Darum gehts
- In ihrem Buch «You’ve been pooping all wrong» klärt Trisha Pasricha offen über Verdauung und Darmgesundheit auf.
- Die Annahme, dass man genau einmal am Tag auf die Toilette muss, widerlegt sie.
- Der Schlüssel zur Darmgesundheit liegt in einfachen Lebensstil-Basics.
Als Tochter eines Magen-Darm-Spezialisten wuchs Trisha Pasricha in einer Familie auf, in der Verdauung nie ein Tabuthema war. Diese frühe Vertrautheit prägte auch ihre berufliche Karriere: Heute ist sie selbst Gastroenterologin, leitet das Institut für Darm-Hirn-Forschung am Beth Israel Deaconess Medical Center und lehrt als Assistenzprofessorin an der Harvard Medical School in Boston.
Passend zu ihrem neuen Buch «You've Been Pooping All Wrong: How to Make Your Bowel Movements a Joy» räumt sie im Gespräch mit der Onlineplattform Medscape Medical News mit verbreiteten Mythen rund um die Darmgesundheit auf:
Mythos 1: Jeder sollte einmal pro Tag Stuhlgang haben.
Der Gedanke, täglich einmal auf die Toilette zu müssen, halte sich hartnäckig, sagt Pasricha. Doch viel wichtiger als eine bestimmte Zahl seien zwei andere Dinge: «Erstens sollte es mühelos sein. Ich möchte nicht, dass sich Menschen anstrengen müssen oder aus dem Badezimmer kommen und das Gefühl haben, einen Marathon gelaufen zu sein.»
Zweitens sollte es das eigene Leben nicht einschränken. «Was normal ist, ist sehr individuell», sagt sie. Jemand könne dreimal am Tag Stuhlgang haben und vollkommen gesund sein. Eine andere Person empfindet diese Häufigkeit vielleicht als störend. Der Expertin zufolge ist es wichtig, ob der Rhythmus für den Einzelnen funktioniert.
Mythos 2: Nahrungsergänzung fördert die Darmgesundheit.
«Teure Pülverchen sind reine Geldverschwendung», sagt Pasricha. Die meisten Darm-Supplements hätten keine fundierte wissenschaftliche Basis. In den sozialen Medien werben viele Influencer mit Produkten, die ihre Blähungen oder Verdauungsprobleme geheilt haben sollen.
«Die Industrie nutzt die Schwächen der Menschen schamlos aus», so die Expertin. Sie sehe immer wieder Patientinnen und Patienten, die viel Geld für nicht erprobte Nahrungsergänzungsmittel und Mikrobiomtests ausgegeben haben – und weiterhin unter Symptomen leiden.
Mythos 3: Ein Produkt oder Trick macht den grossen Unterschied.
Anstelle eines Wundermittels empfiehlt die Gastroenterologin ihren Patienten fünf evidenzbasierte Dinge, die die Darmgesundheit verbessern: mehr Ballaststoffe essen, den Alkoholkonsum reduzieren, weniger hochverarbeitete Lebensmittel konsumieren, den unnötigen Gebrauch von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (wie Ibuprofen oder Aspirin) reduzieren und Stress bewältigen. Dieser nämlich kann die Darmschleimhaut bereits nach wenigen Stunden durchlässiger machen.
Wer sich an diese Regeln hält, verhindert gemäss Pasricha, dass im Darm kleinste Entzündungen entstehen und dass das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät.
Mythos 4: Den Stuhlgang aufzuschieben, ist harmlos.
«Aus falscher Scham öffentliche Toiletten zu meiden, kann zu Verstopfung führen», warnt Pasricha. Weil der Dickdarm rund um die Uhr Wasser entzieht, verändert sich der Stuhl über den Tag massiv: Was morgens um 9 Uhr im Darm liegt, ist abends um 21 Uhr härter, trockener und schwerer auszuscheiden.
«Wer den Drang unterdrückt, verpasst die aktivste Phase des Darms und arbeitet gegen den natürlichen Rhythmus seines Körpers.» Deshalb sollte man reagieren, sobald der Körper signalisiert, dass man auf die Toilette muss.