Darum gehts
- Preisüberwacher Stefan Meierhans diskutiert mit «Frau Schweizer» über steigende Kosten
- Fahrscheinpreise stiegen 2026, trotz Preisüberwacher-Protest, um 50 Millionen Fr. teurer
- Teuerung betrug 2025 nur 0,2 %, Gesundheitskosten bleiben jedoch belastend.
Sein Büro hat er in Bern. Doch wie wäre es, wenn der Preisüberwacher einen Tag lang mit einer ganz normalen Bürgerin unterwegs wäre und sie vor jeder Kaufentscheidung berät? «Spielen wir es durch!», sagt der 57-Jährige – und lässt sich auf das Experiment ein.
Herr Meierhans, stellen Sie sich Folgendes vor: Frau Schweizer beginnt ihren Tag mit einem Kaffee. Als sie in der Zeitung liest, dass der Novartis-CEO 25 Millionen Franken pro Jahr verdient, verschluckt sie sich fast und denkt: Was mache ich, wenn mein Schilddrüsen-Medikament teurer wird?
Stefan Meierhans: Wenn es ein altes Medikament ist, muss sie sich keine grossen Sorgen machen, weil es dann vielleicht schon ein Generikum gibt. Die sind zwar bei uns viel teurer als im Ausland, sollten aber wenigstens in Zukunft nicht noch teurer werden.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Sie denkt auch an ihre beiden Söhne: Was, wenn einer von ihnen mal ein ganz neuartiges Medikament brauchen wird?
Hier ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. US-Präsident Donald Trump hat mit der Pharma-industrie einen Rabatt für die Amerikanerinnen und Amerikaner ausgehandelt. Den möchten die Firmen bei uns wenigstens teilweise kompensieren.
Das findet Frau Schweizer nicht fair.
Ich finde das auch ungerecht.
Donald Trump ist wohl nicht der einzige Grund für diese Entwicklung. Wollen die Pharmafirmen einfach so viel Profit wie möglich rausholen?
Sie haben heute schon extrem gute Margen. Sie behaupten, sie brauchen das für Forschung und Entwicklung. Dagegen habe ich nichts! Aber ihre Profite müssen deshalb nicht noch grösser werden. Die Länder, auch die Schweiz, haben es in der Hand, eine Gegenmacht aufzubauen gegen die Pharmaindustrie.
Jetzt schaut Frau Schweizer in den Briefkasten. Sie wohnt in Zürich und hat prompt eine Mietpreiserhöhung erhalten. Wieso wird das Wohnen immer teurer?
Moment! Zuerst merkt sie, dass das Porto nicht teurer geworden ist – obwohl die Post das wollte. Wir konnten eine Erhöhung verhindern.
Dann kann sie ja wenigstens ihren Einspruch günstig verschicken … Doch die steigende Miete beschäftigt sie mehr.
Die Preisüberwachung darf bei den Mieten nicht mitreden. Bei den Nebenkosten kann ich Einfluss nehmen. Und bei den Baubewilligungen, die vielerorts viel zu viel kosten. Da sind wir dran.
Frau Schweizer fährt mit dem Tram ins Büro. Ihr Ticket kostet mehr als früher.
Ja, der Zürcher Verkehrsverbund ist dieses Jahr ein wenig teurer geworden. Ich habe mich dagegen gewehrt, aber die Zürcher Regierung hat sich trotzdem dafür entschieden. Erfolgreich haben wir uns aber für die Sparbillette eingesetzt: Frau Schweizer kann also im Fernverkehr ein günstiges Billett kaufen, wenn sie sich für Nebenverkehrszeiten entscheidet. Das habe ich mit den SBB so ausgehandelt – mindestens 50 Millionen Franken pro Jahr Ersparnis bringt das den ÖV-Kunden. Mein Tipp darum: Kaufen Sie ein Sparbillett, oder nutzen Sie Halbtax Plus. Und für unter 25-Jährige: Das GA Night kostet neu unter 100 Franken – das lohnt sich!
Seit 2008 ist er der Preisüberwacher der Schweiz: Stefan Meierhans (57) aus Altstätten SG arbeitete früher im Stab der Bundesräte Koller und Metzler-Arnold. Der Rheintaler Jurist ist Mitglied der Partei Die Mitte. Er lebt mit seiner Frau Béatrice Wertli und den beiden Töchtern Lena und Sophie in Bern.
Seit 2008 ist er der Preisüberwacher der Schweiz: Stefan Meierhans (57) aus Altstätten SG arbeitete früher im Stab der Bundesräte Koller und Metzler-Arnold. Der Rheintaler Jurist ist Mitglied der Partei Die Mitte. Er lebt mit seiner Frau Béatrice Wertli und den beiden Töchtern Lena und Sophie in Bern.
Vor dem Frühling möchte Frau Schweizer noch Skiferien für ihre Familie buchen. Haben Sie Tipps?
Heute setzen viele Skigebiete auf dynamische Preise. Die sind grundsätzlich zulässig und auch nichts Neues. Im Airline-Business wird das schon lange gemacht.
Beim Vergleichen der Preise verliert sie aber schnell den Überblick.
Mein Aufruf an die Branche ist: Skigebiete sollen einen Höchst- und einen Mindestpreis angeben. Die Kunden brauchen diese Transparenz! Macht die Branche das nicht freiwillig, könnte ich dem Parlament einen Vorschlag unterbreiten. Ich empfehle allen, die die Wahl haben, sich gut zu informieren. Es gibt tolle Skigebiete mit vernünftigen und voraussehbaren Preisen – auch in der Schweiz.
Frau Schweizer gibt auf und bucht Ferien in Österreich. Doch ihre Söhne sind nicht begeistert. Das Roaming …
Ein ungelöstes Problem, hier passiert seit Jahren nichts! Und das, obwohl die Schweiz das einzige Land in Europa ist, das diese Kosten noch nicht abgeschafft hat.
Findet es der Bund einfach toll, dass die Swisscom am Roaming verdient?
Für die Mobilfunkanbieter ist Roaming ein super Geschäft. Im Parlament gabs schon viele Vorstösse dagegen, nie ist einer durchgekommen. Was man nicht vergessen darf: Es sind nicht nur wir Schweizer, die draufzahlen, sondern auch unsere Touristen. Ich staune, dass Hotellerie, Verbände und Gastronomie sich nicht gegen die Roaminggebühren einsetzen. Viele Touristen fühlen sich zu Recht von unserem Land geprellt.
Weil der ÖV teurer wurde, überlegt sich Frau Schweizer, ein Elektroauto anzuschaffen. Doch der Preisdschungel bei den Ladestationen schreckt sie ab.
Die Branche hat mir vor mehreren Jahren versprochen, eine Selbstregulierung zu machen. Also dass die Anbieter sich preislich beschränken oder ihre Preise wenigstens transparent machen. Nach Preisbekanntgabeverordnung müssten sie das längst tun.
Mit einem Preisschild wie bei einer normalen Tankstelle?
Genau. Und dann wird man unter Umständen auch noch fürs Fremdladen bestraft. Lädt Frau Schweizer ihr Auto an einer Säule, die nicht ihrem üblichen Anbieter gehört, zahlt sie vielleicht drauf. Hier gibt es viel zu tun. Wir empfehlen die Übernahme der europäischen AFIR-Regel, die das Fremdladen ohne Diskriminierung fördert.
Zu Hause angekommen, fühlt sie sich unwohl. Sie hat Halsweh und Fieber und möchte einen Termin beim Hausarzt machen, aber damit würde sie ja die Kosten des Gesundheitssystems in die Höhe treiben. Was raten Sie?
Wenn sie sich wirklich krank fühlt, dann soll sie um Himmels willen beim Hausarzt anrufen. Oder vielleicht zur Apotheke gehen – davon bin ich grosser Fan. Apothekerinnen und Apotheker haben sechs Jahre studiert und können den Arztbesuch manchmal ersetzen.
Muss sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie doch zum Arzt geht?
Es ist gut, dass sie sich hinterfragt. Viele Ärztinnen und Ärzte berichten, dass Patienten heutzutage früher und manchmal auch unnötigerweise vorbeikommen. Auch ältere Menschen, die sozialen Kontakt suchen. Für mich ein Zeichen eines grösseren gesellschaftlichen Problems.
Warum wird unser Gesundheitssystem immer teurer?
Weil es voller Fehlanreize ist. Man wird zur Übertherapie, Überversorgung und Übermedikation getrieben. Alles, was gemacht wird, kann abgerechnet werden.
Wie meinen Sie das?
Für einen Arzt gibt es heute finanziell keinen Anreiz, nicht zu operieren. Operiert er, verdient er Geld. Operiert er nicht, kann er nur eine 15-minütige Sprechstunde abrechnen.
Wie kann man dieses System ändern?
Indem man Gesundheit finanziell belohnt. Manche Krankenkassen machen bereits solche Versuche. Dort arbeiten Arzt, Spitäler und so weiter zusammen und werden pauschal entschädigt. Kriegen sie die Patientin mit weniger Aufwand gesund, haben alle etwas davon.
Sie haben sich auch schon über die hohen Laborkosten in der Schweiz beklagt …
… und etwas erreicht: 140 Millionen Franken wurden eingespart. Doch leider wurden in dem Zeitraum viel mehr Laboruntersuchungen gemacht, sodass die Gesamtkosten weiter hoch blieben.
Warum?
Die Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte machen nur Untersuchungen, die sie für nötig halten. Aber eine Minderheit erfüllt leider jeden Wunsch der Kunden. Hat die Praxis ein eigenes Labor, kann sie damit grad noch was dazuverdienen.
Am Abend liegt Frau Schweizer erschöpft im Bett und fragt sich, ob das Leben immer teurer wird oder ob ihr das nur so vorkommt.
Viele Güter und Dienstleistungen sind nicht teurer geworden. Die Teuerung war letztes Jahr 0,2 Prozent. Importiertes wurde dank dem starken Franken sogar günstiger. Doch Krankenkassenprämien sind hier beispielsweise nicht einberechnet. Vor allem aus diesem Grund haben viele das Gefühl, alles werde teurer.
Mal umgekehrt: Was sollte teurer werden?
Wenn überhaupt etwas, dann Lenkungsabgaben: Will die Bevölkerung einen Wechsel – zum Beispiel von Benzin auf Strom –, kann man das alte Produkt verteuern. Diese Abgabe muss man der Bevölkerung rückerstatten. Aber natürlich nur, wenn die Mehrheit diesen Wechsel auch wirklich will.