Ginge es nach dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV), sollten die über 50-Jährigen ihre Pensen erhöhen. Mit der Debatte um die sogenannte «Lifestyle-Teilzeit» greift der SAV ein Thema auf, das seit Anfang Jahr bereits in Deutschland diskutiert wird. Dort fordern Teile der CDU sogar die Abschaffung des Rechts auf Teilzeitarbeit.
Der SAV kritisiert, dass Teilzeit ab 50 weit verbreitet ist. Das schade der Wirtschaft. Dem Staat und den Sozialversicherungen entgingen Milliarden. Das «Lifestyle» soll also suggerieren: Dass die Ü50-Teilzeitler nicht mehr arbeiten, obwohl sie könnten, ist unsolidarisch.
Diese Debatte greift jedoch aus mehreren Gründen zu kurz.
So zeigt etwa eine Analyse des Bundesamts für Sozialversicherungen: Die Erwerbsbeteiligung ist seit 1991 gestiegen, ebenso der durchschnittliche Beschäftigungsgrad. Die Zahl der Vollzeitler blieb in den letzten 15 Jahren stabil, gleichzeitig sind mehr Menschen – vor allem Frauen – dank Teilzeit in den Arbeitsmarkt eingestiegen. Für die AHV ist entscheidend, dass insgesamt mehr gearbeitet wird. Das ist der Fall.
Die Debatte blendet zudem aus, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in der Schweiz zu den höchsten Europas gehört. Gleichzeitig sind viele Berufe durch Leistungsdruck und permanente Erreichbarkeit intensiver und psychisch belastender geworden.
Teilzeitarbeit ist deshalb womöglich eine Form der Burnoutprävention. Oder aber eine Möglichkeit, sich neben der Arbeit ehrenamtlich zu engagieren. Andere wieder leisten unbezahlte Care-Arbeit oder möchten nach Jahrzehnten im Erwerbsleben bewusst kürzertreten. Die Gründe für Teilzeit können vielfältig sein.
Und selbst wenn sich Vollzeitarbeit finanziell stärker lohnen würde, etwa durch tiefere Abgaben, würden viele wohl trotzdem sagen: Das Leben besteht aus mehr als Arbeit.