Darum gehts
- Diesen Herbst gibt es eine neue Trendfarbe: Fresh Purple
- Die Farbe spaltet die Meinungen
- Man findet sie in der Mode, sie kommt aber auch in der Küche zum Einsatz
Schwarz hat Pause. Beige darf sich hintenanstellen. Die Trendforscher von WGSN und Coloro haben für Herbst/Winter 2026/27 eine Nuance zur Schlüsselfarbe erklärt, die schon im Namen gute Laune macht: «Fresh Purple». Sie selbst nennen sie eine Farbe zum Lieben oder Hassen. Ein Dazwischen gibt es nicht. Chanel und Giambattista Valli haben sie in der Haute Couture gezeigt, Emporio Armani schneidert ganze Anzüge daraus. Höchste Zeit also, dass ihr euch entscheidet, in welchem Team ihr spielt.
Warum euer Hirn Lila liebt (oder hasst)
Fangen wir mit etwas Physik an: Für viele Lilatöne gibt es keine eigene Wellenlänge. Violett schon, das sitzt am Rand des Regenbogens. Rotstichiges Lila dagegen baut euer Gehirn selbst zusammen, sobald Rot- und Blaurezeptoren gleichzeitig Signale funken. Lila ist also mehr Idee als Licht. Ziemlich poetisch für eine Farbe, die in der Pausenzeit lange als «zu viel» galt.
Diese Zwitternatur prägt auch die Wirkung. Farbpsycholog:innen verbinden Lila mit Kreativität, Fantasie und einer Prise Geheimnis: die Wärme von Rot, die Ruhe von Blau, beides in einer Farbe. Kleiner Realitätscheck: Die Forschung dazu ist dünner als ein Seidenschal. Viel stärker wirkt das, was die Kultur über Jahrhunderte in die Farbe hineingelegt hat.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Blick+ Nutzer haben exklusiv Zugriff im Rahmen ihres Abonnements. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Und da wird es spannend. In der Antike war Purpur das teuerste Statussymbol überhaupt. Für ein paar Gramm Farbstoff mussten tausende Meeresschnecken dran glauben, darum trugen ihn nur Kaiser und Könige. Erst 1856 machte ein 18-jähriger Chemiestudent die Farbe demokratisch: William Henry Perkin wollte eigentlich ein Malariamittel herstellen. Herausgekommen ist Mauvein, der erste synthetische Farbstoff der Welt. Plötzlich konnte sich ganz London Lila leisten. Und hier bei uns? Ist Lila seit Jahrzehnten die Farbe der Frauenbewegung, am 14. Juni färbt sie jedes Jahr ganze Innenstädte ein. Wer Lila trägt, trägt also ein bisschen Revolution mit.
So tragt ihr Lila, ohne wie eine Aubergine auszusehen
- Ton in Ton: Lavendel-Hemd zu Pflaumen-Hose, darüber ein Mantel in Brombeere. Klingt nach Obstsalat, sieht aber teuer aus. Wichtig ist, dass sich die Töne in Helligkeit unterscheiden.
- Mit Braun: Schokobraun ist ebenfalls eine Trendfarbe der Saison, und die beiden verstehen sich bestens. Ein lila Strickpulli zur braunen Wildlederjacke ist das Outfit für Herbstspaziergänge am See.
- Mit Rot: Für alle, die Mut zum Auftritt haben. Ein violetter Satinrock mit kirschroten Ballerinas wirkt laut, aber gewollt.
- Mit Olive oder Khaki: Erdige Grüntöne holen Lila zurück auf den Boden und machen es bürotauglich.
- Einsteigervariante: Ihr traut euch noch nicht? Startet mit Accessoires. Eine Tasche in Aubergine, Socken in Flieder oder eine Mütze in Pflaume reichen, um mitzuspielen.
Schmuck: Edelsteine mit Lila-Faktor
Zum Glück hat die Natur vorgesorgt. Der Klassiker ist der Amethyst, ein Quarz, den Spuren von Eisen und natürliche Strahlung im Gestein violett färben. Er ist bezahlbar, robust und als Februar-Geburtsstein ein perfektes Geschenk. Wer es exklusiver mag, schaut sich den Tansanit an. Er wird weltweit nur an einem einzigen Ort abgebaut, in den Merelani-Hügeln in Tansania, und schimmert je nach Blickwinkel blau oder violett. Ausserdem lohnt sich ein Blick auf lila Saphire und den zartrosa-violetten Kunzit.
Die Fassung entscheidet über die Stimmung. Gold macht Lila warm und ein wenig royal, Silber kühl und modern. Unser Tipp: Kombiniert einen grossen Amethyst-Ring mit schlichten Goldcreolen und lasst den Stein die Hauptrolle spielen.
Lila geht auch in der Küche
Dass Lila längst über die Garderobe hinausgewachsen ist, zeigt ein Blick ins Kaffeeregal bei Coop. Dort steht das L'OR Espresso Concentrate: Espresso als Konzentrat in der Glasflasche. Eine Sorte hat sich farblich klar zum Trend bekannt. «Sweet Rich Mocha» ist halb in Lila gekleidet. Der Name verspricht Espresso mit süsser Schokoladennote, heiss oder kalt. Ein Schuss über Eis, Hafermilch dazu, fertig ist der Iced Mocha. Und das deutlich schneller, als ihr euch zwischen Flieder und Pflaume entscheidet.
Fazit
Lila ist die Farbe für alle, die sich nicht entscheiden wollen zwischen warm und kühl, laut und leise, Königin und Rebellin. Früher war sie Kaisern vorbehalten, heute reicht ein Pulli. Also: Traut euch. Schlimmstenfalls hält euch jemand für kreativ.