Darum gehts
- Gunther von Hagens starb am 24. Juli 2026 mit 81 Jahren
- Erfinder der Plastination wollte nach dem Tod selbst ein Plastinat werden
- Über 58 Millionen Menschen besuchten bisher seine «Körperwelten»-Ausstellungen
Gunther von Hagens (1945-2026) ist tot. Der Erfinder der Plastination starb bereits am Freitag, 24. Juli, im Alter von 81 Jahren. Seine Familie bestätigte den Tod unter anderem gegenüber der «B.Z.». Öffentlich wurde die Nachricht erst an diesem Montag, 27. Juli.
Einen Tag vor seinem Tod war von Hagens laut der Berliner Zeitung wegen einer Gehirnblutung in eine Heidelberger Klinik eingeliefert worden. Ob diese offiziell als Todesursache festgestellt wurde, ist bislang nicht bekannt. Von Hagens litt seit 2008 an Parkinson, öffentlich machte er die Diagnose zwei Jahre später. In seinem letzten Interview mit Blick im Jahr 2021 wirkte von Hagens körperlich angeschlagen, meinte jedoch, es ginge ihm «den Umständen entsprechend gut». «Auch wenn mir die Parkinson-Erkrankung viele Selbstverständlichkeiten erschwert, wie zum Beispiel das Sprechen», so von Hagens damals. Damit es ihm gut gehe, treibe er Sport, ernähre sich gesund und versuche, zehn Stunden zu schlafen.
Wegen seiner gesundheitlichen Probleme hatte er sich bereits vor einigen Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sich auf seine Forschung konzentriert. Dies soll er gemäss seinem Umfeld bis zuletzt getan haben.
Der letzte Wunsch des Anatomen
Von Hagens wollte nach seinem Tod selbst zum Plastinat werden. Über Jahre hatte er das öffentlich angekündigt, seine Ehefrau Angelina Whalley stimmte nach anfänglichem Zögern zu. «Wir werden diesen Wunsch respektieren und ausführen», zitiert die Boulevardzeitung die Familie. Ob ein Ganzkörperplastinat entsteht oder einzelne Präparate, ob der Körper überhaupt gezeigt wird und an welchem Ort ist bislang ebenso noch nicht bekannt.
Gunther von Hagens wurde 1945 als Gunther Gerhard Liebchen im damals deutschen Alt-Skalden bei Posen (heute Polen) geboren. Den Nachnamen von Hagens übernahm er später von seiner ersten Ehefrau. 1965 begann er ein Medizinstudium in Jena. Nachdem er gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings protestiert und versucht hatte, aus der DDR zu fliehen, wurde er in Cottbus und Jena inhaftiert. 1970 kaufte die Bundesrepublik Deutschland ihn für 40'000 D-Mark frei.
Anschliessend setzte er sein Studium in Heidelberg fort, wo er promovierte. Dort entwickelte er 1977 auch die Plastination – ein Verfahren zur dauerhaften Konservierung biologischer Präparate, wie sein Unternehmen mitteilt. In den 1990er-Jahren gründete er das private Institut für Plastination. Aus wissenschaftlichen Präparaten entstanden später die weltbekannten «Körperwelten»-Ausstellungen, die nach Angaben des Unternehmens inzwischen von mehr als 58 Millionen Menschen besucht wurden.
Streit um Menschenwürde und ein Museum am Alexanderplatz
Seine Ausstellungen sorgten von Beginn an gleichermassen für Faszination wie für Kontroversen. Kritiker warfen ihm vor, mit der Präsentation menschlicher Körper die Menschenwürde zu verletzen. 2015 eröffnete von Hagens am Berliner Alexanderplatz ein Museum mit Plastinaten. Dagegen ging der Bezirk Mitte juristisch vor, da auch konservierte Körper Leichen seien und daher bestattet werden müssten. Erst nach mehreren Gerichtsentscheidungen passte das Museum seine Ausstellung an.
Die Präparate stammen von Körperspendern, die zu Lebzeiten verfügt haben, dass ihr Körper der Wissenschaft zur Verfügung steht. 2017 waren nach Angaben des Instituts für Plastination rund 16'680 Menschen in dem Programm registriert. In Guben führt heute Sohn Rurik von Hagens die Geschäfte der Gubener Plastinate GmbH, dort entstehen auch Tierplastinate, und Besucher können durch eine gläserne Werkstatt bei der Herstellung zusehen.