Darum gehts
- Christina Applegate sagt, ihre MS-Diagnose sei zurückgezogen, die Symptome blieben ungeklärt
- Falsche MS-Diagnosen sind möglich, vor allem bei unspezifischen Zufallsbefunden im MRT des Kopfs
- Fehldiagnosen können passende Therapien verzögern und unnötige Immuntherapien mit Risiken auslösen
2021 machte Christina Applegate (54) ihre Erkrankung an Multipler Sklerose öffentlich. Jetzt ziehen die Ärzte die Diagnose überraschend zurück. Statt Erleichterung empfindet die US-Schauspielerin Frust und Hilflosigkeit. Bei Arztbesuchen nutzt sie weiterhin einen Rollstuhl. «Ich habe das Gefühl, alle enttäuscht zu haben», sagt Applegate.
Doch wie sicher ist eine MS-Diagnose? Neurologin Alicja Kalinowska ordnet die Situation ein.
MS wird heute sehr früh erkannt
Kann jemand seit 20 oder 30 Jahren mit einer MS-Diagnose leben, die sich mit heutigen Methoden als falsch herausstellt? «Ja», sagt Kalinowska. Allerdings betrifft das nur wenige Patienten.
Früher erkannten Ärzte die Krankheit meist erst spät an typischen Schüben oder fortschreitenden Beeinträchtigungen. Heute zeigt das MRT Veränderungen im Gehirn extrem früh. Das ermöglicht eine rasche Behandlung, erhöht aber gleichzeitig das Risiko von Fehldiagnosen.
Gefahr bei Zufallsbefunden
Besonders vorsichtig müssen Ärzte bei zufälligen MRT-Befunden sein. Unspezifische Veränderungen im Gehirn lassen sich leicht als MS-Herde missverstehen.
Passen Symptome, MRT-Bilder und weitere Abklärungen zusammen, sinkt das Risiko. Dennoch müssen Ärzte MS von zahlreichen anderen Erkrankungen abgrenzen.
Migräne kann MS ähneln
Denn: Auch Migräne kann im Gehirn Spuren hinterlassen, die im MRT wie MS-Herde aussehen. Autoimmunerkrankungen lösen ebenfalls ähnliche Beschwerden aus.
Zu den wichtigsten Alternativen zählen Neuromyelitis optica und MOGAD. Spezielle Bluttests helfen, diese Krankheiten von MS zu unterscheiden. Auch Lupus oder seltene genetische Erkrankungen kommen infrage.
Falsche Diagnose hat schwere Folgen
Eine Fehldiagnose führt dazu, dass die tatsächliche Krankheit zu spät behandelt wird. Besonders problematisch ist das bei Neuromyelitis optica, die eine ganz andere Therapie erfordert. Einige MS-Medikamente können den Zustand sogar verschlechtern. Zudem greifen viele MS-Medikamente stark ins Immunsystem ein und haben Nebenwirkungen.
«Patienten glauben die Diagnose oft nicht»
Die Diagnose MS löst Angst aus. Kalinowska sagt: «Patienten glauben die Diagnose oft nicht.» Manche suchen deshalb nach alternativen Erklärungen.
Unseriöse Informationen und ungeeignete Tests führen jedoch zu falschen Schlüssen und verzögern die richtige Behandlung. Patienten werden teils jahrelang wegen einer Krankheit behandelt, die sie gar nicht haben.
Wer Zweifel an seiner Diagnose hat, sollte eine Zweitmeinung bei einem spezialisierten Neurologen einholen, sagt Kalinowska. Und die lässt hoffen: Modernste Therapien können den Verlauf von MS heute deutlich besser beeinflussen als früher.
Dieser Artikel erschien zuerst auf medonet.pl. Das polnische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.