Jannis Niewöhner spielt in «Allegro Pastell» die Hauptrolle
«Eigentlich hat man es als Mann ja ziemlich einfach»

Jannis Niewöhner spielt in der Romanverfilmung «Allegro pastell» die Rolle des Jerome. Das Thema: moderne Beziehungsmodelle und echte Nähe im Zeitalter von Whatsapp. Mit Blick spricht er über seine eigenen Erfahrungen – und ob es gerade schwer ist, ein Mann zu sein.
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Jannis Niewöhner spielt in seinem neuen Film «Allegro Pastell» die Rolle des Jerome.
Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jannis Niewöhner spielt in der Buchverfilmung «Allegro Pastell» mit
  • Film thematisiert Fernbeziehung und moderne Beziehungskonzepte der Millennials
  • Kinostart: 16. April 2026, Buch erschien erstmals 2020
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Silja AndersRedaktorin People

Jannis Niewöhner (34) gehört zu den aktuell erfolgreichsten Schauspielern Deutschlands. Mit Filmen wie «Hagen – Im Tal der Nibelungen», der Reihe «Rubinrot» und «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» machte er sich im deutschen Filmgeschäft einen Namen.

Nun spielt der Deutsche in der Romanverfilmung zum gleichnamigen Buch «Allegro Pastell» mit. Das Buch von Leif Randt, welches 2020 erschien, schlug mit seinem zum Teil verstörenden Generationenporträt der Millennials hohe Wellen und sorgte für Diskussionsstoff. Es geht um den jungen Jerome Daimler – im Film nun verkörpert von Jannis Niewöhner –, der sich in Tanja Arnheim verliebt. Der Haken: Die beiden wohnen etliche Hundert Kilometer voneinander entfernt und führen eine Fernbeziehung. Das klappt eine Weile ganz gut – bis es nicht mehr funktioniert. Zu gross sind die Versuchungen, zu anstrengend die Kommunikation, wenn sie sich dann mal gegenüber sitzen. 

Blick sprach mit dem Schauspieler über seine Rolle, moderne Beziehungskonzepte und die Herausforderung einer Buchverfilmung.

Blick: Herr Niewöhner, wie viel von Jerome haben Sie in sich selbst wiedererkannt?
Jannis Niewöhner: Ich stellte fest, dass durch Jeromes Verhalten und Lebensumstände auch ein Teil von mir selbst angesprochen wird. Ich komme selbst ein Stück weit aus einer vergleichbaren privilegierten Bubble. Dadurch ist man fast ein bisschen unangenehm berührt, denn Jerome sammelt nicht unbedingt Sympathiepunkte. Die Figur ist durchaus eine extreme Ausführung von gewissen Zügen, die ich von mir selbst oder auch von anderen kenne.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Auch ich kenne diese Phase, wenn man von seinen Zwanzigern in seine Dreissiger kommt und nach mehr Ausgeglichenheit sucht – ebenso wie Jerome.

Wo unterscheiden Sie sich von Jerome?
Ich habe einen anderen Anspruch an mich, mein Leben und meine Arbeit. Ich versuche, mich bewusst vom Leben überraschen zu lassen. Zwar suche ich diese Ausgeglichenheit, will mich aber weiterhin trauen, nicht alles vorauszuplanen und flexibel zu bleiben. Im Gegensatz zu Jerome bleibe ich hoffentlich weniger in meiner Komfortzone, sondern suche das Unbekannte und das Risiko.

Das ist Jannis Niewöhner

Jannis Niewöhner wurde am 30. März 1992 im deutschen Krefeld geboren. Er gehört zu den profiliertesten und wandlungsfähigsten Schauspielern seiner Generation im deutschsprachigen Raum. Seinen grossen Durchbruch feierte er als Gideon de Villiers in der populären Fantasy-Verfilmung der «Edelstein»-Trilogie, bevor er sich mit anspruchsvollen Rollen in Dramen wie «Narziss und Goldmund» oder «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» als Charakterdarsteller etablierte. Für sein beeindruckendes Spiel wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als European Shooting Star bei der Berlinale und mit dem Bayerischen Filmpreis. Heute ist er sowohl in grossen Kinoproduktionen als auch in internationalen Streaming-Serien ein gefragtes Gesicht der Branche.

zVg/Valeria Mitelmann

Jannis Niewöhner wurde am 30. März 1992 im deutschen Krefeld geboren. Er gehört zu den profiliertesten und wandlungsfähigsten Schauspielern seiner Generation im deutschsprachigen Raum. Seinen grossen Durchbruch feierte er als Gideon de Villiers in der populären Fantasy-Verfilmung der «Edelstein»-Trilogie, bevor er sich mit anspruchsvollen Rollen in Dramen wie «Narziss und Goldmund» oder «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» als Charakterdarsteller etablierte. Für sein beeindruckendes Spiel wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als European Shooting Star bei der Berlinale und mit dem Bayerischen Filmpreis. Heute ist er sowohl in grossen Kinoproduktionen als auch in internationalen Streaming-Serien ein gefragtes Gesicht der Branche.

Im Film funktioniert die Distanz zwischen Tanja und Jerome lange besser als die echte Nähe, wenn sie zusammen sind. Warum fällt es Menschen heutzutage leichter, sich per Textnachricht zu öffnen als im persönlichen Kontakt?
Durch Social Media haben wir gelernt, uns ideal zu inszenieren, und streben dadurch auch im echten Leben nach Perfektion. Dieser Anspruch kann sich natürlich auch auf die eigene Beziehung übertragen. Man hat genaue Vorstellungen davon, wie etwas zu funktionieren hat, wie es aussehen soll und wie es sich anfühlen muss.

Ist Streben nach Perfektion denn so falsch?
Das Streben nach Perfektionismus und der damit verbundenen Selbstinszenierung kann einen einfach überfordern. Und dieses Überfordertsein von starken Gefühlen kann zum Beispiel ein Grund dafür sein, dass man Nähe übers Schreiben sucht.

Das müssen Sie uns erklären.
Über den Schriftverkehr kann man länger über das nachdenken, was man sagen möchte, und die Aussagen dann noch polieren. Man hat den Anspruch, dass alles schön angenehm ist. Diesen Anspruch bringt man schliesslich auch mit in eine Beziehung. Er lässt sich aber nur erfüllen, wenn man eine gewisse Distanz einhält. 

Was stellt so eine Distanz mit einer Beziehung an?
Sie bedeutet, dass man sich nie ganz begegnet und man sich nie ganz angreifbar macht. Ich nenne das immer Sicherheitsabstand. Das regt mich auch an den Figuren im Buch und Film auf, dass sie im Leben und in der Beziehung immer diesen Sicherheitsabstand aufrechterhalten.

Ein Thema von «Allegro Pastell» sind auch die unterschiedlichen Beziehungsmodelle. Vor allem die Monogamie wird heute von vielen als überholt angesehen …
Natürlich gibt es Menschen, denen eine offene Beziehung besser tut als eine rein monogame. Doch genauso trifft auch der umgekehrte Fall zu. Viele von uns kommen einfach aus einer privilegierten Welt mit einer Masse an Möglichkeiten. Da kann man schnell überfordert sein und das Gefühl haben, alles ausprobieren zu müssen, einfach, weil man kann. Ich glaube, das kann einer von vielen Gründen sein, dass viele Menschen das Bedürfnis haben, sich nicht festlegen zu wollen.

Sie sagen also: Wer liebt, der leidet.
Der Leidensweg ist letztlich immer da. Das Leiden gehört zum Leben dazu, egal, ob man ständig wechselnde Partner oder immer den gleichen Partner oder die gleiche Partnerin hat.

Im Film geht es um Rollenbilder – auch um männliche. Ist es momentan gerade besonders schwer, ein Mann zu sein?
Eigentlich hat man es als Mann ja von sich aus in vielen Bereichen ziemlich einfach. Aber die Frage, wie das männliche System zu sein hat, überfordert viele. Auch weil, glaube ich, allen mehr oder weniger klar ist, dass es sich ändern muss. Ausserdem gibt es Gegenbewegungen wie die Manosphere (Anmerkung: ein loses, überwiegend antifeministisches System), die sich dadurch direkt angegriffen fühlen, anstatt die Möglichkeit für Weiterentwicklung zu sehen. Ich glaube, wir befinden uns derzeit in einer Übergangsphase, die keine leichte ist.

Wie meinen Sie das?
Vieles fängt, glaube ich, schon in der Kindheit an und bei einem Mann auch mit dem Vater, ob der anwesend war oder nicht und wie er war. Es wäre doch so viel einfacher, wenn man nicht darüber nachdenken müsste, ein bestimmtes Männlichkeitsbild erfüllen zu müssen und sich stattdessen auf eine Form der Mitmenschlichkeit und der Menschlichkeit einigen könnte.

Hat Social Media den heutigen Blick auf Liebe verändert?
Durch die sozialen Medien wird die jüngere Generation von heute immer wieder mit einem angeblich perfekten Bild von einem perfekten Moment konfrontiert. Dadurch kommt es in der echten Welt schnell zu Irritation und Missverständnissen. Man sieht Liebe nur in zehnsekündigen Reels oder einzelnen Fotos und bildet sich so seine Meinung darüber, wie Liebe zu sein hat. Social Media ist ein machtvolles Instrument, für das man allerdings klare Regeln braucht, um es als Tool zu nutzen und sich nicht davon benutzen zu lassen.

Und wie haben Sie lieben gelernt?
Mein eigenes Bild von Liebe wurde durch Filme, Geschichten und Bücher geprägt. Und durch mein eigenes Leben natürlich. Sich mit drei oder vier Figuren auseinanderzusetzen und diese dann mit sich selbst abzugleichen, empfinde ich als viel gesünderen Weg. Das ist das Besondere an der Kunst. Sie kann einem helfen, sich selbst besser kennenzulernen und immer wieder neu zu definieren, wie man sein will und wie nicht.

Was haben Jerome und Tanja falsch gemacht?
Ich würde sagen, ihre Beziehung hat die von mir als gesund betrachtete Form der Freiheit einer Beziehung bei Weitem überschritten. Es ist doch wichtig, sich zu begegnen, sich angreifbar zu machen und auch schwierige Situationen zuzulassen, anstatt sie von sich fernzuhalten. Lässt man diese Nähe zu, verbindet das im Endeffekt nur noch mehr.

«Allegro Pastell» läuft ab dem 16. April im Kino. 

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