Darum gehts
- Nika Roeffen spricht auf Tiktok über ihre jahrelange Zwangsstörung
- Sie litt unter «magischem Denken» und wiederholte Handlungen hunderte Male
- Ein Klinikaufenthalt von einem Jahr rettete ihr Leben
Es ist sichtlich schwierig für die 22-Jährige, offen über das Thema zu sprechen. Sie tut es dennoch. Auf Tiktok erklärt Nika Roeffen ihren knapp 45'000 Followern, wie stark eine Zwangsstörung jahrelang ihr Leben einschränkte.
Die Tochter von RTL-Moderatorin Frauke Ludowig (62) spricht über eine «prägende Zeit» in ihrem Leben, die letztlich sogar zu einem einjährigen Klinikaufenthalt führte.
«Musste alles 200-mal machen»
«Ich habe eine Zwangsstörung, seitdem ich 14 bin», so Roeffen. Mit ungefähr 18 Jahren sei es besonders schlimm geworden. Roeffen betont, dass eine Zwangsstörung – auf Englisch kurz «OCD» – nicht unbedingt etwas mit Sauberkeit oder Ordnungszwang zu tun hat. «Zwangsstörungen sind breitgefächert», stellt Roeffen klar.
Sie selbst habe ein sogenanntes «magisches Denken». Der Begriff wird in der Psychologie verwendet, wenn eine Person annimmt, dass ihre Gedanken Einfluss auf reale Ereignisse haben. «Ich verbinde Dinge, die ich tue, mit einem Angstgedanken und denke dann, dass das passiert.»
Das gehe so weit, dass sie Dinge manchmal mehrere Hundert Mal wiederholen müsse, bis sie keinen schlechten Gedanken mehr im Kopf habe. «Ob ich die Treppen hochgehe und einzelne Stufen auslassen muss, ob ich schlucke ... als es richtig schlimm war, konnte ich nichts mehr machen, ohne alles 200-mal zu machen.»
«Macht einem lebensmüde Gedanken»
Manchmal habe sie drei, vier Stunden gebraucht, bis sie essen konnte, oder sie «musste auf der Treppe schlafen», weil sie es nicht mehr die Stufen hoch ins Bett schaffte. Die Zwangsstörung sei das Schlimmste, was ihr jemals passiert ist.
«Es macht einem Depressionen, es macht einem lebensmüde Gedanken», erklärt sie. Ein Jahr musste Roeffen in einer Einrichtung für mentale Gesundheit verbringen. Es sei eine prägende Zeit gewesen, für die sie dankbar ist und «die wirklich mein Leben gerettet hat», so Roeffen.
«Ich wüsste nicht, ob ich jetzt noch hier wäre, wäre ich nicht in die Klinik gegangen.» Heute habe sie einen guten Umgang mit ihren Symptomen gefunden und fühle sich nicht mehr so «aufgeschmissen».
In den sozialen Medien erhält Roeffen viel Zuspruch für ihren Mut, ihre Geschichte zu teilen. Allerdings mischen sich unter die Kommentare auch Kritiker, die ihr unterstellen, sie würde sich die Krankheit nur andichten. Darauf findet Roeffen eine klare Antwort. «An alle, die strugglen: Lasst euch von solchen Kommentaren nichts sagen. OCD awareness is suicide prevention», also zu Deutsch: «Mehr Bewusstsein über Zwangsstörungen verhindert Suizide.»