Darum gehts
- Michael Herbig spricht erneut Woody in «Toy Story 5»
- Er kritisiert die Handysucht bei Kindern und warnt vor KI in seiner Branche
- Toy Story 6? «Ich bin bereit, wenn ich gebraucht werde»
Zum dritten Mal leiht Michael «Bully» Herbig (58) dem Kultcowboy Woody im Film «Toy Story 5» seine Stimme. Im fünften Teil des weltberühmten Animations-Franchises bekommt es die geliebte Toy-Gang mit einem völlig neuen, froschgrünen Erzfeind zu tun: Lilypad, ein sprechendes, hochmodernes Tablet, das den Kindern im Sturm komplett den Kopf verdreht. Woody, Buzz Lightyear und ihre Freunde stehen vor ihrer bisher grössten Herausforderung und müssen auf eine riskante Mission gehen, um die Kids wieder zum echten Spielen in der realen Welt zu animieren.
Die grassierende Handysucht bei Kindern ist ein Thema, das Herbig, der selbst Vater eines Sohnes ist, auch privat bestens kennt. Wie in vielen Familien spielt der Umgang mit Smartphones und Tablets auch bei ihm eine Rolle.
Bevor der Comedystar ins Studio gegangen ist, hat er sich noch mal den vierten Teil von «Toy Story» angeschaut, «denn es ist schon eine Weile her, seitdem ich diesen Film synchronisiert habe. Und ich habe festgestellt: Ey, der klingt wie ich. Dann mache ich es jetzt noch mal genau so», erzählt der Schauspieler. Dass die Synchronarbeit am Ende so reibungslos über die Bühne ging, liegt laut Herbig auch an der perfekten Vorlage aus Hollywood. Der Film wird schliesslich fertig angeliefert, und Herbig orientiert sich im Studio stark an der Performance von Weltstar Tom Hanks (69), der Woody im amerikanischen Original spricht. Seine Aufgabe sei es vor allem, den Geist dieser ikonischen Figur genau zu treffen. Viel Platz für eigene Interpretationen gebe es dabei ohnehin nicht, da das Synchronbuch extrem präzise getaktet ist und der Synchronregisseur dieses auch selbst geschrieben hat. Man will die bestmögliche Variante abliefern, damit das Werk nicht zu sehr verändert wird.
«Es ist Junkfood für die Seele!»
Die eigentliche Thematik des neuen Films brennt dem Entertainer unter den Nägeln. Die Digitalisierung der Kinderzimmer sieht er skeptisch, auch wenn er betont, dass der Film das Problem auf eine sehr humorvolle Art herüberbringe, bei der man sich am Ende auch selber ertappt fühle. Wenn alle nur noch isoliert vor den Monitoren hocken würden, verkümmere die Kreativität der Kinder – in Herbigs Augen gefährlich für die Entwicklung.
«Die junge Generation steht vor einer riesigen Wand voller Möglichkeiten», sagt Herbig. «Das führt zu einer massiven Reizüberflutung.» Schuld ist laut ihm der Gruppenzwang: «Ich muss dabei sein, sonst verpasse ich was.» Das Dauerwischen am Bildschirm vergleicht der Synchronsprecher so: «Es ist Junkfood. Es ist wie Chips essen und nicht aufhören können. Das ist für die Seele nicht gesund.» Besonders das Daumen-Swipen der Kids nervt ihn: «Diese Bewegung finde ich schon so schlimm. Es ist die pure Ungeduld.»
Ein allgemeines Patentrezept hat er zwar nicht, aber sein Tipp lautet: selbst Vorbild sein und Kinder nicht einfach mit dem iPad allein wegsperren, nur um als Eltern Ruhe zu haben. «Wenn du am Frühstückstisch schon das Handy in der Hand hast, darfst du dich nicht wundern, wenn die Kids das auch wollen.»
«Das Recht an der eigenen Stimme» und das KI-Monster
Doch nicht nur die Handlung des Films dreht sich um die Bedrohung durch die moderne Technik – auch in Bullys realer Arbeitswelt im Synchronstudio klopft die Zukunft unbarmherzig an die Tür. Das grosse Schreckgespenst der Branche heisst künstliche Intelligenz. Während das Einsprechen von Woody für Herbig selbst ein «schöner Ausflug, ein Event und eine schöne Abwechslung» bleibt, da er kein Fulltime-Synchronsprecher ist, sieht er für seine hauptberuflichen Kolleginnen und Kollegen eine existenzielle Bedrohung aufziehen.
Für die Betroffenen findet er jedoch klare Worte: «Ich kann sehr gut verstehen, dass Kollegen, von denen verlangt wird, ihre Stimmrechte abzugeben, ein massives Problem damit haben und Existenzängste ausstehen.» Denn: «Wenn man dieses KI-Monster mit Stimmen füttert, verliert sich das Recht an der eigenen Stimme. Das ist ethisch und moralisch schwer zu vertreten.»
Ganz verteufeln will er die Technik trotzdem nicht – seine Grossmutter habe ihm einst einen Spruch mitgegeben, an den er bis heute denkt: «Die Welle, die du nicht aufhalten kannst, die musst du reiten.» Man müsse als Gesellschaft und als Branche also einen gesunden Weg finden, wie Mensch und Technik koexistieren können, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken.
Pure Demut vor dem Mikrofon und Vorfreude auf Teil 6
Herbig gehört heute zu den erfolgreichsten Unterhaltungskünstlern im deutschsprachigen Raum. Die Geschichte seines Spitznamens begann lange vor seiner Karriere: Während seiner Schulzeit trug der gebürtige Münchner voller Stolz ein Eishockeytrikot des Klubs Bad Tölz mit der Aufschrift «Bully». Der Spitzname begleitet ihn bis heute und gilt längst als eine der erfolgreichsten Marken der deutschen Unterhaltungsindustrie. Mit der «Bullyparade», Kinohits wie «Der Schuh des Manitu», später aber auch mit Filmen wie «Ballon» und Erfolgsformaten wie «LOL: Last One Laughing» hat er sich über Jahrzehnte einen festen Platz in der deutschen Unterhaltungsbranche erarbeitet. Seine Filme lockten insgesamt mehr als 20 Millionen Menschen in die Kinos und brachten ihm zahlreiche Auszeichnungen ein. Trotzdem bleibt die Stimme von Woody für ihn etwas Besonderes – eine Rolle, zu der er immer wieder gerne zurückkehrt.
Wird er auch bei einem potenziellen sechsten Teil von «Toy Story» wieder mit von der Partie? Herbig zögert keine einzige Sekunde: «Jederzeit, wenn ich gebraucht werde.»