Darum gehts
- Kristina Vogel feiert am 26. Juni ihren «Happy Life Day»
- Fotoshooting betont Weiblichkeit, bricht Tabus zur Sexualität von Menschen mit Behinderung
- 2018 Unfall: Querschnittslähmung, heute Selbstakzeptanz und Stärke, sie ist 35 Jahre alt
2018 erlitt Kristina Vogel (35) einen schweren Trainingsunfall, seitdem ist die Bahnradsportlerin querschnittgelähmt. Am 26. Juni jährt sich der Vorfall zum achten Mal. Statt das Datum zum Trauertag zu deklarieren, spricht Vogel vom «Happy Life Day», wie sie im Interview mit «Bunte» verrät.
Die zweifache Olympiasiegerin lässt sich von der Beeinträchtigung nämlich nicht die Lebensfreude rauben, in keiner Hinsicht. Den achten Jahrestag ihres Unfalls nimmt sie zum Anlass, sich in einem Fotoshooting ablichten zu lassen, das bewusst ihre Weiblichkeit betont – und ihre Sexualität. Damit will die Sportlerin ein Zeichen setzen: «Sexualität wird mir als behindertem Menschen aberkannt. Dabei sieht sie bei mir nur anders aus», so Vogel. «Ich will nicht als Mensch mit Behinderung, sondern als Frau gesehen werden.»
«Dachte einfach: Egal, ich ziehe das jetzt durch»
Die Bilder, die «Bunte» am 25. Juni veröffentlicht, sollen zum Ausdruck bringen, dass eine Behinderung und Attraktivität nicht miteinander im Widerspruch stehen. Vogel plädiert für mehr Sichtbarkeit und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung.
Die 35-Jährige sei sich laut t-online beim Fotoshooting zunächst etwas komisch vorgekommen: «Aber ich dachte einfach: Egal, ich ziehe das jetzt durch. Die Nacktheit war dann auch am Set schnell vergessen.» Auf den Bildern trage sie einen offenen Blazer mit nichts darunter. Während des Shootings habe sie sich stark gefühlt, «als wollte ich die Weltherrschaft an mich reissen».
Einen Umgang mit ihren körperlichen Veränderungen zu finden, sei ein Prozess gewesen: «Vor dem Unfall war ich eine stehende Frau, hatte einen Sixpack, mein Ober- und Unterkörper waren sehr definiert. Durch die Querschnittslähmung werde ich nie wieder so einen Sixpack haben. Stattdessen habe ich jetzt einen kleinen Sitzbauch. Jeder verändert sich. Es brauchte Jahre, meinen Körper neu kennen- und lieben zu lernen.»
«Ich darf sexy und selbstbewusst sein»
Anders als für Vogel selbst sei die Sexualität von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft weiterhin ein Tabuthema. «Haben Sie jemals ein behindertes Unterwäschemodel gesehen? Vermutlich eher nicht.» Sexualität würde man Menschen mit Behinderung aberkennen. Vogel aber wolle «als Frau» gesehen werden: «Ich darf sexy, selbstbewusst, weich und verletzlich sein.»
Andere Menschen mit Behinderung wolle sie ermutigen, sich auch selbstbewusst zu zeigen. «Sexyness hängt nicht davon ab, ob eine Narbe gross oder klein ist. Wenn ich meine Narben betrachte, sehe ich, was ich geschafft habe und wie stark ich bin. Und das ist das Schönste, was man haben kann.»