Darum gehts
- Ein verrostetes Werbeschild aus 1919–1921 begeistert bei «Bares für Rares»
- Experten schätzen den Wert des Schilds auf bis zu 1000 Euro
- Verkäufer erzielt 550 Euro, spendet den Betrag an Kinderhilfsorganisation
An dem alten Werbeschild fällt «Bares für Rares»-Moderator Horst Lichter (64) zuerst vor allem der Rost auf. «Einmal nix», schätzt Lichter scherzhaft den Wert des Schilds, als Experte Detlev Kümmel ihm dessen verwitterte Rückseite zeigt.
Mit dem bunten Frosch-Motiv auf der Vorderseite kann sich Lichter dann doch noch anfreunden. Als er hört, wie viel der Verkäufer für das Schild bekommen soll, fällt der 64-Jährige jedoch aus allen Wolken.
«Es ist eine Rarität»
Verkäufer Marcus Düren hat das Frosch-Schild vor 35 Jahren bei der Übernahme eines Orthopädie-Betriebs gefunden. Es handelt sich um ein emailliertes Schild der Firma Werner & Mertz mit Sitz in Mainz (D). Diese hat 1901 die Schuhcreme-Marke Erdal eingeführt, die auf dem Schild beworben wird. Der rot-blaue Frosch, der auf Dürens Trödel-Schatz zu sehen ist, wurde später zum Markenzeichen.
«Das Motiv ist sehr schön», stellt Lichter fest. Doch einen grossen Gewinn für den Verkäufer scheint er zunächst nicht zu erwarten – zu auffällig der abgeplatzte Lack und die verrosteten Stellen.
Doch Experte Kümmel zeigt den Wert des Schilds nach und nach auf. Er datiert es auf die Jahre zwischen 1919 und 1921. «Über hundert Jahre alt», merkt Lichter ehrfürchtig an. Das Schild habe «den Krieg überstanden». Kümmel betont: Emailleschilder dieser Art seien sehr begehrt, aus der besagten Zeitperiode sowieso. «Es ist eine Rarität», fügt Verkäufer Düren hinzu.
Lichter kann es nicht fassen
Düren verrät seinen Wunschpreis: «Ja ... 500 Euro wären toll.». Immerhin ist das historische Werbeschild selten und schön anzusehen. Doch dann die grosse Überraschung: Der Schätzwert der Expertise übersteigt Dürens Hoffnung – und Lichters Erwartung – bei Weitem. «Zwischen 800 und 1000 Euro sind möglich», sagt der Profi zuversichtlich. 1000 Euro sind umgerechnet etwa 922 Schweizer Franken. Dürens Wunschpreis hat sich also verdoppelt.
Lichter kann es nicht fassen – niemals hätte er mit einem Schätzpreis dieser Grössenordnung für das verrostete Schild gerechnet. «Da wollen wir gar nicht drüber diskutieren. Du marschierst sofort rüber», weist er Düren, noch immer völlig perplex, an. Denn: Die Schätzung der Expertise ist das eine – auf die Gebote der Händler kommt es am Ende an.
Im Händlerraum trifft das Schild auf reges Interesse. Jos van Katwijk (59) hat besonders viel für das Frosch-Motiv übrig. Für den Frosch gab es von ihm sogar einen Kuss – eine Anspielung an den Froschkönig. Am Ende handeln Düren und van Kawijk, der am meisten für das Schild bot, auf Niederländisch miteinander – scheinbar teilen sie die Muttersprache. Schliesslich einigen sie sich auf 550 Euro – das liegt zumindest über Dürens Wunschpreis. Das Geld möchte er an eine Hilfsorganisation für Kinder spenden.