Darum gehts
- Comparis-Umfrage zeigt, 59 Prozent können Krankenkassenprämien problemlos zahlen
- Caritas warnt: 16 Prozent kämpfen oft mit Prämienzahlungen
- Grundversicherungs-Kosten stiegen im vierten Quartal 2025 um 5,2 Prozent
Seit Jahren macht eines der Schweizer Bevölkerung besonders Angst: Die unaufhörlich steigenden Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien. Das zeigen regelmässig veröffentlichte Sorgenbarometer wie das der UBS.
Doch nun kommt eine Umfrage zu einem überraschenden Ergebnis: «Die Mehrheit der Bevölkerung kann die Krankenkassenprämien ohne Probleme zahlen», sagt der Gesundheitsexperte Felix Schneuwly (65) vom Vergleichsdienst Comparis.
Das erstaunt, denn die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) geben Anlass zu weiterer Sorge. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Kosten in der Grundversicherung im vierten Quartal 2025 nochmals um 5,2 Prozent gestiegen. Und jeder weiss: Steigen die Kosten im Gesundheitswesen, klettern im kommenden Jahr die Ausgaben für Krankenkassenprämien weiter nach oben.
Prämien kein Problem
So schnell werden die Kosten für Gesundheit und Grundversicherung den ersten Platz in den Sorgenbarometern nicht abgeben. Auch wenn die Comparis-Umfrage zeigt: Die Krankenkassenprämien sind für knapp 59 Prozent der Befragten gut tragbar, in der Deutschschweiz sind es sogar 63 Prozent. «Wer Prämienverbilligungen bekommt und wer wohlhabend ist, leidet nicht unter der Prämienbelastung», erklärt Schneuwly das Ergebnis der Umfrage.
In der Romandie (51 Prozent) und im Tessin (40 Prozent) ist die Zustimmung zur Tragbarkeit deutlich geringer. «In diesen Regionen leiden mehr Versicherte unter hohen Prämien, weil dort die Prämien höher sind und weil weniger Versicherte mit Hausarzt- und anderen alternativen Versicherungsmodellen Prämien sparen», so Schneuwly.
Sein Fazit: «Die Prämien sind nicht so ein Problem wie viele sagen. Wichtig ist, dass man die Leute unterstützt, die auf Prämienverbilligungen angewiesen sind.»
SP widerspricht
Dass es einer Mehrheit der Bevölkerung mühelos gelingt, die Krankenkassenprämien zu bezahlen, dem widerspricht die SP-Gesundheitspolitikerin Sarah Wyss (37) vehement: «Nur weil eine Rechnung bezahlt wird, heisst das nicht, dass diese keine grosse Belastung ist.»
Die Nationalrätin aus Basel-Stadt stellt die Prämienbelastung in einen grösseren Zusammenhang. «Für die Krankenkassenprämien gilt das Gleiche wie für die Miete: Wohnen und Gesundheit sind Grundbedürfnisse der Bevölkerung, dafür wird das Geld zusammengekratzt.» Und warnt: «Man nimmt die Menschen mit ihren Sorgen nicht ernst.»
Das kann man der SP nicht vorwerfen: Die Partei hat an ihrer Delegiertenversammlung im Herbst 2025 eine Volksinitiative für einkommensabhängige Prämien beschlossen. «Die Kopfprämie in der Schweiz ist eine unsoziale Finanzierung des Gesundheitswesens», so Wyss.
Caritas besorgt
Doch nicht nur in der Politik sorgt die Comparis-Umfrage für Stirnrunzeln. Auf Anfrage von Blick schreibt Caritas Schweiz: «Wenn 59 Prozent die Prämien gut tragen können, bedeutet das umgekehrt auch, dass viele Menschen damit Mühe haben.» Rund 16 Prozent würden sogar angeben, oft Mühe zu haben, dieses Geld aufzutreiben. «Das sind aus unserer Sicht besorgniserregend hohe Werte», so die Hilfsorganisation.
In den Sozial- und Schuldenberatungen der Caritas seien die Krankenkassenprämien in fast jedem Gespräch ein Thema – auch bei Menschen mit Prämienverbilligungen. Manche würden aus Angst vor hohen Selbstbehalten sogar auf notwendige Arztbesuche verzichten.
Auch für Schneuwly ist klar: Ohne Prämienverbilligungen geht es nicht. In der Umfrage von Comparis geben fast ein Drittel der Befragten an, eine Prämienverbilligung zu erhalten.
Doch der Gesundheitsexperte stellt die Berechnung einzig aufgrund der Steuerdaten in Frage. «Dass Leute mit Teilzeitarbeit, Prämienverbilligungen und anderen einkommensabhängigen Vergünstigungen mehr im Portemonnaie haben, ist ein Systemfehler unseres Sozialstaats.»
Wobei er nicht nur die Teilzeit der Jungen kritisiert. Ebenso störend findet Schneuwly, dass auch bei Besserverdienenden ungefragt die Prämienverbilligung ins Haus flattern kann. Etwa, wenn wegen einer Hausrenovation die Steuerrechnung tiefer ausfällt als gewöhnlich.