Darum gehts
- Marilyn Monroe würde am 1. Juni 2026 100 Jahre alt
- Sie drehte rund 30 Filme, nicht alle davon sind heute noch sehenswert
- Monroe starb 1962 – offiziell an einer Überdosis Schlaftabletten
Marilyn Monroe, geboren am 1. Juni 1926 in Los Angeles unter dem Namen Norma Jeane Baker als uneheliches Kind aus einer Affäre, gestorben am 4. August 1962, ist bis heute die bekannteste Schauspielerin der Welt.
Sie ist viel länger tot, als sie lebte, und immer noch omnipräsent. Am Fernsehen, in der Werbung und in den Köpfen der Menschen. Apostrophiert als naive Verführerin und grösstes Sexsymbol aller Zeiten. Dazu sagte sie: «Wenn ich schon ein Symbol sein soll, dann lieber für Sex als für irgendwas anderes, wofür es Symbole gibt.»
Sie war keineswegs dumm und sehr schlagfertig. Die nach ihrem Tod versuchte Umdeutung zur missverstandenen Intellektuellen wurde ihr jedoch nicht gerecht. Dafür war sie zu opportunistisch und pragmatisch.
Die Nacht mit Kennedy und viele Märchen
«Sie war das traurigste Mädchen der Welt», schrieb ihr Ex-Ehemann Arthur Miller (1915–2005) über sie. Sie hatte Lampenfieber, nahm Tabletten und schloss sich stundenlang ein. In einem ihrer letzten Interviews sagte sie: «Es scheint, als liesse ich die Leute viel warten. Aber ich warte auch. Ich habe mein ganzes Leben lang gewartet.»
Vieles um sie war Gerede. So verbrachte sie mit US-Präsident John F. Kennedy (1917–1963) je nach Biografie höchstens eine Nacht. Und das Gerücht, die Mafia habe sie beseitigt, weil sie zu viel über was auch immer wusste, ist ein Schauermärchen. Auch wenn ihr Tod – offiziell eine Überdosis Schlafmittel – bis heute Fragen aufwirft.
Sie wurde verunglimpft, selbst von Menschen, die wesentliche Teile des eigenen Ruhms ihr zu verdanken hatten. Regisseur Billy Wilder (1906–2002) sagte: «Sie hat Brüste wie Granit und ein Hirn wie Schweizer Käse, voller Löcher.»
Sie war grösser als all ihre Filme und deren Macher, grösser als Hollywood. Nicht jeder Film mit ihr ist gleich gut gealtert. Blick hat zum Geburtstag sieben berühmte Werke unter die Lupe genommen (in chronologischer Reihenfolge).
«Niagara», 1953
Als Alfred Hitchcock (1899–1980) diesen Film sah, soll er sehr eifersüchtig geworden sein. Tatsächlich erinnert vieles in diesem Film noir an den grossen Thriller-Meister. Monroe verkörpert in der dramatischen Geschichte um Verrat und Ehebruch vor der Kulisse der Niagarafälle die unberechenbare Femme fatale Rose Loomis. Dass sie ihre Überlegenheit und Selbstbestimmung mit dem Tod «büssen» muss, ist der Moral dieser Zeit geschuldet. Erstmals wird Marilyn Monroe im Vorspann an erster Stelle genannt.
4 von 6
«Blondinen bevorzugt», 1953
Manche sehen in dieser Howard-Hawks-Komödie um ein vermeintlich gestohlenes Diadem auf hoher See eine Abrechnung mit dem Materialismus, anderen raucht ob der verwirrlichen Handlung bloss der Kopf. Bemerkenswert bleibt der Film aus zwei Gründen. Erstens interpretiert Monroe als geldversessenes Showgirl Lorelei Lee den unvergesslichen Song «Diamonds Are a Girl’s Best Friend». Und zweitens hat sie folgenden Dialogsatz: «Ich kann klug sein, wenn es darauf ankommt. Aber die meisten Männer mögen das nicht.»
3 von 6
«Wie angelt man sich einen Millionär?», 1953
Dass Monroe das Klischee der dümmlichen Blondine nie loswurde, ist in grossem Masse diesem Jean-Negulesco-Klamauk um drei heiratswillige Models auf der Suche nach Männern mit hohem Kontostand geschuldet. Monroes Figur Pola Debevoise verzichtet trotz Kurzsichtigkeit auf ihre Brille, weil sie glaubt, sie würde sonst verschmäht. Prompt steigt sie in New York ins falsche Flugzeug, wo sie den ebenfalls kurzsichtigen Freddie Denmark kennenlernt. Der Rest ergibt sich von selber.
2 von 6
«Fluss ohne Wiederkehr», 1954
Die Landschaftsbilder im damals neuen Cinemascope-Format sind überwältigend. Und an Action mangelt es auf der Flossfahrt durch den reissenden Maligne River nicht. Monroe brach sich bei den Dreharbeiten sogar ein Bein. Nur die bösartigen «Indianer» wären heute ein No-Go. Der Film von Otto Preminger (1905–1986) punktet vor allem mit seinen stillen Momenten und ist kein eigentlicher Western, sondern ein berührendes Melodram. Und Robert Mitchum (1917–1997) nimmt Monroe als Spielpartnerin ernst.
5 von 6
«Das verflixte 7. Jahr», 1955
Von Billy Wilder war schon die Rede. Hier liess er Monroe auf einem U-Bahn-Schacht posieren, und die Zugluft wirbelte ihren Rock hoch. So entstanden die ikonischen Standfotos. Monroes damaliger Ehemann, Baseballstar Joe DiMaggio (1914–1999), war «not amused». Und die Szenen mussten nachgedreht werden, weil Schaulustige den Ton massakrierten. Der Film wird oft gerühmt, weil kein Sex zu sehen ist, obschon er dauernd Thema ist. Wilder hätte gerne mehr gezeigt, doch stoppte ihn die Zensur.
3 von 6
«Manche mögen's heiss» von 1959
Als Ukulele-Spielerin Sugar Kowalczyk wirkt Monroe bis heute viel frischer als in «Das verflixte 7. Jahr». Zu verdanken ist dies massgeblich den genialen Dialogen von I. A. L. Diamond (1920–1988), der Wilder zuvor fehlte. Mit stupender Leichtigkeit spielt sie Jack Lemmon (1925–2001) und Tony Curtis (1925–2010) an die Wand. Curtis maulte später, Monroe zu küssen, sei «wie das Küssen von Hitler» gewesen. Endlich wurde sie dank einer Zehn-Prozent-Gewinnbeteiligung auch angemessen honoriert.
5 von 6
«Misfits – Nicht gesellschaftsfähig», 1961
Spät gelang Marilyn Monroe mit einer reifen Figur als Tänzerin Roslyn Taber der Wechsel ins ernste Fach. Verantwortlich für ihre allerbeste Schauspielleistung war das Drehbuch ihres damaligen Manns Arthur Miller, wobei die Ehe – als zusätzliches und reales Drama hinter den Kulissen – während der Aufnahmen zerbrach. Monroe war zur Verzweiflung von Regisseur John Huston (1906–1987) aufgrund ihrer Tablettensucht nun kaum mehr zu führen, was den Film ironischerweise noch glaubwürdiger macht.
6 von 6
Skala: Von 1 wie «Ab ins Archiv» bis 6 wie «Immer noch Spitzenklasse»