Kommentar
Totgesagte wählen länger

Der Erdrutschsieg der Demokraten zeigt: Die US-Demokratie ist intakt. Jetzt sind die Sieger gefordert. Ein Kommentar von Amerika-Kenner Peter Hossli.
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Das US-Kapitol bei Sonnenaufgang am Tag der Zwischenwahlen in den USA.
Foto: AFP

Darum gehts

  • An den Midterms hat eine blaue Welle die USA erfasst, die Demokraten erobern beide Kammern zurück
  • US-Präsident Donald Trump steht zu seiner Niederlage
  • Für Amerika-Kenner Peter Hossli ist klar: Die US-Demokratie lebt
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Peter HossliReporter & Leiter Journalistenschule

Die amerikanische Demokratie lebt. Und sie ist widerstandsfähiger, als ihre Untergangspropheten behaupten. Das zeigen die US-Kongresswahlen vom Dienstag.

Viele Amerikanerinnen und Amerikaner sind unzufrieden damit, wie es in ihrem Land läuft. Das Leben ist teuer, Washington und das Weisse Haus erscheinen ihnen als korrupter Sumpf, der Iran-Krieg nimmt kein Ende. Verantwortlich machten die Wählerinnen und Wähler US-Präsident Donald Trump (80) und seine Republikaner.

Die Quittung fiel deutlicher aus als erwartet, die republikanische Niederlage ist historisch. Ab Januar kontrollieren die Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat.

Wer enttäuscht, wird abgestraft. Das ist die Kraft der Demokratie.

Für Amerika-Kenner Peter Hossli ist klar: Die US-Demokratie lebt noch!
Foto: © Stefan Falke

Demokraten ab jetzt mitverantwortlich

Liefern müssen jetzt die Demokraten. Trump zu bekämpfen reicht nicht mehr. Sie müssen mit dem Weissen Haus Kompromisse aushandeln und Lösungen für die Probleme finden, die den Alltag vieler Menschen belasten. Künftig sind sie mitverantwortlich, wenn der Diesel teuer bleibt, die Schulen schlecht sind oder sich die Gesundheitsversorgung nicht verbessert.

Driften die Demokraten nach links ab, setzen sie erneut auf ein langwieriges Amtsenthebungsverfahren, verzetteln sie sich in Woke-Debatten und spürt die Mittelschicht keine Entlastung im Portemonnaie, dann kassieren sie in zwei Jahren dieselbe Ohrfeige wie jetzt die Republikaner. Mit einem Unterschied: 2028 steht das Weisse Haus zur Wahl.

Trump gesteht Niederlage ein

Und Trump? Er schiebt die Schuld auf Fox News, auf die Kandidaten, auf den Benzinpreis – nur nicht auf sich selbst. Hätte er auf dem Wahlzettel gestanden, behauptet er, hätten die Republikaner gewonnen. Der «New York Times» sagte er jedoch, er sei «absolut bereit», das Resultat zu akzeptieren.

Das ist bemerkenswert und positiv: Verlierer Trump, der nie verlieren will, gesteht die Niederlage ein. Falsch lagen demnach jene, die das Ende der amerikanischen Demokratie ausgerufen haben.

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