Darum gehts
- Leni Klum (22) lanciert eigene Dirndl-Linie mit Sportalm in Tirol
- Kritik an wenig originellem Design und fehlender bayerischer Tradition
- Stylist Heller: Kollektion wirkt langweilig, bereits «7000-mal» gesehen
Ihr erstes Mal am Münchner Oktoberfest feierte Model Leni Klum (22) vor zwei Jahren. Letztes Jahr war sie wieder an der «O'zapft is»-Sause – ihre Outfits: hautenge Lederhose und ein altrosa Satin-Dirndl. Zur neuen Saison legt das Model nach und lanciert gemeinsam mit dem Tiroler Traditionshaus Sportalm seine allererste eigene Dirndl-Linie. Die Ansage: «Tracht neu gedacht», verpackt in gedeckten Tönen, feinen Stoffen und minimalistischem Design.
In den sozialen Medien sorgt der Coup allerdings für gespaltene Reaktionen: Weil das kommende Oktoberfest erst ihr drittes überhaupt sein wird, fragen sich viele User, ob die Tochter von Model-Ikone Heidi Klum (53) die bayerische Kultur nach so kurzer Zeit überhaupt gut genug kennt, um eigene Trachten zu entwerfen.
Erfolg im Business, Flaute beim Design
Während die Münchner TV-Moderatorin Verena Kerth (45) den Hype gewohnt locker nimmt, schwingt auch ein kleiner Lokalpatriotismus mit: «Ich liebe es, wenn Dirndl überall gefeiert und neu interpretiert werden. Aber als Münchnerin denke ich mir schon mit einem Augenzwinkern: Den Design-Elfmeter vor dem eigenen Tor hätten wir eigentlich verwandeln müssen.»
Hält der Entwurf überhaupt, was der grosse Name verspricht? Modeexperte Alf Heller (50) findet im Gespräch mit Blick deutliche Worte für den Promi-Coup.
«Respekt vor dem Mädchen»
Auf geschäftlicher Ebene verdient der Deal für den Experten zwar Anerkennung: «Respekt vor dem Mädchen, wie erfolgreich sie in dieser Welt unterwegs ist und sich neue Werbedeals holt. Ja, das Mami macht da einen sehr, sehr guten Erziehungsjob.»
Beim Blick auf die Kleider schlägt die anfängliche Bewunderung jedoch schnell in Ernüchterung um. «Ich finde die Kollektion zwar ästhetisch schön, aber derart langweilig, dass sie für mich wirklich nichtssagend ist», urteilt Heller streng. Ein minimalistisches, blau-weiss kariertes Dirndl locke heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor: «Das haben wir alle schon 7000-mal gesehen. Ich hätte da ehrlich gesagt etwas mehr erwartet.»
«Tracht ist eigentlich etwas Fröhliches»
Noch schwerer wiegt für den Stilkenner allerdings die visuelle Umsetzung der Kampagne. Eine Tracht lebe in Bayern und Österreich schliesslich von Stolz, Lebensfreude und Tradition. Attribute, die Heller auf den Kampagnenbildern komplett vermisst.
«Tracht ist eigentlich etwas Fröhliches – und sie sieht auf diesen Werbebildern mehr wie ein Opfer aus. Nichts von Fröhlichkeit, nichts von schönen Alpen, nichts von Festlaune», bemängelt er. «Ich finde sie so ein herziges Mädchen, aber sie hat auf den Bildern schlicht keine Ausstrahlung.»