Weinbau Wegelin wagt es
Ohne Kupfer im Rebberg

Mathilde Hug Pédeutour und Rafael Hug verantworten die Wegelin-Weine aus Malans. Sie setzten radikal auf die bio-dynamische Bewirtschaftung und sind damit Teil einer rasch wachsenden Bewegung.
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Klein und fein: die Bündner Herrschaft.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Immer mehr Winzerinnen und Winzer setzten auf biologische Bewirtschaftung
  • Der Verzicht auf Kupfer ist delikat
  • Natürliche Präparate aus Tonerde und Schachtelhalm sind hilfreich
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Stefan KellerRedaktor Wein

Von Kindsbeinen an half Rafael Hug im Betrieb mit, er kennt jede Ecke und jedes Detail aus dem Effeff. So kam es bei Wegelin durch den Generationenwechsel zu keinem radikalen Richtungswechsel, sondern viel eher zu einer Schärfung des Profils, insbesondere durch die Schaffung von Lagenweinen, wie man es vom Burgund her kennt.

Es ist Rafael Hugs Verdienst, dass bei Wegelin vor Jahren schon auf biologische Bewirtschaftung umgestellt wurde und mittlerweile auch der biodynamische Anbau gepflegt wird, inklusive Zertifizierung durch Demeter.

Verzicht auf Kupfer

Der Malanser geht sogar noch einen Schritt weiter und verzichtet heute auf den Einsatz von Kupfer. Dieser wird im Weinbau vor allem wegen seiner fungiziden Wirkung gegen Pilzkrankheiten wie den Falschen Mehltau (Peronospora) eingesetzt. Kupfer stört enzymatische Prozesse in den Pilzen und bringt sie zum Absterben. Es ist eine wirksame Methode zur Sicherung von Ernte und Qualität, insbesondere im ökologischen Landbau, führt aber auch zu einer Anreicherung im Boden und kann nachteilige Auswirkungen auf das Bodenleben und die Qualität des Weines haben, weshalb die Menge streng reguliert wird.


Timing is everything

Winzer Hug, der sich in Wien an der Boku, an der Universität für Bodenkunde, auch intensiv mit Alternativen zu herkömmlichen Methoden beschäftigt hat, sieht sich in der Bündner Herrschaft im Vorteil. «Auch dank dem, dass die Rebberge gut durchlüftet sind, kann in unserer Region der Verzicht auf Kupfer funktionieren.»

Wesentlich für den Erfolg ist, dass zum richtigen Zeitpunkt alternative Präparate aus Tonerde, Schachtelhalm, Pinienöl und Algenextrakte eingesetzt werden.

Das Weingut Wegelin ist Teil einer Bewegung, die in der Schweiz in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Die nach biologischen Richtlinien bewirtschafteten Rebflächen verzehnfachten sich in den letzten zehn Jahren auf 2800 Hektaren. Damit werden bereits knapp 20 Prozent der gesamtschweizerischen Rebfläche ökologisch bewirtschaftet, ein internationaler Spitzenwert.


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