Digitalkameras statt iPhone
Gen Z entdeckt die Technik von gestern neu

CDs, Klapphandys und Digitalkameras feiern ein überraschendes Comeback Während die Tech-Branche jedes Jahr neue Smartphones, KI-Funktionen und Streaming-Abos präsentiert, blickt die junge Generation plötzlich zurück.
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In sozialen Netzwerken kursieren Trends wie der «Flip Phone Summer», bei denen Menschen mehrere Wochen ohne Smartphone verbringen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Junge Menschen entdecken CDs, Digitalkameras und Klapphandys neu als Gegenbewegung
  • Trend zeigt Sehnsucht nach Kontrolle, weniger Ablenkung und digitaler Entschleunigung
  • Schulen in den USA berichten von mehr Gesprächen statt TikTok in Pausen
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Blick Lifestyle

Immer mehr Teenager und junge Erwachsene kaufen wieder CDs, fotografieren mit alten Digitalkameras und tauschen ihr Smartphone zeitweise gegen ein Klapphandy. Was zunächst nach Nostalgie klingt, ist Teil eines grösseren Trends: Viele wollen dem Dauerstress der digitalen Welt entkommen.

Gen Z hat genug von Algorithmen

Für viele junge Menschen gehört das Smartphone längst nicht mehr nur zur Kommunikation. Es ist gleichzeitig Nachrichtenkanal, Unterhaltungsplattform, Shopping-Center und sozialer Marktplatz.

Doch genau das wird zunehmend als Belastung empfunden.

Ständige Benachrichtigungen, endloses Scrollen und Algorithmen, die um jede Minute Aufmerksamkeit kämpfen, sorgen bei vielen für digitale Erschöpfung. Als Gegenreaktion suchen immer mehr junge Menschen nach einfacheren Technologien.

In den USA berichten Schulen, die Handys während des Unterrichts verbieten, von einer überraschenden Entwicklung: Statt auf TikTok oder Instagram verbringen Schülerinnen und Schüler ihre Pausen wieder mit Gesprächen, Brettspielen oder Musik auf älteren Geräten.

Die Digitalkamera wird zum Kultobjekt

Jahrelang wurde vermehrt das Handy gezückt, nun sieht man plötzlich wieder mehr Kameras.
Foto: Getty Images

Besonders sichtbar ist der Trend bei kompakten Digitalkameras aus den 2000er-Jahren.

Auf Partys, Konzerten oder Städtetrips tauchen immer häufiger Modelle auf, die technisch längst von Smartphones überholt wurden. Trotzdem erfreuen sie sich wachsender Beliebtheit.

Der Grund liegt nicht in der Bildqualität. Vielmehr schätzen viele junge Nutzerinnen und Nutzer das bewusste Fotografieren. Statt Hunderte Aufnahmen zu schiessen, entstehen nur wenige Bilder. Diese werden oft erst später auf dem Computer angeschaut – ein Ritual, das in Zeiten von Cloud-Speichern und Sofort-Uploads fast verloren gegangen ist.

Hinzu kommt der besondere Look der Bilder. Die Aufnahmen wirken weniger perfekt, weniger bearbeitet und dadurch oft authentischer.

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Musik zum Anfassen statt nur zum Streamen

Auch bei Musik zeigt sich ein Wandel.

Nachdem Vinylplatten bereits seit Jahren ein Comeback erleben, entdecken viele junge Menschen nun auch die CD neu. Künstler veröffentlichen ihre Alben wieder auf physischen Tonträgern, und Sammler schätzen Booklets, Cover und das Gefühl, Musik tatsächlich zu besitzen.

Denn Streaming hat zwar Millionen Songs jederzeit verfügbar gemacht, gleichzeitig aber das Eigentum abgeschafft. Wer ein Abo kündigt, verliert den Zugriff auf seine Musikbibliothek.

Für viele junge Fans wird die CD deshalb zum Gegenentwurf der Abo-Kultur.

Auch durch CDs wird wieder gewühlt, nach dem Vinyl-Hype der letzten Jahre sind diese nun immer häufiger gefragt.
Foto: Getty Images

Das Klapphandy als digitale Entgiftung

Noch überraschender ist die Rückkehr des Klapphandys.

Unter dem Begriff «Dumbphone» werden einfache Mobiltelefone ohne soziale Netzwerke und ohne App-Flut immer beliebter. Sie können telefonieren, Nachrichten verschicken und oft wenig mehr.

Genau das macht ihren Reiz aus.

Wer ein Klapphandy nutzt, kann kaum stundenlang durch Feeds scrollen. Die Geräte reduzieren Ablenkungen und helfen dabei, die eigene Bildschirmzeit zu kontrollieren. In sozialen Netzwerken kursieren inzwischen Trends wie «Flip Phone Summer», bei denen junge Menschen bewusst mehrere Wochen ohne Smartphone verbringen.

Auch Kabelkopfhörer feiern ein Comeback

Nicht nur Klapphandys und CDs erleben ein Revival. Auch klassische Kabelkopfhörer tauchen immer häufiger im Alltag junger Menschen auf. Wir haben hier bereits darüber berichtet.

Was jahrelang als veraltet galt, wird plötzlich wieder geschätzt. Der Grund: Kabelkopfhörer funktionieren ohne Akku, müssen nicht gekoppelt werden und können nicht plötzlich leer sein. Zudem gehen sie weniger leicht verloren als einzelne kabellose Ohrstöpsel.

Für manche ist das sichtbare Kabel auch ein bewusstes Statement gegen den Trend zu immer mehr drahtloser Technik. Auf TikTok und Instagram zeigen junge Nutzer ihre alten iPod-Kopfhörer oder Modelle aus den 2000er-Jahren als Teil eines nostalgischen Looks.

Ein Milliardenmarkt wird daraus wohl nicht

Trotz des Hypes bleiben Streaming-Dienste und Smartphones die dominierenden Technologien.

Die Verkaufszahlen zeigen zwar ein wachsendes Interesse an CDs, gebrauchten Kameras und einfachen Mobiltelefonen. Von einer Rückkehr in die Zeit vor dem Smartphone kann jedoch keine Rede sein.

Vielmehr entsteht eine neue Gewohnheit: Junge Menschen nutzen moderne Technologien weiterhin, gönnen sich aber bewusst digitale Auszeiten.

Die Sehnsucht nach Langsamkeit

Der Erfolg von CDs, Digitalkameras und Klapphandys zeigt vor allem eines: Viele Menschen wünschen sich wieder mehr Kontrolle über ihre Aufmerksamkeit.

Es geht nicht darum, die Vergangenheit zurückzuholen. Es geht darum, in einer Welt voller Push-Nachrichten, Streams und Algorithmen wieder Momente zu schaffen, die sich langsamer, greifbarer und echter anfühlen.

Die Technik von gestern wird damit zur Antwort auf die Überforderung von heute.

Der Artikel erschien erstmalig auf Business Insider Polska, der polnischen Ausgabe von Business Insider. Diese gehört wie Blick zur Mediengruppe Ringier. 

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