Darum gehts
«Inakzeptable Äusserungen» nennt es Lauryn Reuber, die Geschäftsführerin von GC Frauenfussball. Es geht um Vorfälle in den Nachwuchsteams, die so gravierend waren, dass sich Eltern und Klubfunktionäre bei der Vereinsleitung beschwerten. Junge Spielerinnen wurden im Training blossgestellt, wenn sie einen Fehlpass gaben, an Elternabenden und während Spielen fielen unangemessene Sprüche über ihr Aussehen, und der ruppige Umgang mit den Fussballerinnen missfiel Beobachtern.
Der Klub beauftragte deshalb vor einem Jahr eine externe Firma – spezialisiert auf die Unterstützung von Sportvereinen «in allen Belangen neben dem Feld» – mit einer Untersuchung der Verfehlungen. Spielerinnen, Eltern und Vereinsangestellte beteiligten sich und schilderten über ein Dutzend Fälle, wie aus Elternkreisen zu vernehmen ist. Ohne dass der Klub wusste, wer sich an den Befragungen beteiligte, nahmen Betroffene an der Untersuchung teil. Einige, denen die Gelegenheit geboten wurde, lehnten es ab, ihre schlechten Erlebnisse zu erzählen.
«Konsequent» gehandelt
Gemäss gut informierten Quellen kamen gravierende Vorkommnisse zur Sprache – die Folgen hatten: GC Frauenfussball habe sich nach der Untersuchung von zwei Mitarbeitenden getrennt, wie Geschäftsführerin Reuber bestätigt. Dass die Vorwürfe extern abgeklärt worden seien und der Klub aus dem Bericht Sanktionen abgeleitet habe, zeige «deutlich, dass GC Frauenfussball Vorkommnisse ernst nimmt und bei Bedarf konsequent handelt».
Nicht klar ist aber, was der Untersuchungsbericht festhält und welches Fazit er zieht. Der Inhalt wurde nie publik. Auch jetzt ist nichts darüber zu erfahren. Lauryn Reuber verweist auf den Persönlichkeitsschutz und gibt an, dass der Klub als Lehre aus den Vorkommnissen im vergangenen Sommer eine anonyme Meldestelle eingerichtet habe.
Wenig Transparenz
Die angeblichen Verfehlungen, die Eltern, Spielerinnen und Funktionäre in der Untersuchung vorbrachten, betrafen Klub-Angestellte. Neben anderen auch Erich Vogel (87), der damals Sportchef war und im Frühling 2025 zurücktrat. Inzwischen kehrte Vogel als Mitglied der Sportkommission zu GC Frauenfussball zurück.
Als SonntagsBlick vor einer Woche von Vorwürfen gegen Vogel und Heinz Spross (78) berichtete – Spross ist Präsident der GC-Fussballerinnen –, kam die abgeschlossene externe Untersuchung nicht zur Sprache. Geschäftsleitung und Vorstand des Klubs hatten diese Vorgeschichte nicht erwähnt und eine neue unabhängige Untersuchung in Aussicht gestellt. Zudem werde Swiss Sport Integrity – die Stelle bekämpft Verstösse und Missbräuche im Sport – über die Vorwürfe informiert, hielt der Klub da lediglich fest.
In den Befragungen vom März 2025 sollen sich teilnehmende Eltern und Spielerinnen unter anderem darüber beklagt haben, dass sich Vogel – damals Sportchef – an Elternabenden, einem Sponsorenanlass und während Spielen unangemessen zum Aussehen von einzelnen Fussballerinnen und ihren sportlichen Fähigkeiten geäussert habe.
Herzblut für den Frauenfussball
Erich Vogel bestreitet dies vehement. Er schreibt SonntagsBlick, die ihm unterstellten Aussagen nie gemacht zu haben. «Ich respektiere Frauen zutiefst, und ich lasse mich nicht in eine frauenfeindliche Schublade stecken.» Er habe sich stets professionell verhalten, und es sei nie zu den unterstellten Grenzüberschreitungen gekommen.
An Elternabenden habe er teilgenommen, weil ihn die Nachwuchschefin eingeladen habe. Er habe einige Worte an die Anwesenden gerichtet, was seines Wissens gut angekommen sei, betont Vogel. Er setze sich seit Jahren mit viel Herzblut und Leidenschaft für den Frauenfussball ein. Zudem habe er Spenden im hohen sechsstelligen Bereich zu dessen Förderung und Professionalisierung bezahlt.
Vorne dabei
Die GC-Fussballerinnen liegen in der laufenden Meisterschaft im Verfolgerfeld von Leader Servette, der Verein hat sich an der Spitze etabliert. Umso störender sind die Unruhe und die vielen personellen Wechsel, gerade im Nachwuchssektor. Neben der Entlassung der beiden Mitarbeitenden gibt auch zu reden, dass der Nachwuchschef bei GC Frauenfussball vom Stadtrivalen FCZ, einem seiner früheren Arbeitgeber, mit einem Stadionverbot für die Heimspiele von dessen Frauenteam belegt wurde. Ursache war, dass er sich gegenüber einer einstigen Arbeitskollegin ungebührlich verhalten hatte.
Mit der neuen externen Untersuchung wolle GC Frauenfussball «lückenlose und transparente Aufklärung» aller im Raum stehenden Vorwürfe, betont Geschäftsführerin Lauryn Reuber.