Darum gehts
- Die Schweiz erlebt seit Monaten eine schwere Trockenperiode
- Es fehlen schweizweit 170 Millimeter Regen, Gefahrstufe 4 für Trockenheit
- Amphibien und Jungvögel besonders betroffen, Nestlinge fliehen wegen Hitze aus Nestern
Die Schweiz kämpft mit extremer Trockenheit. Bäche versiegen, Flüsse führen weniger Wasser und die Böden sind knochentrocken. Gewitter brachten zwar lokal Entlastung, doch das Niederschlagsdefizit bleibt riesig. Das setzt nicht nur der Landwirtschaft zu, sondern bedroht auch unsere Wildtiere.
Die Schweiz steckt in der Trockenheitsfalle. Schweizweit fehlen weiterhin rund 170 Millimeter Niederschlag. In grossen Teilen des Landes gilt nach wie vor die Gefahrenstufe 4 für erhebliche Trockenheit.
Bundesamt für Umwelt warnt
Ausgetrocknete Bachläufe und schrumpfende Weiher belasten die Landwirtschaft und die Wälder. Doch auch für Wildtiere verschwinden zunehmend die natürlichen Wasserquellen.
Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) warnt: Die anhaltende Trockenheit und die hohen Wassertemperaturen bringen Gewässer und Ökosysteme ans Limit. Das nationale Trockenheitsbulletin zeigt deutlich, dass viele Flüsse und Seen auf einem aussergewöhnlich tiefen Niveau verharren.
«Besonders empfindlich sind Amphibien»
Was bedeutet das für Rehe, Hirsche, Wildschweine, Füchse oder Dachse? Müssen sie inzwischen weite Strecken auf sich nehmen, um ihren Durst zu stillen? Gerhard Wenzinger, Präsident von Jagd Aargau (AJV), erklärt gegenüber Blick: «Viele Wildtiere decken einen grossen Teil ihres Wasserbedarfs über saftige Pflanzen, Früchte oder ihre Beutetiere.»
Doch es gibt Ausnahmen: «Trockenperioden können aber durchaus gewisse Tierarten oder Lebensräume beeinträchtigen. Besonders empfindlich sind Amphibien sowie Arten, die auf kleine Gewässer angewiesen sind.»
Ein konkretes Problem zeigt sich aktuell in Aarau: «Aktuell besteht zudem konkret in der Stadt Aarau das Problem, dass es jungen Mauerseglern, die noch nicht flugfähig sind, in ihren Nestern zu heiss wird und sie daraus fliehen. Diese Nestlinge liegen dann am Boden und sind in dieser Situation eine einfache Beute für Katzen oder Füchse.»
Vorsicht bei künstlichen Wasserstellen
Auch in Deutschland schlagen Tierschützer Alarm. Auffangstationen und Vogelkliniken sind stark ausgelastet. Die «Frankfurter Rundschau» berichtet, dass Einrichtungen in Hitzesommern an ihre Kapazitätsgrenzen stossen, weil sie immer mehr geschwächte Jungvögel versorgen müssen.
Wer nun aber im Wald selbst aktiv werden will, sollte aufpassen. Der Jagdverband rät von künstlichen Wasserstellen für Wildtiere ab: «Das Bereitstellen von Wasserstellen ist nicht erforderlich und kann sogar eher negative Folgen haben, beispielsweise die Konzentration von Tieren an einem Ort und somit innerartliche Konflikte oder die Übertragung von Krankheiten.»