Darum gehts
- Die Low-Fodmap-Diät ist für Reizdarmpatienten gedacht, nicht für Gesunde ohne klare Symptome
- In drei Phasen werden Fodmap-reiche Lebensmittel gemieden, getestet und individuell angepasst
- Lange strenge Anwendung kann Darmbakterien verringern und Mängel oder Essstörungen fördern
Blähbauch, Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme: Die Low-Fodmap-Diät soll Menschen mit einem empfindlichen Darm helfen. Dabei werden bestimmte Kohlenhydrate, die im Darm Beschwerden auslösen können, vorübergehend vom Speiseplan gestrichen und später schrittweise wieder eingeführt.
Doch für wen ist die Ernährungsform sinnvoll? Was bringt sie tatsächlich – und wo liegen die Risiken? Blick hat mit einem Experten gesprochen, um die Low-Fodmap-Diät einzuordnen und zu klären, worauf Betroffene achten sollten.
«Kein allgemeiner Ernährungstrend»
Fodmaps sind bestimmte, kurzkettige Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, die im Dünndarm schlecht aufgenommen werden. Dazu gehören beispielsweise Fruktose, Laktose, Fruktane, Galaktane und Sorbit. Durch die vorübergehende Reduktion von Fodmaps gelangen weniger dieser Kohlenhydrate in den Dickdarm. Dadurch entstehen weniger Gase und es wird weniger Wasser in den Darm gezogen, wodurch Beschwerden gelindert werden können.
Ernährungsberater Fabian Krebs (32) stellt klar, dass die Low-Fodmap-Diät keinen allgemeinen Ernährungstrend darstellt, sondern ein gezieltes therapeutisches Werkzeug für Menschen mit spezifischen funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen ist. Ein allgemeiner Nutzen für die gesamte Bevölkerung existiert nicht.
So läuft die Diät ab
«Die primäre und am stärksten wissenschaftlich belegte Zielgruppe sind Patientinnen und Patienten mit einem diagnostizierten Reizdarmsyndrom. Klinische Studien zeigen konsistent, dass Betroffene durch die Diät eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden erfahren.» Darüber hinaus könnten auch Personen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa profitieren, erklärt der Experte.
Die Low-Fodmap-Diät besteht aus drei Phasen. Zuerst werden Fodmap-reiche Lebensmittel wie Zwiebeln, Knoblauch, Weizenprodukte, Äpfel und Hülsenfrüchte für 2 bis 6 Wochen gemieden. Danach werden sie schrittweise wieder eingeführt, um persönliche Unverträglichkeiten zu erkennen und Lebensmittel zu testen. In der letzten Phase wird die Ernährung individuell angepasst, sodass möglichst viele Lebensmittel weiterhin gegessen und die Symptom-Trigger eingedämmt werden können.
«Kann Entstehung von Essstörungen fördern»
Eine Low-Fodmap-Diät birgt jedoch auch Risiken. «Fodmaps sind grundsätzlich nicht ungesund – viele von ihnen, wie etwa Fruktane und Galaktooligosaccharide, dienen dem Körper als wichtige Präbiotika und Nahrung für gesundheitsfördernde Darmbakterien.» Wird die Diät langfristig streng eingehalten, verändert sich die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms negativ. Studien zeigen, dass dabei nützliche Darmbakterien schnell abnehmen können.
«Zudem kann der Verzicht auf ganze Lebensmittelgruppen zu einem Mangel an Calcium, B-Vitaminen und Ballaststoffen sowie zu einer zu geringen Kalorienzufuhr führen. Auf psychologischer Ebene kann das restriktive Ernährungsverhalten bei gefährdeten Personen die Entwicklung oder Entstehung von Essstörungen wie Orthorexie oder Vermeidungshaltung gegenüber Nahrungsmitteln fördern.»
Gesunde Menschen ohne Magen-Darm-Symptome würden keinerlei physiologischen Vorteil aus einer Fodmap-armen Ernährung ziehen. «Im Gegenteil: Durch den unnötigen Verzicht auf präbiotische Ballaststoffe schaden sie ihrer Darmflora und schränken ihre Ernährungs- und Lebensqualität ohne medizinischen Grund ein.»