Darum gehts
- Studien: Männer profitieren gesundheitlich stärker von stabilen Partnerschaften
- Nach Trennungen leiden Männer länger und fühlen sich oft einsam
- 60–70 % der Trennungen werden laut Forschung von Frauen initiiert
Nähe, Zuwendung und jemanden zum Reden zu haben, sind für Männer und Frauen gleichermassen wichtig. Einen Unterschied gibt es jedoch beim sozialen Umfeld: Frauen erhalten im Durchschnitt mehr emotionale Unterstützung von Freunden, Freundinnen und Familie.
Männer greifen dagegen häufiger auf ihre Partnerin als wichtigste Vertrauensperson zurück. Darin sehen Forschende eine mögliche Erklärung dafür, warum romantische Beziehungen für Männer im Durchschnitt eine grössere Bedeutung haben.
Das heisst nicht, dass Männer grundsätzlich emotional abhängiger sind. Vielmehr fehlt ihnen ausserhalb einer Partnerschaft häufiger ein enges Netz, in dem Sorgen und persönliche Probleme Platz haben.
Männer wünschen sich häufiger eine Beziehung
Untersuchungen zu heterosexuellen Beziehungen zeigen zudem Unterschiede beim Wunsch nach einer Partnerschaft. Männer geben demnach häufiger an, dass eine Beziehung für ihr Glück und ihre Zufriedenheit wichtig ist Auch beim Verlieben gibt es Hinweise auf einen Unterschied: Einige Studien kommen zum Ergebnis, dass sich Männer tendenziell schneller verlieben als Frauen. Wird die Beziehung ernster, sind es zudem häufiger Männer, die zuerst ihre Liebe gestehen.
Das widerspricht dem klassischen Bild vom Mann, der Gefühle lieber für sich behält. Allerdings handelt es sich um Durchschnittswerte. Persönlichkeit, Alter, Kultur und Beziehungserfahrungen spielen ebenfalls eine Rolle.
Eine Partnerschaft tut Männern gesundheitlich besonders gut
Eine stabile Beziehung kann sich auf die Gesundheit beider Geschlechter positiv auswirken. Bei Männern fallen einige dieser Effekte allerdings stärker aus: Verheiratete oder mit einer Partnerin zusammenlebende Männer zeigen im Durchschnitt unter anderem weniger depressive Symptome. Auch bei bestimmten körperlichen Gesundheitsmarkern wurden positive Zusammenhänge beobachtet. Zudem scheint eine Partnerschaft die Lebenserwartung von Männern besonders stark zu beeinflussen.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Beziehung allein für die bessere Gesundheit verantwortlich ist. Auch Lebensstil, soziale Faktoren und der allgemeine Gesundheitszustand spielen eine Rolle.
Bei einer Trennung leiden Männer länger
Besonders deutlich werden die Unterschiede offenbar beim Ende einer Beziehung: Laut den ausgewerteten Untersuchungen gehen rund 60 bis 70 Prozent der Trennungen von Frauen aus – sowohl bei Ehen als auch bei nichtehelichen Beziehungen. Danach scheint die Verarbeitung unterschiedlich zu verlaufen: Frauen kommen im Durchschnitt besser mit der Trennung zurecht und sehen häufiger auch positive Seiten des neuen Lebensabschnitts. Männer hängen dagegen im Durchschnitt länger an ihrer Ex-Partnerin. Sie bewerten die frühere Beziehung auch nach der Trennung länger positiv und fühlen sich häufiger einsam.
Eine mögliche Erklärung liegt erneut im sozialen Umfeld. Wer vor der Beziehung nur wenige enge emotionale Kontakte hatte, verliert mit der Trennung womöglich gleichzeitig seine wichtigste Vertrauensperson.
Männer profitieren von einem sozialen Netzwerk
Besonders ernst ist der Zusammenhang zwischen Trennung und psychischer Gesundheit bei Männern. Untersuchungen zeigen nach Scheidungen ein erhöhtes Suizidrisiko. Männer können in solchen Situationen besonders gefährdet sein, wenn ihnen soziale Unterstützung fehlt.
Die Studien lassen sich deshalb auch als Plädoyer für mehr emotionale Freundschaften unter Männern lesen. Wer auch ausserhalb der Partnerschaft Menschen hat, mit denen er offen über Sorgen, Ängste und Probleme sprechen kann, verliert bei einer Trennung nicht sein gesamtes emotionales Auffangnetz.
Die Partnerin kann eine wichtige Stütze sein. Sie sollte aber nicht die Einzige sein. Denn eine Beziehung kann Halt geben – sie sollte nicht der einzige Ort sein, an dem ein Mensch emotional aufgefangen wird.