Darum gehts
- Tradwife-Influencer preisen «sanftes Leben», Moderatorin Ullmann warnt vor Abhängigkeit
- Ullmann kritisiert: Viele Influencerinnen sind Unternehmerinnen hinter traditioneller Fassade
- Traditionelle Rollen können Frauen in finanzielle und soziale Abhängigkeit führen
Sie predigen vom häuslichen Leben, von Heim und Herd, davon, dass der Mann das Geld verdienen soll, während die Frau zu Hause kocht und die Kinder hütet – und nebenbei nehmen sie durch Werbung und Co. Millionen ein.
Die Rede ist von den sogenannten Tradwives, die ihren weiblichen Followern in den sozialen Medien seit Jahren den Traum von einem sorglosen Leben verkaufen. Dafür müssten sie sich nur an traditionell-konservativen Geschlechterrollen orientieren.
Angesichts dieses stetig wachsenden Social-Media-Trends sah sich TV-Moderatorin Janin Ullmann (44) nun in der Pflicht, auf Instagram einmal Klartext zu sprechen. Ullmann warnt ihre Follower vor dieser Bewegung, bei der feministische Errungenschaften und der Kampf für die Gleichberechtigung auf der Strecke bleiben. Man solle der «Romantik der Abhängigkeit» keinen Glauben schenken.
«Sie sind gar keine Hausfrauen»
«Kennst du die Tradwives? Perfekte Kleider, Sauerteigbrot, glückliche Kinder», beginnt Ullmann ihren Post. «Ihre Botschaft: Gib die Verantwortung ab. Er verdient. Du kümmerst dich ums Zuhause.» Tradwife ist die Kurzform für «traditional wife», also «traditionelle (Ehe-)Frau». Damit bezeichnet man eine Frau, die sich bewusst für eine ultra-konservative, traditionelle Rollenverteilung in der Ehe entscheidet.
In den sozialen Netzwerken findet man zahlreiche Accounts solcher Influencerinnen, die mit der Vorstellung eines unkomplizierten Lebens mit klaren Strukturen, abseits des komplexen Weltgeschehens, Millionen begeistern.
«Sie verkaufen das ‹Soft Life›. Eine Flucht aus dem Hamsterrad», erklärt Ullmann weiter. Das «sanfte Leben», das online von vielen angestrebt wird, widersteht der kapitalistischen Arbeitslogik und priorisiert ein ruhiges Leben in der eigenen kleinen Welt. «Aber hier ist das Geheimnis, über das keine spricht: Die erfolgreichsten Tradwives sind gar keine Hausfrauen. Sie sind knallharte Unternehmerinnen.»
«Ein Mann ist keine Altersvorsorge»
Ullmann verweist auf die Tatsache, dass Tradwife-Influencerinnen mit ihren Posts etwa durch Werbeeinnahmen und Affiliate-Links mitunter sehr viel Geld verdienen; sie seien also alles andere als finanziell abhängig. Ihren weiblichen Followern würden sie jedoch suggerieren, dass ein Leben in der Abhängigkeit von einem Mann sie glücklich machen würde.
«Lebe, wie du willst. Aber fall nicht auf die Show rein», warnt Ullmann. Frauen sollen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen: «Ein Mann ist keine Altersvorsorge.»
Von ihren Followern wird Ullmann für den Post gefeiert. «Einer der besten Beiträge, die ich darüber gelesen habe. Danke!», applaudiert eine Userin. «So wichtig! Meine Schülerinnen im Teenager-Alter, die solche Modelle auch teilweise sehr attraktiv finden, kläre ich auch regelmässig darüber auf», schreibt eine Lehrerin. Auch andere loben: «Sehr gut, dass du darüber schreibst. So wichtig, dass man darüber aufklärt!»