Darum gehts
- Frauenhosen einst skandalös, in Frankreich bis 2013 genehmigungspflichtig
- Bikini 1946 eingeführt, zuerst als unmoralisch verdammt, heute Bestseller
- Dekolleté-Mode wandelte sich, von Statussymbol zu obszön und wieder salonfähig
Die Qual der Klamotten–Wahl gehört für uns so selbstverständlich dazu wie der Morgenkaffee. Dass wir dafür vor nicht allzu langer Zeit als «zügellose Nudistinnen» beschimpft worden wären, klingt absurd. Ist aber so.
Die Hose – ein obszönes Kleidungsstück
Kaum zu glauben, aber die Hose für Frauen galt jahrhundertelang als einer der grössten Sittlichkeitsskandale der Modewelt. Der Grund: Sie betonte den Schritt und wurde deshalb bereits während der Französischen Revolution als auffallend sexy – und damit unzumutbar – eingestuft. Ab Ende des 18. Jahrhunderts brauchten Frauen eine hochoffizielle Bewilligung der städtischen Behörde, um das «obszöne Kleidungsstück» überhaupt tragen zu dürfen. Und jetzt kommt das Beste: Frankreich strich dieses Gesetz erst 2013 aus der Verfassung. Ging offenbar etwas unter.
Prinzessin Catherine trägt heute eine elegante Hose und niemand zuckt mit der Wimper. Dass dafür während mehr als hundert Jahren unzählige Frauen gekämpft haben, darf sie getrost im Hinterkopf behalten und dabei ganz entspannt die Beine übereinanderschlagen.
Der Bikini – Strandmode als Provokation
Was heute zum sommerlichen Standardrepertoire jeder Strandtasche gehört, war bei seiner Einführung 1946 ein handfester Skandal. Benannt nach dem Bikini-Atoll, wo kurz zuvor Atombombentests stattgefunden hatten – weil der Erfinder Louis Réard überzeugt war, der Effekt auf die Öffentlichkeit wäre ähnlich explosiv. Er hatte recht. Die erste Trägerin war eine Nackttänzerin, weil sich kein Model bereiterklärte, das Stück öffentlich zu tragen. Viele Länder verboten den Bikini an öffentlichen Stränden, Schönheitswettbewerbe schlossen ihn aus, und die katholische Kirche verdammte ihn als unmoralisch. Heute ist er das meistverkaufte Bademodestück der Welt.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Das Dekolleté – sittsam oder skandalös?
Die Geschichte des Dekolletés ist eine Geschichte voller Widersprüche. Im 16. Jahrhundert war ein tief ausgeschnittenes Mieder an europäischen Höfen völlig salonfähig – für Adlige sogar ein Statussymbol. Dann kippte die Stimmung: Im viktorianischen Zeitalter galt selbst ein sichtbares Handgelenk als anzüglich, und ein tiefer Ausschnitt tagsüber war schlicht undenkbar. Heute entscheiden wir selbst, wie viel wir zeigen. Was als obszön gilt, war eben immer auch eine Frage des Jahrhunderts.