In der Praxis von PD Dr. med. Joachim Mertens im GastroZentrum an der Klinik Hirslanden in Zürich hängt ein grosses Gemälde von einer Blumenwiese. «Es stammt noch von meinem Vorgänger», sagt der Spezialist für Verdauungsfragen. «Weil ich es gerne benutze, um meinen Patientinnen und Patienten das Innenleben des Darms zu erklären, habe ich es behalten.»
Der Begriff Darmflora sei heute zwar veraltet und durch die Bezeichnung Mikrobiom ersetzt worden. «Denn die Mikroorganismen im Darm sind nicht pflanzlicher Herkunft, sondern zum grössten Teil Bakterien, also winzige Lebewesen.» Eine satte, blühende Wiese verdeutliche aber trotzdem gut, wie es in einem gesunden Darm aussehe: «Eine dichte ‹Bakterienwiese› schützt vor Entzündungen und dem Eindringen krankmachender Keime.» Dabei gilt: Je mehr verschiedene Bakterienarten vorhanden sind, desto besser.
Woher die Bakterien in unserem Bauch überhaupt stammen, was sie aus der Bahn wirft oder stärkt und wie sie mit Darmkrebs zusammenhängen, erklärt der Experte, der zum interdisziplinären Team des zertifizierten Darmkrebszentrums an der Klinik Hirslanden gehört, im Folgenden.
Wie kommt der Mensch zu seinem Mikrobiom?
«Der relevante Teil der Besiedlung unseres Magen-Darm-Trakts mit Bakterien beginnt während unserer Geburt», sagt Facharzt PD Dr. med. Joachim Mertens. «Im Uterus ist der Darm noch weitgehend keimfrei.» Babys, die vaginal geboren werden, sammeln auf dem Weg nach draussen mehr verschiedene Bakterien ein als Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen.
Einen Unterschied gebe es auch zwischen gestillten und nicht gestillten Säuglingen. «Weil die Muttermilch und die Haut der Mutter nicht steril sind, tragen sie zur individuellen Keimzusammensetzung im Darm bei.» Bei nicht gestillten Kindern könne durch die reduzierte Bakterienvielfalt eine spätere Neigung zu Allergien entstehen (mehr zu Allergien weiter unten).
Die ersten Lebensmonate sei der Darm bezüglich Bakterien so aufnahmefähig «wie ein frisch gepflügter Acker». Und weil alles, was wir zu uns nehmen, Keime enthält, wird unsere «innere Wiese» immer blumiger. Unter dem Strich erwerben sich so alle ihr ganz eigenes, unverwechselbares Mikrobiom, dass von rund 1000 möglichen etwa 300 bis 400 verschiedene Bakterienarten umfasst.
Wer Beschwerden mit der Verdauung hat und sich nicht sicher ist, ob eine medizinische Abklärung nötig ist, kann sich jederzeit an die Hirslanden Healthline, das GastroZentrum Hirslanden oder das zertifizierte Darmkrebszentrum an der Klinik Hirslanden in Zürich wenden.
Wer Beschwerden mit der Verdauung hat und sich nicht sicher ist, ob eine medizinische Abklärung nötig ist, kann sich jederzeit an die Hirslanden Healthline, das GastroZentrum Hirslanden oder das zertifizierte Darmkrebszentrum an der Klinik Hirslanden in Zürich wenden.
Woraus setzt sich das Mikrobiom zusammen?
«An erster Stelle stehen Bakterien wie die sogenannten Firmicutes oder Bacteroides», erklärt Experte Mertens. «Aber es sind auch immer Pilze dabei, etwa Hefen. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. Letztere werden zum Beispiel über das Essen von Brot aufgenommen.» Teure Darmsanierungen – also Kuren, bei denen Darmbakterien und anderen Mittel zur Darmreinigung eingenommen werden –, seien wegen dieser Pilze daher unnötig.
Alle Mikroorganismen leisten wichtige Arbeit: «Sie produzieren zum Beispiel Vitamin B12 und Vitamin K und kurzkettige Fettsäuren, die für die Darmbarriere und damit Darmgesundheit essenziell sind.»
Wie robust ist unser Mikrobiom?
«Es ist sehr resilient. Was man versteht, wenn man sich die Darmoberfläche unter dem Mikroskop anschaut», sagt PD Dr. med. Joachim Mertens. Dank Millionen von Einstülpungen, medizinisch Krypten genannt, habe der Dickdarm eine gigantische Oberfläche. Und alle diese Einstülpungen seien voll mit Keimen des Mikrobioms. «Das macht es praktisch unzerstörbar.»
Allerdings: «Wie bei einer Blumenwiese wächst vor allem das, was gut gedüngt wird.» Das bedeutet: Was wir zu uns nehmen, entscheidet darüber, welche Mikroorganismen gefüttert werden. Sind es die falschen Bakterien, kann eine Dysbiose entstehen. Das heisst, unser Mikrobiom kommt aus der Balance, weil sich ungünstige Bakterien zu sehr vermehren.
Welche Rolle spielt das Mikrobiom bei Darmkrebs?
«Ein Ungleichgewicht der Mikroorganismen im Darm kann die Tumorentstehung oder das Tumorwachstum direkt beeinflussen», schildert Gastroenterologe Joachim Mertens. Denn: «Manche Bakterien produzieren Stoffwechselprodukte, von denen man weiss, dass sie krebserregend sind. Zum Beispiel bestimmte Kolibakterien.»
Zu diesen schädlichen Stoffen gehören etwa sekundäre Gallensäuren oder bakterielle Toxine, die die Zellen der Darmwand schädigen können. Nehmen Bakterien im Darm überhand, die solche Gifte produzieren, ist das also ungünstig.
Gerade deshalb sollten anhaltende Beschwerden mit der Verdauung wie zum Beispiel starke Blähungen oder Stuhlveränderungen ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Auch Blut im Stuhl und anhaltende Müdigkeit können Symptome von Darmkrebs sein.
Kann ich mir Darmkrebs anessen und antrinken?
«Ja», sagt der Facharzt. «Besonders der Alkoholkonsum ist ein signifikanter Risikofaktor. Stand 2026 muss man medizinisch nüchtern sagen: Am besten ist es, ganz auf Alkohol zu verzichten. Schon moderates Trinken erhöht das relative Risiko für Darmkrebs messbar.» Ein Teil dieses Effekts komme vermutlich deshalb zustande, weil Alkohol die Bakterienzusammensetzung im Darm verändere. Heisst: Wie bereits erwähnt, füttern wir ungünstige Bakterien.
Rauchen sei ebenfalls problematisch. «Wie Alkohol wirkt es generell toxisch und beeinflusst neben dem Mikrobiom und auch das Immunsystem negativ.»
Ebenfalls ungünstig seien Emulgatoren in Fertigprodukten und hochraffinierter Zucker, weil auch sie dazu beitragen, dass sich die falschen Bakterien vermehren. Der Darmexperte verzichtet deshalb selbst konsequent auf Fertiggerichte.
Welchen Einfluss hat die Genetik?
«Sie beeinflusst zum Beispiel, wie viel Schleim unser Darm produziert und wie eng oder weit die Verbindungsmoleküle zwischen den Darmzellen sind. Das kann sich auf die bakterielle Besiedlung im Darm und damit auf das Mikrobiom auswirken.»
Etwa 5 Prozent der Dickdarm- und Enddarm-Krebserkrankungen sind erblich bedingt. Bei rund 20 bis 30 Prozent der Patientinnen und Patienten kann ein anderes Familienmitglied betroffen sein. «Dort ist dann für die anderen Familienmitglieder eine frühzeitige Vorsorge angezeigt.» Das beste Mittel dafür ist eine Darmspiegelung.
Die Darmspiegelung gilt als Goldstandard in der Darmkrebsvorsorge. Für Menschen ab 50 Jahren ist sie von der Krebsliga empfohlen und wird von der Krankenkasse übernommen. Menschen mit Darmkrebs-Fällen in der Familie oder mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) sollten sich schon früher abklären lassen.
Die Darmspiegelung gilt als Goldstandard in der Darmkrebsvorsorge. Für Menschen ab 50 Jahren ist sie von der Krebsliga empfohlen und wird von der Krankenkasse übernommen. Menschen mit Darmkrebs-Fällen in der Familie oder mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) sollten sich schon früher abklären lassen.
Schadet eine Darmspiegelung meinem Mikrobiom?
Um Krebsvorstufen wie Polypen erkennen zu können, muss der Darm leer sein. Das heisst, man muss vor einer Darmspiegelung ein Abführmittel nehmen (mehr Infos im Erfahrungsbericht). In der Folge werden mit dem Stuhl auch Mikroorganismen unseres Mikrobioms ausgeschwemmt. Allerdings ist das laut Joachim Mertens unproblematisch. «Viele Patientinnen und Patienten fragen hinterher, ob es einen Wiederaufbau braucht. Aber mit dem Mikrobiom ist es wie mit einer Wiese im Sommer: Kaum hat man sie gemäht, ist alles wieder da. Sofern man sich nicht nur von Weissbrot und Softdrinks ernährt.»
Wie wirken sich Antibiotika aus?
Antibiotika töten nicht nur krankmachende, sondern leider auch die guten Bakterien ab. Dadurch kann es vorkommen, dass sich unerwünschte Keime ausbreiten. «Clostridium difficile ist so ein Fall», sagt Facharzt Mertens. «Er verursacht schwere Durchfallerkrankungen.»
In bestimmten chronischen Fällen bleibe als einzige Heilmethode eine Stuhltransplantation. Dabei werden Bakterien aus einem Spenderstuhl extrahiert und dem Patienten oder der Patientin eingepflanzt, um das Mikrobiom wiederaufzubauen. «Das ist aber praktisch die einzige Anwendung für eine Stuhltransplantation. Ansonsten ist das eigene Mikrobiom viel zu stark mit uns verwachsen, als dass diese Methode etwas bringen würde.»
Verändert sich das Mikrobiom, wenn wir älter werden?
«Ja, die Diversität der Mikroorganismen nimmt im Alter ab», erklärt Gastroenterologe Joachim Mertens. «Das kann immunologische Gründe haben, aber auch mit vermehrter Medikamenteneinnahme oder einseitiger Ernährung zusammenhängen.» Bei Frauen spielen zudem die Hormonänderungen in der Menopause eine messbare Rolle. «Wenn das Östrogen abnimmt, ändert sich auch die Zusammensetzung des Mikrobioms.»
Was hat das Mikrobiom mit Allergien zu tun?
«Die Mikrobiombesiedlung spielt nach heutigem Wissensstand eine Rolle bei der Allergieentstehung, da diese eng mit unserem Immunsystem verknüpft ist», schildert Mertens. Grundsätzlich steht das Immunsystem, das mit rund 80 Prozent der Immunzellen im Darm vertreten ist, in einem ständigen Austausch mit dem Mikrobiom. So erfährt es, welche Keime es eliminieren muss.
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem zu heftig auf an und für sich harmlose Stoffe und schiesst übers Ziel hinaus. Das kann das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen. Umgekehrt kann es aber auch möglich sein, dass erst durch ein gestörtes Mikrobiom Allergien auftreten.
Welche Krankheiten verursacht ein gestörtes Mikrobiom sonst noch?
«Wir wissen, dass das Mikrobiom Einfluss auf die Entstehung und Regelung einer Entzündung hat. Und dass seine Zusammensetzung möglichweise mit Autoimmunerkrankungen zu tun hat», sagt Facharzt Joachim Mertens. Selbst psychiatrische Krankheitsbilder wie Depressionen werden mit einer Dysbiose in Zusammenhang gebracht. «Und es gibt sogar Studien, die zeigen, dass das Mikrobiom beeinflussen kann, ob wir eher dick oder eher dünn sind.»
Welche Warnsignale darf ich nicht ignorieren?
Veränderungen im Mikrobiom äussern sich oft durch Blähungen oder Unwohlsein. Halten die Beschwerden an, ist es ratsam, ärztlich abzuklären, was dahintersteckt. Manchmal reichen schon kleine Änderungen in der Ernährung, um Verbesserungen zu erzielen.
Ein sehr ernstzunehmendes Warnzeichen für Darmkrebs ist Blut im Stuhl. «Ob hell- oder dunkelrot spielt dabei keine Rolle», verdeutlicht Experte Mertens. Tumore im Enddarm können sich durch helles Blut im Stuhl äussern. «Alles auf harmlose Hämorrhoiden zu schieben, ist deshalb ein Fehler.» Auch wenn man ungewollt Gewicht verliert oder sich ständig schlapp fühlt, kann Darmkrebs dahinterstecken. Eine frühzeitige Abklärung verbessert die Chance auf eine Heilung.
Wie stärke ich mein Mikrobiom?
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für die Mikroorganismen in unserem Darm zentral. «Das Mikrobiom liebt Pflanzenfasern und Ballaststoffe, zum Beispiel aus Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten.
Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kimchi sind ideal. Und Polyphenole, also sekundäre Pflanzenstoffe, die als Farb-, Geschmacks- oder Schutzstoffe in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen.»
Mit viel Bewegung tut man seinem Mikrobiom ebenfalls Gutes. Joachim Mertens: «Der Darm liebt es, wenn wir aktiv sind. Das beeinflusst die Verdauung positiv.»
Noch mehr über das Thema Verdauung und Darmkrebs erfahren? Am Samstag, 28. März 2026, findet in der Klinik Hirslanden Zürich eine Gesundheits-Matinée zu Magen-Darm-Beschwerden statt. Aus Platzgründen ist der Eintritt nur mit vorheriger Anmeldung möglich.
Dieser Beitrag wurde vom Ringier Brand Studio im Auftrag eines Kunden erstellt. Die Inhalte sind redaktionell aufbereitet und entsprechen den Qualitätsanforderungen von Ringier.
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