretiert vom Zurich Jazz Orchestra.

Einen Tag später gibt es am 16. Juli in Montreux einen besonderen Leckerbissen. US-Bassist Marcus Miller (66) bringt die Band des Live-Albums «We Want Miles!» wieder zusammen, das 1981 in Japan aufgenommen wurde: Mike Stern (73) an der Gitarre, Bill Evans (68) am Saxophon und Mino Cinelu (69) an den Percussions.

Und am Verbier Festival interpretiert das Streichquintett Wooden Elephant das Meisterwerk «In a Silent Way» neu, dies am 25. und 26. Juli.

An Miles Davis führt immer noch kein Weg vorbei.

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