Darum gehts
- Der Caumasee in Flims GR beeindruckt mit Schönheit und Vielseitigkeit, trotz Touristenandrang
- Eintritt kostet 18 CHF, Einheimische zahlen nur 9 CHF
- Lohnt sich ein Besuch abseits der Hochsaison?
Habt ihr auch Orte, die ihr vermisst? Bei mir löst Laax GR Heimweh aus. Ich vermisse Capuns auf der Skipiste und den Snowpark, in den ich mich nie getraut habe «reinzudroppen». Laax ist für mich Winter, Teenie-Zeit und ziemlich viel Nostalgie.
So vertraut mir sein Winter ist, so fremd ist mir der Ort im Sommer. Deshalb habe ich selbst seine bekanntesten Ikonen ausgelassen. Allen voran den Caumasee. Die «Perle von Flims» sorgt wegen ihres Andrangs regelmässig für Gesprächsstoff.
Irgendwann siegt die Neugier: Was zieht so viele Menschen hierher? Ich will herausfinden, ob sich ein Besuch am Caumasee auch dann lohnt, wenn der grosse Andrang ausbleibt – an einem regnerischen Tag abseits der Hochsaison.
Erreichbarkeit
Flims-Laax-Falera überrascht mich immer mit seiner Erreichbarkeit. Weil ich auf Durchreise bin, entscheide ich mich für das Auto und parkiere beim Parkplatz «Flims Waldhaus». Von einer nahen Baustelle dröhnt Heavy Metal über die Lautsprecher. «Allegra!», ruft mir ein Bauarbeiter zu. Ich habe diesen Flecken Schweiz vermisst.
Wer aber mit dem ÖV anreist, hält beim gleichen Ort an der Haltestelle «Flims Waldhaus Caumasee». Von Chur aus dauert die Postautofahrt rund eine halbe Stunde.
Zur Perle von Flims gelangt man entweder mit einem kurzen Spaziergang oder mit einem Lift. Für den Hinweg entscheide ich mich für den Spaziergang. Die richtige Entscheidung, denn der Weg von rund 15 bis 20 Minuten verläuft durch einen traumhaft schönen Wald. Dieser ist geteert und auch für Rollstühle und Kinderwagen gut geeignet.
In meinen Augen verdient die Erreichbarkeit die Note 9 von 10.
Hats den Wow-Effekt?
Mit meinen Wanderschuhen fühle ich mich anfangs etwas fehl am Platz. Von Badewetter fehlt an diesem Tag zwar jede Spur, dafür blicke ich auf den wohl blauesten und schönsten See, den ich dieses Jahr besucht habe. Mal funkelt das Wasser tiefblau, dann wieder leuchtet es beinahe türkisgrün.
Enten plätschern durchs Wasser, ein paar Schulklassen hauchen dem Ort etwas Leben ein. Eine derart gut ausgestattete Badi habe ich selten gesehen. Klar, für 18 Franken erwarte ich auch etwas. Weisse Liegestühle und Holzbänke laden zum Verweilen ein, Toiletten begegnen mir auf meinem Rundgang mehr als genug.
Wohin lohnt sich der nächste Ausflug ins Grüne wirklich? Welche Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer begeistern und welche kann man sich sparen?
Gerade in der Schweiz ist das Angebot riesig. Doch Prospekte, Social Media und Hochglanzbilder zeigen oft nur die Schokoladenseite. Wie sieht ein Ausflug tatsächlich aus? Ist die Wanderung ihr Geld, ihre Zeit und die Anreise wert?
Ich teste Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer, damit ihr nicht die Katze im Sack kauft. Im Format «Taugts was, Niki?» zeige ich, was überzeugt – und was nicht. Ehrlich, direkt und mit allen wichtigen Infos für eure nächste Tour.
Wohin lohnt sich der nächste Ausflug ins Grüne wirklich? Welche Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer begeistern und welche kann man sich sparen?
Gerade in der Schweiz ist das Angebot riesig. Doch Prospekte, Social Media und Hochglanzbilder zeigen oft nur die Schokoladenseite. Wie sieht ein Ausflug tatsächlich aus? Ist die Wanderung ihr Geld, ihre Zeit und die Anreise wert?
Ich teste Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer, damit ihr nicht die Katze im Sack kauft. Im Format «Taugts was, Niki?» zeige ich, was überzeugt – und was nicht. Ehrlich, direkt und mit allen wichtigen Infos für eure nächste Tour.
Was mich besonders beeindruckt, ist die Vielseitigkeit des Ortes. Hier geht beides: ein actionreicher Tag mit Baden und Stand-up-Paddeln genauso wie ein gemütlicher Spaziergang um den See. Beim Steg warten Pedalos auf ihren Einsatz. Wenn Graubünden etwas schafft, dann ist es, Touristinnen und Touristen ein vielseitiges Angebot zu bieten.
Beim Umschauen fällt mir auf: Jeder scheint aus einem anderen Grund hier zu sein. Mountainbiker machen Halt, Wandernde verschnaufen, Familien verbringen den Tag am Wasser und Touristinnen und Touristen bestaunen einen See, den sie vielleicht zuvor nur aus dem Internet kannten.
So unterschiedlich ihre Wege und Pläne sind, irgendwann zieht es sie alle ans Ufer des Caumasees. Und plötzlich wirken auch meine Wanderschuhe gar nicht mehr so fehl am Platz.
Der Wow-Effekt erhält die Note 8,5 von 10.
Verpflegung
Wie an jedem Badi-Tag knurrt der Magen. Ich wähle die «Terrassa La Cauma», ein Selbstbedienungsrestaurant mit der schönsten Terrasse, die ich je an einem See gesehen habe.
Normalerweise bin ich mir Fritteusenduft und die herkömmliche Nuggets-Pommes-Kombination gewohnt. Aber auch Currywurst, ein frisches Salatbuffet und Exoten für ein Schwimmbad wie eine Focaccia sind zu finden. Die Küche überrascht mich positiv und hebt die Ansprüche an künftige Schwimmbad-Küchen.
Im Gespräch mit den Mitarbeitern bekomme ich die Currywurst ans Herz gelegt. Für das Menü und eine Apfelschorle bezahle ich 24 Franken.
Mit rund 18 Franken ist dies wohl auch die teuerste Currywurst, die ich jemals gegessen habe. Sie schmeckt jedoch gut und ist genau richtig süss-salzig gewürzt.
Obwohl die Wurst schmeckt, erhält die Verpflegung die Note 6,5 von 10.
Preis-Leistung
18 Franken Eintritt? So viel habe ich noch nie für einen Seebesuch bezahlt. Ich bin neben einer Badi grossgeworden und bekomme nicht annähernd so viel für acht Franken wie hier. Es gibt genügend Liegestühle, Sitzgelegenheiten oder Holzliegen, die zum Verweilen einladen. Auch wenn der Caumasee Pedalos und Stand-up-Paddles anbietet: Diese sind nicht kostenfrei, sondern müssen gemietet werden.
Apropos Preis: Einheimische zahlen 9 Franken Eintritt. Zur Stamm-Badi müsste der Caumasee für mich nicht werden – für einen besonderen Badetag aber definitiv.
Wer nach einem langen Tag nicht hinaufwandern mag zum Parkplatz, kann den kostenlosen Lift nutzen. Es sind solche kleinen Perlen, die mir dennoch zeigen, dass ich hier als Touristin gut aufgehoben bin.
Die Preis-Leistung erhält die Note 7,5 von 10.
Taugts was?
Ich kann es noch immer nicht ganz glauben, aber der Caumasee taugt wirklich etwas. Dass der Ort bei Touristinnen und Touristen beliebt ist, merkt man spätestens auf dem Parkplatz und am Gewirr verschiedenster Sprachen. Und das ist ja auch schön – schliesslich soll die Schweiz besichtigt und entdeckt werden.
Einmal mehr muss ich mir eingestehen, dass meine Vorurteile gegenüber touristischen Orten nicht ganz zutreffen. Denn der Caumasee zeigt: Beliebt und trotzdem lohnenswert schliessen sich nicht aus.