Darum gehts
- Schwarze Säcke bekämpfen giftige Prozessionsspinnerraupen in Europa, besonders bei Hitzeperioden
- Raupenhaare lösen Juckreiz, Atemprobleme und allergische Schocks bei Kontakt aus
- Chemiefreie Fallen trocknen Raupen aus, bei Kontakt Vorsicht geboten
Unsichtbare Härchen kleiner Raupen können schwere Reaktionen auslösen – für Menschen und Tiere. In vielen Regionen in Europa breitet sich deshalb ein Problem rasant aus, gegen das jetzt mit einfachen, aber wirksamen Mitteln vorgegangen wird.
Was bedeuten die Plastiksäcke in den Bäumen?
Die Tüten werden bewusst aufgehängt, um die Ausbreitung von Eichen-Prozessionsspinner-Raupen einzudämmen. Denn diese kleinen Tiere sind nicht nur schädlich für Bäume, sondern auch gefährlich für Menschen und Tiere. Ihre feinen Brennhaare sind giftig, können sich leicht über die Luft oder über die Kleidung verbreiten und heftige Reaktionen auslösen – von starkem Juckreiz, geröteten Augen und Hautausschlägen bis hin zu Atemproblemen oder allergischen Schocks.
Wie sehen Eichen-Prozessionsspinner aus?
Der graue Falter kommt mit seiner Spannweite von 30 Millimetern wenig auffällig daher. Die Raupe zeichnet sich dagegen durch ihre starke Behaarung aus. Sie ist graugrün, mit einem helleren Bereich an den Seiten.
Wo findet man die Raupen in der Schweiz?
In der Schweiz befallen die Eichen-Prozessionsspinnerraupen vor allem Eichenbäume, besonders Stieleichen und Traubeneichen. Sie können aber auch gelegentlich andere Laubbäume wie Buchen oder Hainbuchen nutzen, wenn Eichen knapp sind.
Wie erkenne ich den Prozessionsspinner?
Die Raupen bilden typischerweise ihre weissen, spinnwebenartigen Nester in den oberen Ästen und bewegen sich oft in Reihen («Prozessionen») entlang der Baumstämme oder entlang von Naturwegen. Vorsicht ist hier besonders mit Kindern und Hunden und Katzen angesagt, denn diese herzigen Raupen-Paraden wecken die Neugier und den Spieltrieb.
Wo und wann muss ich mich besonders schützen?
Der Eichen-Prozessionsspinner ist auch in der Schweiz auf dem Vormarsch – vor allem in der Nordschweiz. Durch die wärmeren Temperaturen breitet sich der Schädling zunehmend aus. Besonders betroffen sind Kantone wie Basel, Aargau, Zürich, Schwyz, Luzern und Bern.
Besonders betroffen sind Gebiete mit älteren Eichenbeständen in städtischen Parks, an Strassen oder in Wäldern, wo es warm und trocken ist – ideale Bedingungen für die Raupenentwicklung. Die haarigen Tierchen sind meistens zwischen Mai und Juli unterwegs – und sie haben es in sich: Ihre feinen Brennhaare können heftige Hautreizungen auslösen.
2024 landen in Rünenberg BL 13 Primarschüler nach einem Ausflug im Spital. Offenbar kamen sie mit den Haaren des Eichen-Prozessionsspinner in Berührung. Was bei einer Begegnung droht.
2024 landen in Rünenberg BL 13 Primarschüler nach einem Ausflug im Spital. Offenbar kamen sie mit den Haaren des Eichen-Prozessionsspinner in Berührung. Was bei einer Begegnung droht.
So funktionieren die schwarzen Säcke
Die schwarzen Säcke funktionieren wie Fallen: Die Raupen werden dank des Dufts der Pheromone in die Säcke gelockt und trocknen dort in der warmen, dunklen Umgebung aus – ganz ohne Chemie. Wichtig zu wissen: Die Tüten selbst sind ungefährlich, die darin gefangenen Raupen aber nicht. Schon ein kurzer Kontakt oder eingeatmete Brennhaare können Beschwerden verursachen.
Damit die Fallen stabil bleiben und sich die gefährlichen Haare nicht weiter verteilen, werden sie oft mit Sand oder anderem Material beschwert.
Problem breitet sich in Europa aus
Prozessionsspinnerraupen breiten sich in vielen europäischen Ländern immer stärker aus – besonders in heissen Sommern. Typisch sind auch die weissen, spinnwebenartigen Nester an Bäumen. Die Raupen bewegen sich oft in Reihen fort und sind vor allem tagsüber aktiv.
Einige Regionen in Europa greifen bereits zu drastischen Mitteln und lassen betroffene Bäume grossflächig chemisch behandeln.
Das solltest du beachten
Wenn du ein Prozessionsspinner-Raupen-Nest entdeckst, ist Vorsicht oberstes Gebot, denn die Härchen sind giftig. Hier ist, was du tun solltest:
- Abstand halten: Weder berühren noch darunter stehen. Auch Kinder und Tiere fernhalten!
- Nicht selbst entfernen: Die feinen Brennhaare können Atemprobleme, Hautausschläge oder allergische Reaktionen auslösen.
- Fund melden: In der Schweiz kannst du die Gemeinde oder den lokalen Forstbetrieb informieren; sie wissen, wie man die Raupen sicher entfernt.
- Sichtbare Warnungen beachten: Teilweise hängen Behörden Warnschilder auf.
- Kleidung nach Kontakt wechseln, falls du versehentlich in die Nähe gekommen bist und sofort waschen, um Haare zu entfernen.
Was musst du tun, wenn du ein solches Nest im Garten hast?
Zuständig sind je nach Situation:
- Gemeinde / Stadt (bei öffentlichen Flächen wie Parks, Strassen, Schulhäusern)
- Forstdienst (im Wald)
- Feuerwehr (bei akuter Gefahr)
- Spezialisierte Schädlingsbekämpfer oder Baumpflege-Firmen (vor allem auf Privatgrundstücken)
Wichtig:
- Die Entfernung erfolgt meist durch Absaugen oder spezielle Verfahren (mit Schutzanzug und Profi-Equipment)
- Selber entfernen ist gefährlich, weil sich die giftigen Brennhaare verteilen können
Wer ein Nest entdeckt, sollte es melden statt selbst handeln. Auf öffentlichem Grund kümmern sich Behörden – im eigenen Garten brauchst du in der Regel eine Fachfirma.
Tipp: Falls du unbedingt Bäume in der Nähe deiner Wohnung kontrollieren willst: Schutzausrüstung wie Handschuhe, lange Kleidung und eine Maske sind ein Muss – aber die Entfernung solltest du definitiv den Profis überlassen.