Theoretisch wissen wir genau, wie es geht: weniger Zucker, mehr Proteine, 10'000 Schritte täglich. Laut einer repräsentativen Umfrage des Krankenversicherers Groupe Mutuel fühlen sich 90 Prozent der Befragten gut bis sehr gut über Ernährung und Bewegung informiert. Doch im selben Atemzug gibt fast die Hälfte an, übergewichtig zu sein. Es klafft eine gewaltige Lücke zwischen dem, was wir im Kopf haben, und dem, was auf unseren Hüften landet.
Wenn Labels in die Irre führen
Prof. Dr. med. David Fäh, Experte für Ernährung und Diätetik an der Berner Fachhochschule, sieht ein Hauptproblem im sogenannten Scheinwissen. «Wir glauben, informiert zu sein, werden aber von der Lebensmittelindustrie systematisch fehlgeleitet. Es wird ausgenutzt, dass gewisse Labels von den Leuten nicht richtig interpretiert werden können», sagt der Mediziner.
Ein klassisches Beispiel ist die Bezeichnung «zuckerfrei». «Die Leute denken, solche Produkte seien automatisch kalorienärmer, was nicht der Fall sein muss», erklärt Prof. Fäh. «Die Definition von Zucker ist laut Gesetz so eng, dass man ein Produkt schnell zuckerfrei nennen kann, obwohl es viel Zucker in anderer chemischer Struktur enthält – etwa in Form von Zuckeralkoholen wie Xylit oder Mannit.» Und genau dieses Detailwissen fehlt den meisten Konsumentinnen und Konsumenten.
Prof. Dr. med. David Fäh forscht und lehrt an der Berner Fachhochschule im Fachbereich Ernährung und Diätetik. Der Präventivmediziner und Gesundheitswissenschaftler beschäftigt sich mit den Ursachen, den Folgen und der Vermeidung von Übergewicht. Der Facharzt ist Autor zahlreicher Publikationen.
Prof. Dr. med. David Fäh forscht und lehrt an der Berner Fachhochschule im Fachbereich Ernährung und Diätetik. Der Präventivmediziner und Gesundheitswissenschaftler beschäftigt sich mit den Ursachen, den Folgen und der Vermeidung von Übergewicht. Der Facharzt ist Autor zahlreicher Publikationen.
Bio und vegan muss nicht zwingend gesund sein
Prof. Fäh beobachtet einen gefährlichen Trend: Wir übertragen das (vermeintlich) positive Image eines Labels ungeprüft auf den Gesundheitswert des Produkts. «Bei laktosefreien Produkten meinen manche Leute, das habe Vorteile zum Abnehmen. Dabei ist die Laktose in 90 Prozent der Fälle noch im Produkt drin – sie ist nur in Glukose und Galaktose aufgespalten», erklärt der Ernährungsexperte. «Der Zucker ist also vorverdaut und für den Körper fast noch schneller verfügbar. Auch schmeckt das Produkt sogar süsser, weil die Glukose im Mund sofort wahrgenommen wird.»
Ähnlich verhalte es sich mit Attributen wie «Bio», «glutenfrei» oder «vegan». Viele Menschen assoziieren diese Begriffe mit «gesund», ohne sich kritisch mit der Zutatenliste oder der tatsächlichen Zusammensetzung auseinanderzusetzen.
Wildwuchs im Netz
Die aktuelle Umfrage zeigt, dass sich rund die Hälfte der Befragten online informiert. Laut Prof. Fäh liegt genau hier das Problem. Social Media fungiere als Fabrik für Scheinwissen, in der die Grenzen zwischen Marketing und Wissenschaft verschwimmen. «Jede und jeder kann im Internet ein Experte sein. Dabei fehlt die Studienlage für die umworbenen Produkte komplett oder sie sind zu ungenau», erklärt der Mediziner. «Das Pflanzenextrakt Ashwaganda beispielsweise ist in aller Munde, aber es gibt keine handfesten Studien. Oder sie sind von Herstellern gesponsert, sodass man keine Empfehlung aussprechen kann.»
Prof. Fäh weist darauf hin, dass selbst offizielle Empfehlungen oft auf wackeligen Beinen stehen, da Ernährungsforschung extrem komplex ist. Anders als bei Medikamenten lassen sich Placeboeffekte oft schlecht kontrollieren. «Es klafft eine grosse Lücke zwischen dem, was die Leute glauben, sei gut oder schlecht für sie, und was man tatsächlich auch beweisen kann.»
Als eine der führenden Krankenversicherungen der Schweiz engagiert sich die Groupe Mutuel für mehr Aufklärung und wirksame Prävention. Mit der aktuellen Studie zu Ernährung und Bewegung schafft sie Transparenz über die Wissenslücken im Alltag und unterstützt versicherte Personen mit individuellen Lösungen dabei, die Balance zwischen Information und nachhaltiger Gesundheit zu finden.
Als eine der führenden Krankenversicherungen der Schweiz engagiert sich die Groupe Mutuel für mehr Aufklärung und wirksame Prävention. Mit der aktuellen Studie zu Ernährung und Bewegung schafft sie Transparenz über die Wissenslücken im Alltag und unterstützt versicherte Personen mit individuellen Lösungen dabei, die Balance zwischen Information und nachhaltiger Gesundheit zu finden.
Warum Sport allein nicht schlank macht
Neben der Ernährung hat Bewegung eine grosse Bedeutung, wenn es um unsere Gesundheit geht. Auch hier zeigt die Umfrage der Groupe Mutuel einen positiven Trend: Im Durchschnitt treiben die Befragten heute 42 Minuten mehr Sport pro Woche als noch im Vorjahr.
Bewegung ist gesund – unabhängig von der Zahl auf der Waage. Dass Sport eine tragende Säule für Herz, Psyche und die Lebenserwartung ist, steht ausser Frage. Wer jedoch hofft, das Gewicht allein durch mehr Schritte oder das Fitnesscenter zu kontrollieren, stösst oft an biologische Grenzen. Prof. Dr. med. David Fäh räumt mit einer weit verbreiteten Hoffnung auf: «Die meisten Leute überschätzen den Effekt der Bewegung bei der Gewichtsreduktion massiv. Studien zeigen relativ klar, dass Bewegung allein praktisch nichts bringt, um das Gewicht nachhaltig zu reduzieren.»
Das Problem liegt in der Biologie unseres Körpers. Wenn wir durch Ausdauer- oder Krafttraining beispielsweise 500 Kilokalorien zusätzlich verbrauchen, entsteht am Ende des Tages kein Defizit in dieser Höhe. «Der Körper fängt an, an anderen Orten zu sparen», erklärt Prof. Fäh. Um das Überleben zu sichern, drosselt der Organismus andere energieintensive Prozesse, etwa das Immunsystem oder bei Frauen die Funktion der Fortpflanzungsorgane. «Es kann sehr frustrierend sein, wenn man versucht, nur mit mehr Bewegung abzunehmen. Es funktioniert schlicht nicht, obwohl es natürlich extrem gesund ist für das Herz, die Psyche und die Lebenserwartung.»
Dass Wissen allein so wenig bewirkt, liegt auch an einer evolutionären Falle. Unser Körper ist darauf programmiert, Hungerzeiten zu überstehen. «Nach oben hin wird nicht reguliert. Wir können so viel zunehmen, wie wir wollen. Aber nach unten hin setzt eine starke Gegenregulation ein», so der Präventivmediziner. Sobald wir versuchen, weniger zu essen, reagiert der Körper mit Stress, Gereiztheit und bei manchen auch mit Kontrollverlust, beispielsweise Heisshungerattacken oder Snacking.
Besonders kritisch: Fettzellen haben ein Gedächtnis. Wer einmal ein hohes Gewicht erreicht hat, trägt dieses biologische Erbe ein Leben lang in sich. «Wenn man einmal massiv zugenommen hat, ist es fast unmöglich, langfristig abzunehmen. Über 90 Prozent der Menschen nehmen wieder zu», sagt Prof. Fäh.
Das Wissen um die gesunde Ernährung wird in diesem Moment zur psychischen Last. Man kennt die Regeln, aber der Körper kämpft mit aller Macht gegen deren Umsetzung an. Deshalb sei es so entscheidend, das Normalgewicht gar nicht erst zu verlassen: «Man sollte das normale Körpergewicht als grosses Geschenk sehen und die Notbremse ziehen, bevor die Fettzellen das eigene Gedächtnis prägen.»
Den Druck auf die Industrie erhöhen
Wissen ist kein Allheilmittel, solange es nur an der Oberfläche kratzt. «Das Verhalten der Menschen zu ändern, ist unglaublich schwierig. Ich würde sogar behaupten, es ist fast hoffnungslos, solange die Verhältnisse gleich bleiben», bilanziert Prof. Fäh kritisch. Er sieht die Lösung daher weniger in individuellen Ratschlägen als in politischen Rahmenbedingungen. Wirksame Massnahmen wären seiner Meinung nach etwa obligatorische Warn-Labels für Produkte mit zu viel Fett, Zucker oder Salz, wie sie Länder wie Kanada bereits erfolgreich einsetzen.
Auch fiskalische Anreize könnten den Druck auf die Industrie erhöhen. Während regional angebautes Obst und Gemüse komplett mehrwertsteuerbefreit sein könnte, sollten laut dem Mediziner ungesunde und leere Kalorien wie gesüsste Getränke deutlich höher besteuert werden. Solche Massnahmen würden Herstellern den Anreiz geben, Rezepturen anzupassen, und den Konsumentinnen und Konsumenten die gesunde Wahl erleichtern.
Den Blick schärfen
Die Kluft zwischen Information und Umsetzung wird erst dann kleiner, wenn wir aufhören, den Heilsversprechen der Frontseite zu glauben. Prof. Fähs wichtigster Rat für den Alltag ist simpel: «Wir müssen lernen, die Rückseite der Produkte zu verstehen. Die Frontseite ist für den Hersteller, die Rückseite für Konsumentinnen und Konsumenten.» Am Ende ist es nicht der Mangel an Disziplin, der uns scheitern lässt, sondern ein ungleicher Kampf gegen die Biologie und ein irreführendes System. Wahres Wissen bedeutet in diesem Fall, Produkte kritisch zu hinterfragen und sich nicht vom nächsten Diät-Hype auf Social Media blenden zu lassen.
Dieser Beitrag wurde vom Ringier Brand Studio im Auftrag eines Kunden erstellt. Die Inhalte sind redaktionell aufbereitet und entsprechen den Qualitätsanforderungen von Ringier.
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