Darum gehts
- Eine teurere Mindestfranchise bei den Krankenkassen trifft vor allem ältere Versicherte
- Der gewünschte Effekt dürfte ausbleiben
- Das Sparpotenzial von 300 Millionen Franken ist verhältnismässig bescheiden
Die Mindestfranchise der Krankenkassen soll von 300 auf 400 Franken steigen. Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) hat diesen Vorschlag in die Vernehmlassung geschickt. Mit der Erhöhung sollen die Gesundheitskosten reduziert werden, eine Motion der St. Galler SVP-Ständerätin Esther Friedli (48) sieht in einer teureren Franchise Sparpotenzial. Zudem soll der Eigenbeitrag automatisch angehoben werden, wenn der Anteil der Versicherten an den Behandlungskosten ein Achtel unterschreitet.
Mit den zusätzlichen 100 Franken für die Mindestfranchise lassen sich pro Jahr 300 Millionen Franken sparen, das ist bei Gesundheitskosten von 43 Milliarden Franken in der Grundversicherung ein Klacks. Für einen Teil der Betroffenen mit der tiefsten Franchise – das sind etwa 45 Prozent der Versicherten, darunter viele ältere Menschen – wäre die Erhöhung jedoch eine weitere Ausgabe ohne zusätzlichen Wert. Und sie könnte dazu führen, dass wenig Begüterte wegen der Kosten auf nötige Behandlungen verzichten.
Vor allem aber ist das theoretisch errechnete Sparpotenzial anzuzweifeln. Der Effekt einer höheren Mindestfranchise ist wohl eher ein noch exzessiveres Beanspruchen von Leistungen, sobald die Selbstkosten erreicht sind. Die Motivation, alles Mögliche – auch Unnötiges – ärztlich behandeln zu lassen, wird kaum kleiner.
Das ausgestellte Rezept ist untauglich und der Aufwand zur Umsetzung riesig. Auch das ist nicht der Schlüssel, um die Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen.