Mit diesen Hits wurde Bonnie Tyler weltbekannt
1:51
«It's a Heartache» und Co.Mit diesen Hits wurde Bonnie Tyler weltbekannt

Bonnie Tyler stirbt 75-jährig
Das Klassenlager ist endgültig vorbei

Mit «It's a Heartache», «Total Eclipse of the Heart» und «Holding Out for a Hero» gelangen Bonnie Tyler Welthits, die die Jugend der 1970er- und 1980er-Jahre prägten. Auch Francine Jordi und Gölä durften Tyler kennenlernen.
Kommentieren
1/8
Bonnie Tyler vor einem Jahr im Sommer 2025 bei einem Konzert in Spanien. Sie lebte in Portugal und Wales und besass viele Liegenschaften.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bonnie Tyler stirbt am 8. Juli 75-jährig in Portugal an einem Darmleiden
  • Francine Jordi stand mit Tyler 2017 bei ihrer TV-Silvestershow in Graz zusammen auf der Bühne
  • Gölä lud Tyler 2018 zu seinem 20-Jahr-Bühnenjubiläum ins Hallenstadion, wo sie im Duett sangen
RMS_Portrait_AUTOR_720.JPG
Jean-Claude GalliRedaktor People

Bonnie Tyler ist tot. Sie stirbt am 8. Juli 75-jährig in einem Spital im portugiesischen Faro an einem Darmleiden. Seit Mai 2026 hat sie wochenlang im künstlichen Koma gelegen. 

Generationen werden mit ihren Hits gross und erleben dabei entscheidende Dinge wie die Slowtanzrunden im Klassenlager und die ersten Küsse. Ironie der Geschichte: Die Frau, die mit Herzschmerz-Heulern wie «It's a Heartache» oder «Total Eclipse of the Heart» weltberühmt wird, ist über 50 Jahre glücklich mit demselben Mann verheiratet, Robert «Bobby» Sullivan.

Raues Klima, ruppige Umgangsformen

Tyler kommt am 8. Juni 1951 als Gaynor Hopkins im walisischen Dorf Skewen zur Welt. Dass die nähere Umgebung den Menschen charakterlich prägt, sagen bereits die alten Griechen. Sie wächst als Tochter eines Bergarbeiters mit fünf Geschwistern auf und durchläuft die klassische britische Showbiz-Karriere mit ersten Auftritten noch als Minderjährige in Pubs und Trinkhallen.

«Ich kenne die harte Tour», meint sie dazu 2019 in einem Blick-Interview. Sie debütiert als Background-Sängerin, dann gründet sie ihre eigene Band Imagination. Sie verlässt die Schule ohne Abschluss und schlägt sich zuerst als Kassiererin durch.

Die zum rauen Klima und den ruppigen Umgangsformen der Gegend passende Reibeisen-Stimme bekommt sie erst, als sie sich nach einer Stimmband-OP nicht an die ärztlich verordnete Schonfrist hält. «Lost in France» ist 1976 noch vor dem Eingriff ihr erster Hit, mit «It's a Heartache» und dem veränderten Timbre schlägt sie ab 1977 komplett ein und verkauft bis heute über 100 Millionen Tonträger.

Schon zweimal knapp am Tod vorbei

Die 1973 geschlossene Ehe mit Robert Sullivan ist beständig. Daneben mangelt es nicht an Schicksalsschlägen. Nebst der Stimmveränderung – die sich im Nachhinein als Glück entpuppt – erleidet sie 40-jährig eine Fehlgeburt und muss von ihrem Kinderwunsch Abstand nehmen.

Zweimal wäre Tyler beinahe ertrunken – das erste Mal mit neun. «Das hätte mein frühes Ende bedeutet, hätte meine Cousine mich nicht an den Haaren aus dem Wasser gefischt», erzählt sie später. 2011 rutscht sie auf ihrer Yacht aus und fällt ins Meer. «Gott sei Dank, war Robert auf dem Jetski unterwegs und hatte mich gesehen. Er kam sofort, um mir aus dem Wasser zu helfen. Mein Mann hat mir das Leben gerettet.»

Danach lernt Tyler mit 60 noch schwimmen. Passend zu ihrem Lebensmotto, das sie 2019 so formuliert: «Glaube an dich selber. Wenn du nicht an dich selber glaubst, wird das auch keiner sonst tun».

Francine Jordi und Tyler singen «Hey Jude»

Die Berner Schlagersängerin Francine Jordi (49) kommt mit Tyler bei gemeinsamen TV-Shows in Kontakt. «Bonnie war eine grossartige Frau mit Bodenhaftung und Strahlkraft. Trotz ihrer Karriere war sie sehr natürlich und lustig geblieben. Und sie hatte immer noch wahnsinnig Freude an ihrem Job.»

Äusserst gerne erinnert sich Jordi an ihre eigene TV-Silvestershow 2017, aufgezeichnet in der Stadthalle Graz. «Sie verkörperte mit ihren Liedern die Jugend der meisten Leute im Saal. Und als Finale dufte ich mit ihr und ESC-Legende Johnny Logan den Beatles-Klassiker ‹Hey Jude› singen. Das war eine riesige Ehre für mich.»

Was Jordi an Tyler besonders inspirierend findet, ist, dass sie trotz vielen Tiefschlägen nie aufgibt. «Sie setzte sich mit ihren Stimmproblemen auseinander und machte etwas noch viel Grossartigeres daraus. Das ist ein gutes Beispiel, weshalb man auch in einer scheinbar ausweglosen Situation nie aufgeben sollte.»

Und auch, dass sie sich im fortgesetzten Alter noch mit ihrer Angst vor dem Wasser konfrontiert und schwimmen lernt. «Das imponiert mir mehr als jeder Hit. Sich den eigenen Ängsten zu stellen, braucht Mut. Es war für mich auch speziell, dass dieser Auftritt 2017 mit ihr gerade stattfand, nachdem ich meine Chemotherapie beendet hatte. Für mich war es sehr passend, zu diesem Zeitpunkt mit einer so starken Frau auf derselben Bühne stehen zu dürfen.» Für Jordi ist es bis auf Weiteres noch unvorstellbar, dass «diese Stimme nun plötzlich nicht mehr da sein soll».

Gölä und Tyler im Hallenstadion

Knapp ein Jahr später tritt mit Gölä (58) ein zweiter Berner Sänger mit Tyler auf. Als im Dezember 2018 im Hallenstadion Zürich sein 20-Jahr-Bühnenjubiläum gefeiert wird, fragt sein Management im Vorfeld an, ob Tyler als Gast-Act auftreten möchte.

«Wir rechneten uns keine grossen Chancen aus. Doch dann sagte Bonnie völlig überraschend zu. Wir waren natürlich hin und weg. Und das Publikum ist ausgeflippt, als sie plötzlich auf der Bühne stand».

Was folgt, ist Bühnen-Magie. «Und eine Sternstunde für mich», sagt Gölä. Der Berner Oberländer Büezer und die Waliser Sängerin aus einfachen Verhältnissen intonieren im Duett «Holding Out for a Hero». «Ihr hat es wunderbar gefallen bei uns. Sie mag halt einfache Menschen», erinnert sich Gölä.

Im Interview von 2019 bestätigt Tyler Göläs Aussage. «Und wie! Gölä ist ein super Typ. Ich war echt beeindruckt, wie begeistert die Fans waren. Ich habe lange nicht mehr so eine tolle Stimmung erlebt.»

Für einmal Kleidchen und High Heels

Im damaligen Interview erzählt sie auch, worauf sie in ihrer Karriere am meisten stolz ist. «50 Jahre durchgehalten zu haben. Und ebenfalls eine grosse Sache war die Grammy-Nomination 1984. Leider habe ich gegen Michael Jackson verloren. Den Abend werde ich nie vergessen. Auch deshalb, weil es wohl der einzige Anlass meines Lebens war, an dem ich Kleidchen und High Heels trug statt Jeans und Lederjacke.» 

Vor vier Monaten gibt sie in London ihr nunmehr letztes Konzert. Zu einem möglichen Ruhestand sagt sie 2019: «Solange die Stimme hält, mache ich weiter. Ich habe keine Hobbys, ausser zu schlafen. Was soll ich also sonst tun?»

Dafür hat sie jetzt mehr als genug Zeit. Farewell, Bonnie!

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen