Darum gehts
- Berndeutsch wurde von Blick-Lesern als beliebtester Dialekt der Schweiz gewählt
- Berner ändern fast jeden Namen, oft mit ungewöhnlichen und charmanten Kürzeln
- Beispiele: Martin wird Tinu, Maria zu Miggä, Noah zu Nölu
Die Bernerinnen und Berner haben den beliebtesten Dialekt der Schweiz. In einer Abstimmung der Zeitung Blick räumte ihre Mundart die Goldmedaille ab. In diesem Dialekt töne selbst ein übler Fluch wie eine Liebeserklärung, meint ein Leser. Und viele pflichten bei. «Es tönt richtig gemütlich und einfach schön.»
Stimmt. Berndeutsch ist wunderschön. Es existiert in zahlreichen Ausführungen, etwa dem weichen Bielerdeutsch oder dem gemütlichen Haslitaler-Mundart. Doch eins haben alle Berndeutsch-Abwandlungen gemeinsam. In diesem Dialekt nennt man die Leute nicht gerne bei ihrem richtigen Namen.
Bernerinnen und Berner kürzen fast jeden Namen
Egal, wie man heisst, Bernerinnen und Berner machen daraus einen anderen Namen. Das Phänomen ist so auffällig, dass sich jemand sogar die Mühe gemacht hat, einen Wikipedia-Eintrag darüber zu verfassen. Dort findet man alphabetisch aufgelistet die gängigsten «Verhunzungen» von Vornamen im Berndeutschen Dialekt. Um drei Beispiele zu nennen, die einigermassen hübsch und über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt sind:
Aus Martin wird Tinu Aus Sebastian wird Sebe oder Sebu Aus Simon wird Simu
Die Abkürzungen verleihen vor allem männlichen Vornamen eine gewisse Coolness, da sie oft auf U enden. Bei weiblichen Vornamen ist die Endung auf den Umlaut Ä üblich, was schon etwas gewöhnungsbedürftiger klingt.
Aus Silvia wird Silä Aus Vanessa wird Vanä Aus Monika wird Monä
Wer verwendet die Berner Spitznamen?
Es ist im Kanton Bern üblich, dass man im Freundeskreis und je nach beruflichem Umfeld auch bei der Arbeit konsequent mit dem typisch bernischen Namenskürzel angesprochen wird. Während Lehrpersonen einen beim vollen Namen rufen.
Auch im Familienkreis sind die dialekttypischen Namensversionen selten anzutreffen. Eltern können ihre Augen jedoch nicht vor der Tatsache verschliessen, dass es ausserhalb des Familiennests ganz sicher zu Verhunzungen des Namens kommen wird, den sie ihrem Kind mit auf den Lebensweg geben. Und leider sind nicht alle berndeutschen Namenskurzversionen schön.
Hier kommt unsere Liste der Babynamen, die in Bern einfach nicht funktionieren – weil sie sofort verschandelt werden und ziemlich hässlich klingen. Das sind die 27 schlimmsten Verhunzungen von Vornamen im Berndeutschen
Ernst = Aschi
Bernerinnen und Berner tragen vermutlich eine Mitverantwortung dafür, dass der Vorname Ernst in den Namenshitparaden schon lange nicht mehr auftaucht.
Mathilda = Hiudi
Natürlich kann es sein, dass eurem Baby diese Kurzform erspart bleibt. Und es stattdessen mit einem Matti davonkommt. Aber wenn ihr es in Bern Mathilda tauft, nehmt ihr ein gewisses Restrisiko in Kauf.
Peter = Pesche
Gerade erfreut sich der Name Peter eines Mini-Comebacks. Schade nur, dass daraus in Bern ein Pesche wird.
Paula = Poula
Zwar kann die jüngere Generation den Namen Paula richtig aussprechen, ältere Bernerinnen und Berner betonen den Namen jedoch gerne dem Dialekt entsprechen. Au wird im Berndeutschen grundsächlich als Ou ausgesprochen.
Juri = Jüre
Ja, Bernerinnen und Berner schaffen es sogar, einen eigentlich unverhunzbaren Namen einzubernern. Jüre ist übrigens gleichermassen die Abkürzung für Jürg.
Nik = Chlöisu
Weil: Nik ist die Kurzform von Niklaus und Chlöisu ist die bernische Form von Niklaus.
Maria = Miggä
Manchmal lässt sich der Werdegang des berner Spitznamens kaum noch nachvollziehen. Im Fall von Maria, dem aktuell häufigsten Vornamen der weiblichen Wohnbevölkerung in der Schweiz, ist es so.
Christoph = Stöffu
Stöffu! Man denkt intensiv an Pantoffeln oder Kartoffeln oder die Kombination von beidem. Kartoffeln in Pantoffeln. Unmöglich.
Jasmin = Jasä
Schwups! Schon ist aus der Blume ein Stammtischspiel geworden.
Silvan = Umie
Null Zusammenhang – egal, in Bern gilt: Hauptsache Verhunzung.
Jean-Pierre = Schämpu
Tönt chli wie Champagner, drum nicht so schlimm. Aber viele Schämplä gibts dennoch nicht mehr in der jüngeren Generation.
Sonja = Sönä
Man hat den Eindruck, es gehe den Bernerinnen und Bernern nur darum, möglichst viele Umlaute in einem Rufnamen unterzubringen. Darum wäre rein theoretisch auch Sönälä möglich im Berndeutschen.
Elena = Elä
Leider wahr.
Joel = Schöggu
Der ist irgendwie süss, weil er nach Schokolade klingt.
Hanna = Hännälä
Manchmal ist die Kurzform eben auch länger als der richtige Name. Alles ist möglich, wenn Bernerinnen und Berner einen Namen verhunzen.
Silvia = Siuflä
Ui, damit muss man erst mal klarkommen.
Andreas = Res
Manche, die Andreas heissen, kommen mit dem coolen Ändu davon. Aber viele von ihnen müssen sich mit Res abfinden.
Franz = Frudä
Albtraum. Und zumindest in einem uns bekannten Beispiel ist dies der Fall.
Therese = Teslä
Das würde Elon Musk gefallen!
Vera = Verlä
Dieser schöne Name hat gerade mächtig zugelegt in der Schweizer Namenshitparade. Eigentlich ist Vera unverhunzbar. Aber nicht in Bern.
Augusta = Güschtlä
Albtraum II.
Paul = Polä
Ausgesprochen schade, wenn aus dem schönen Namen Paul sowas gemacht wird.
Hanspeter = Hämpu
Und der Hampelmann ist nur noch einen Pausenplatz entfernt. Bei diesem Namen sind Hänseleien vorprogrammiert.
Philipp = Fibä
Gewöhnungsbedürftig, nicht?
Noah = Nölu
Ja, auch der beliebteste Bubenvorname der Schweiz ist vor Verhunzungen nicht sicher.
Aurora = Rörlä
Was soll man dazu sagen ... aus Morgenröte wird Kanalisation.
Sofia = Söfälä / Söflä
Aber die Gute Nachricht ist: Auf Berndeutsch tönt die schlimmste Verhunzung immer noch irgendwie schön und herzig, weils sie breit und lang und liebevoll ausgesprochen wird. Also sollte man sich hier vielleicht nicht zu viele Gedanken machen.