Darum gehts
- Emily Brontës «Wuthering Heights» wird von Emerald Fennell neu verfilmt
- Die Adaption fokussiert auf obsessive Liebe, streicht Heathcliffs Rachefeldzug
- Originalroman wurde 20-mal verfilmt, Brontë starb 1848 mit 30 Jahren
Sie schrieb nur einen einzigen Roman, aber der hat es in sich: Die Engländerin Emily Brontë (1818–1848) landete mit «Wuthering Heights» ein One-Hit-Wonder. Allerdings schicksalsbedingt: Sie starb ein Jahr nach der Veröffentlichung mit erst dreissig an einer Lungenentzündung.
Das Buch, das als wuchtiger Klassiker des viktorianischen Zeitalters gilt, erzählt von einer tragischen Liebesbeziehung. Ein Monster-Melodrama voller stürmischer Leidenschaft, brodelnder Naturmystik und Rache aus verletztem Stolz.
Zum zwanzigsten Mal verfilmt
Die Pfarrerstochter publizierte den Roman unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell, um bessere Chancen zu haben. Und sie war ihrer Zeit voraus, zerzaust sie doch die steif-geschwätzige Standesromantik von Vorgängerin Jane Austen. 20-mal wurde «Wuthering Heights» verfilmt. Nun kommt eine neue Adaption von Emerald Fennell, die wie schon in «Saltburn» (2023) genüsslich die triebhaften Aspekte herausstreicht.
Es ist die Geschichte von Catherine (Margot Robbie), die im Gutshof Wuthering Heights im Hochmoor von Yorkshire aufwächst. Ihr cholerischer Vater, nach dem Tod seiner Frau zum Säufer geworden, nimmt ein Findelkind auf, den Bub Heathcliff (Jacob Elordi). Catherine ist fasziniert von dessen wilder Art.
Obsessive Liebe
Daraus entwickelt sich weit mehr als stiefgeschwisterliche Vertrautheit, doch Catherine fände eine Heirat mit dem armen Knecht unstandesgemäss. Um den heruntergewirtschafteten Gutshof zu retten, heiratet sie den reichen Nachbarn Linton. Zutiefst verletzt, nimmt Heathcliff Reissaus. Jahre später kehrt er wohlhabend zurück und findet eine unglückliche Catherine vor, die ihn immer noch liebt – und schwanger ist. Die 40-jährige Britin Fennell reduziert den Roman auf die obsessive Liebe zwischen Catherine und Heathcliff und lässt den langen Roman-Teil mit Heathcliffs Rachefeldzug weg.
Das ist konsequent, hat sie doch das Vergeltungsthema schon in ihrem provokativen MeToo-Film «Promising Young Woman» ausgereizt. Der Fokus liegt auf Catherine. Bildstark gedreht in der windgepeitschten Moorlandschaft von Yorkshire, zeichnet Fennell eine unglückliche Liebe nach, die wegen Standesdünkel, Kränkung und Sturheit tragisch enden muss. Dabei setzt sie auf erotisch aufgeladene, metaphorische Szenen und pikante Details, etwa den Tick des Liebespaars, sich Eier unter die Bettdecke zu legen. Das Melodrama punktet mit einer starken Chemie von Margot Robbie («Barbie») und Jacob Elordi («Priscilla»).