Darum gehts
- Das Gehirn bleibt formbar, Reize und Lernen schaffen laufend neue neuronale Verbindungen im Alltag
- tDCS kann Konzentration und Planung fördern, ist aber generell keine Lösung für alle Störungen
- Fingerfolgen, Kopfrechnen und Sinnesübungen trainieren Aufmerksamkeit und Gedächtnis im Alltag
Unser Gehirn besitzt die Fähigkeit, sich ein Leben lang zu verändern. Wenn wir Neues lernen, bilden sich auch neue neuronale Verbindungen. Passen wir uns an veränderte Bedingungen an, ändern sich auch die Verbindungen. Diese Eigenschaft des Gehirns nennt sich Neuroplastizität. Eine Methode, die dabei unterstützen kann, ist die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS).
Bei der Methode wird ein schwacher Strom durch Elektroden über die Kopfhaut geleitet, um die Aktivität bestimmter Hirnregionen zu beeinflussen. Das fördert die Neuroplastizität. Laut der Neuropsychologin Aleksandra Wójcik vom Stress-Free Institute im polnischen Warschau können damit vor allem kognitive Fähigkeiten wie Konzentration und Planung verbessert werden. Jedoch handelt es sich bei Neurostimulation nicht um eine Universallösung für alle Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen.
Training für dein Gehirn
Die Experten am Stress-Free Institute betonen, dass eine Therapie jeweils an die persönlichen Bedürfnisse des Empfängers angepasst werden muss und zudem meist mit kognitivem Training und psychologischer Unterstützung einhergeht.
Kommt es zu kognitivem Training, gibt es viele Übungen, die man ganz einfach selbst durchführen kann. Dazu reicht es, wenn man sich in einer ruhigen Minute an den Schreibtisch setzt.
Finger- und Wortkombination
Tippe mit der Daumenspitze nacheinander Zeige-, Mittel-, Ring- und den kleinen Finger an. Danach geht es im Rückwärtsgang wieder zurück. Wiederhole das mit der anderen Hand und beginne von vorne.
Sobald die Bewegungen einfacher werden, kannst du dir für jeden Finger ein Wort überlegen, das du zum passenden Zeitpunkt sagst. Zum Beispiel Namen, Gemüse, Obst oder Werkzeug. Oder du wählst nur Wörter, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen.
Die Übung kombiniert eine Bewegungsabfolge mit der Anweisung, bestimmte Wörter im Gedächtnis zu behalten. Dadurch fördert sie gleichzeitig Aufmerksamkeit und Erinnerungsvermögen.
Kopfsubtraktion
Diese Aufgabe ist für alle, die gerne Matheaufgaben lösen. Beginne mit der Zahl 500 und ziehe jedes Mal 13 ab. Versuche, die Berechnungen im Kopf durchzuführen, ohne die Ergebnisse aufzuschreiben. Wenn es dir zu einfach ist, kannst du auch mit einer anderen Zahl starten oder den Wert ändern. Dein Gehirn wird dabei zusätzlich gefordert, weil es sich bereits vorausschauend auf die nächsten Schritte konzentriert.
5-4-3-2-1
Bei der letzten Technik wird die Aufmerksamkeit auf die Umgebung und eigene Erfahrungen geleitet. Dabei werden die Sinne angeregt, und es hilft, kreisende Gedanken auf das gegenwärtig Erlebte zu lenken. Allerdings ersetzt sie keine professionelle Hilfe, falls Stress und Konzentrationsprobleme anhalten sollten.
Beachte die folgenden Schritte:
- Fünf Dinge, die du siehst: Schau dich um und nenne zum Beispiel fünf blaue Gegenstände oder Objekte, deren Namen mit dem gleichen Buchstaben beginnen.
- Vier Dinge, die du spürst: Nimm deine Füsse auf dem Boden wahr, deinen Rücken an der Stuhllehne, den Stoff deiner Kleidung auf deiner Haut oder einen Ring an deinem Finger.
- Drei Geräusche, die du hörst: Versuche dabei, nicht nur unmittelbare Geräusche im Raum wahrzunehmen, sondern auch die, die von weiter entfernten Stellen im Gebäude oder von der Strasse kommen.
- Zwei Düfte, die du wiedererkennst: Vielleicht bemerkst du den Duft von Handcreme, deinem Parfüm oder deinen Haaren.
- Einen Geschmack, den du wahrnehmen kannst: Konzentriere dich darauf, ob in deinem Mund noch ein Geschmack verbleibt, zum Beispiel von einem Kaugummi, einer Mahlzeit oder von Kaffee.
Dieser Artikel erschien zuerst auf onet.pl. Das polnische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.